Die Natur grünt so grün in der Stralsunder Straße am Vinetaplatz. Sie wächst und gedeiht beinahe ungestört, weil die Berliner Stadtreinigung (BSR) und bezirkliches Grünflächenamt sich häppchenweise um die Pflege kümmern. Der Abgeordnete Tobias Schulze (Linke) hat nachgefragt, ob das so bleiben muss.

Seit Jahren berichten Anwohnerinnen und Anwohner bei Bürgerbeteiligungen, dass die Stralsunder Straße zwischen Vinetaplatz und Brunnenstraße verwahrlost und trostlos ist. Nun hat der Abgeordnete Tobias Schulze (Linke) nachgefragt, wer für die Pflege des Stadtgrüns zuständig ist. Als Antwort erhielt er eine Karte, die eine kleinteilige Zersplitterung der Zuständigkeiten zeigt. Die Darstellung gleicht einem zweifarbigen Mosaik. Manche Ecken pflegt die BSR, andere das Grünflächenamt des Bezirks. Tobias Schulze überlegt, ob seine Partei fordern solle, den Straßenabschnitt komplett als Grünfläche auszuweisen, damit die Zuständigkeit klar geregelt ist.
Ist hier Straße oder Grünfläche?
Obwohl der Abschnitt der Stralsunder Straße östlich der Brunnenstraße augenscheinlich eine Grünfläche ist, wenn nicht sogar ein Park, ist sie dennoch keine Grünanlage. Zwar dürfen seit Jahrzehnten keine Autos fahren, dennoch ist sie teilweise als Straße ausgewiesen. Begrünt ist die Straße aufgrund eines Konzepts der Landschaftsarchitekten Flechner, Jacobshagen, Klingebeil und Bünz aus den 1970er Jahren. Sie hatten 1972 einen Ideenwettbewerb zur Gestaltung unbebauter Flächen im Brunnenviertel gewonnen. Ihr Vorschlag sah ein grünes Band durch den Stadtteil vor, das entlang der Swinemünder Straße bis zum Vinetaplatz und dann weiter entlang der Stralsunder Straße bis zur Ackerstraße reichen sollte. Doch die aus dem Konzept logisch folgende formelle Umwidmung der Stralsunder Straße in eine zusammenhängende Grünanlage blieb bislang aus. So entstand ein Puzzle an kleinen grünen Inseln, die nun jeweils die BSR oder das Grünflächenamt pflegt.
Die Kritik der Anwohner am „Dschungel am Vinetaplatz“, wie Tobias Schulze formuliert, äußerte sich zuletzt in einer Bürgerbeteiligung zum Start des Förderprogramms Lebendige Zentren und Quartiere Brunnenstraße Nord. „Es ist alles so verwildert und überall ist Müll!“ und „Grundschnitt, existierende Wege und Flächen freischneiden!“ schreiben die Anwohner.
Aus Sicht des Bezirks ist „eine Umwidmung der Flächen derzeit nicht geplant“, wie dem Abgeordneten Tobias Schulze mitgeteilt wurde. Auch habe das Straßen- und Grünflächenamt die Fußwege „in diesem Jahr bereits bis zu den Wegekanten zurückgeschnitten“. Im Herbst werde eine Mittelstreifenmahd folgen, bei der Wildwuchs beseitigt werde.


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