Wie heiß wird es im Wedding?

Wie stark sind Wedding und Gesundbrunnen von Hitze betroffen? Der zweite Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe gibt zumindest Hinweise auf die Situation im Stadtteil. Zieht man die Daten des Umweltgerechtigkeitsatlas des Berliner Senats hinzu, wird das Bild genauer: Vor allem die Menschen im Gesundbrunnen sind in den Sommermonaten besonders hohen Temperaturen ausgesetzt.

Sonnenschirme helfen etwas, die Hitze zu reduzieren. Foto: Hensel
Sonnenschirme helfen etwas, die Hitze zu reduzieren. Foto: Hensel

Deutschland-Vergleich: Berlin ist mittelheiß

Die aktuelle Nachricht ist mittelgut: Berlin ist im deutschlandweiten Vergleich der Umwelthilfe orange eingefärbt. Die Stadt ist also durchschnittlich von Hitze betroffen. Der Hitze-Check berücksichtige drei Daten. Laut Analyse ist der Anteil der Grünflächen in Berlin mit 4,24 Prozent der Stadtfläche gut, der Versiegelungsanteil mit 44,48 Prozent sogar im grünen Bereich. Einen roten Punkt bekommt die Hauptstadt für die durchschnittliche Oberflächentemperatur in den Sommermonaten, die 35,54 Grad Celsius beträgt. Am heißesten ist es in Deutschland laut dem Check übrigens in Mannheim (38,38 Grad Celsius) und Worms (38,12 Grad Celsius). Wohlgemerkt Oberflächentemperatur, nicht Lufttemperatur. Gemessen wurde die Temperatur von Straßen, Gehwegen und Plätzen mit Satelitenaufnahmen.

Klingelschild im Ortsteil Gesundbrunnen. Hier ist es im Sommer tatsächlich besondere heiß. Foto: Hensel
Klingelschild im Ortsteil Gesundbrunnen. Hier ist es im Sommer tatsächlich besondere heiß. Foto: Hensel

Berlin-Vergleich: Mitte ist am heißesten

Zoomt man im Hitzebelastungs-Check weiter hinein, ist der stark verdichtete Bezirk Mitte in der Hauptstadt nach Friedrichshain-Kreuzberg am schlechtesten dran. Mittes Böden haben die höchste Durchschnittstemperatur (37,61 Grad Celsius), sind aber etwas weniger stark versiegelt und haben einen höheren Grünflächenanteil als Friedrichshain-Kreuzberg. Zum Vergleich: In Reinickendorf oder Steglitz-Zehlendorf ist es mit 34,33 Grad Celsius sommerlicher Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche im Verhältnis am kühlsten in Berlin. Der Hitze-Check schlüsselt die Daten bis zur Bezirksebene auf. Über die Ortsteile, also auch Wedding und Gesundbrunnen, macht er keine Aussagen.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Wer wissen möchte, wie stark die Hitzebelastung im Wedding und in Gesundbrunnen ist, muss andere Untersuchungen hinzuziehen. So hat der Berliner Senat 2019 erstmals einen sogenannten Umweltgerechtigkeitsatlas herausgegeben. Dieser wurde zuletzt 2022 aktualisiert. Dieser untersucht die Verteilung von gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen (Lärmbelastung, Luftverschmutzung, thermische Belastung, mangelnde Grünversorgung) im Zusammenhang mit Wohnorten von Menschen mit niedrigem sozialen Statusindex (nach dem Monitoring Soziale Stadtentwicklung). Die Hitzebelastung ist in der Analyse aber ein betrachteter Teilbereich.

Der Leopoldplatz ist auch ein besonders mit Hitze belasteter Ort. Foto: Hensel
Der Leopoldplatz ist auch ein besonders mit Hitze belasteter Ort. Foto: Hensel

Der Umweltgerechtigkeitsatlas färbt die verschiedenen Gebiete je nach thermischer Belastung ein. Besonders heiß sind dunkelrot gefärbte Gebiete. Wer die Karte betrachtet, sieht, dass die Hitzebelastung im Gesundbrunnen am höchsten ist. Rund um die Osloer Straße, im Gebiet Badstraße/Pankstraße und in Teilen der Müllerstraße und am Leopoldplatz ist es nach den Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg besonders heiß. Weiß, also mit wenig Belastung durch Hitze, sind die großen Parks und Grünanlagen wie die Volksparks Rehberge und Humboldthain, der Schillerpark und das Gebiet um den Plötzensee. Sprich: Dort wo Schatten ist, heizt sich die Stadt weniger auf.

Der Hitze-Check

Die Deutsche Umwelthilfe hat zum zweiten Mal einen Hitze-Check durchgeführt. Mehr als 12 Millionen Menschen in deutschen Städten sind demnach von extremer Hitze betroffen, insbesondere im Süden des Landes. Von 190 Städten haben nach der Analyse 31 Städte eine rote Karte bekommen: Menschen in Mannheim, Ludwigshafen und Worms sind am stärksten von Hitze betroffen durch hohe Temperaturen, starke Versiegelung und zu wenig kühlendes Grün. Die Deutsche Umwelthilfe verbindet die Veröffentlichung der Daten mit einer Forderung nach verbindlichen Mindestgrünanteilen auf jedem Grundstück, in jedem Gebäude und im öffentlichen Raum. Sie ruft Betroffene zudem dazu auf, ihre Stadt über ein Online-Formular zu wirksamen Hitzeschutzmaßnahmen aufzufordern.

Hitzeschutz für Berlin und Mitte

Äquivalent zur Kältehilfe gibt es in Berlin inzwischen auch die Hitzeschutzkampagne „Bärenhitze“. Auf der Kampagnenseite im Internet gibt es Fakten zur Hitzestatistik, zu kühlen Räumen, zu Trinkbrunnen, zu Hilfsangeboten für obdachlose Menschen und vieles mehr.

Auch der Bezirk versucht, die Hitzebelastung zu reduzieren. So hat die Entsiegelung von Flächen für die aktuelle Bezirkspolitik eine hohe Bedeutung. Langfristig will der Bezirk rund 150.000 Quadratmeter Fläche entsiegeln, auch weitere grüne Gullys sollen entstehen.

Trinkbrunnen am Vinetaplatz. Foto: Hensel
Trinkbrunnen am Vinetaplatz. Foto: Hensel

Darüber hinaus haben die Berliner Wasserbetriebe inzwischen über 240 kostenfreie Trinkwasserbrunnen in der Hauptstadt aufgestellt, die in den Sommermonaten kühles Trinkwasser zur Selbstbedienung bieten.

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