Ein Gesetzentwurf der Initiative „Volksentscheid Baum“ liefert konkrete, umsetzbare Vorschläge, wie Berlin auch in Zeiten zunehmender Hitzebelastung lebenswert bleibt. Viele Viertel und Kieze in Mitte gelten als thermisch hochbelastet, also als zu heiß. Am Beispiel Müllerstraße lässt sich zeigen, was der Gesetzesvorschlag konkret bedeuten könnte.
Beispiel Müllerstraße: Asphalt statt Schatten
Die Müllerstraße in Berlin-Mitte ist ein gutes Beispiel für dringend notwendige Maßnahmen. Zwischen Einkaufszentren, Restaurants und stetigem Verkehr ist von einem grünen und kühlenden Berlin kaum etwas zu spüren. An den Straßenrändern nördlich und südlich vom Leopoldplatz wachsen nur wenige Bäume. Auf dem Mittelstreifen stehen vor allem vertrocknete Gräser und nur vereinzelte Baumgruppen. Dazwischen gibt es viel Leere.


Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass viele Bäume in einem schlechten Zustand sind. Sie haben kahle Äste und tragen teilweise vertrocknetes Laub. Es fehlt an Grün und an Schatten.
Der Berliner Umweltatlas (2021/2022) zeigt deutlich in verschiedenen Karten, dass mehrere Quartiere entlang der Müllerstraße rund um den Leopoldplatz besonders stark von Hitze betroffen sind. Hinzu kommen weitere Umweltbelastungen durch Luftverschmutzung und Verkehrslärm, die die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen. Auch der Zugang zu Grünflächen in diesen Bereichen wird als gering eingestuft.
Besonders betroffen: sozial benachteiligte Menschen
Viele Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Gebiete sind sozial benachteiligt. Sie beziehen Transferleistung, sind arbeitslos und sind von Kinderarmut betroffen. Gerade sie sind besonders anfällig für die gesundheitlichen Folgen von Hitze. Sie haben wenig Mittel, um sich selbst vor Hitze in ihren Wohnungen zu schützen, oder für private Erholungsmaßnahmen. Die Auswirkungen sind vielfältig und miteinander verwoben: Wer sich nicht ausreichend erholen kann, ist häufiger gestresst, anfälliger für Krankheiten und weniger leistungsfähig im Beruf, in der Kinderbetreuung, in Schule und Ausbildung.
Das BaumPlus-Gesetz
Dabei könnte die Lösung vergleichsweise einfach sein: mehr Straßenbäume. Ein einzelner gesunder Baum kann die Umgebungstemperatur um bis zu sieben Grad senken. Das wirkt sich nicht nur auf das Stadtklima, sondern auch auf die körperliche und seelische Gesundheit der Menschen aus. Besonders für Familien mit Kindern, ältere Menschen und Menschen, die sich keine kühlen Rückzugsorte leisten können, wären mehr Bäume und Kühlinseln im Kiez ein echter Gewinn.


Hier setzt der Gesetzentwurf für das Bäume Plus-Gesetz an, den die Initiative Volksentscheid Baum vorgelegt hat. Ziel des BäumePlus-Gesetzes ist ein konkreter Hitzeschutz durch naturnahe Maßnahmen und eine sozial gerechte Stadtgestaltung. Im Fokus stehen dabei besonders stark belastete Wohngebiete wie im Beispiel Müllerstraße. In den als Hitzevierteln eingestuften sogenannten Planungsräumen sollen stufenweise bis 2040 verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden, unter anderem eine Abkühlung durch mehr Bäume und Stadtgrün um zwei Grad, im Umkreis von 150 Metern ein Minipark und von 500 Metern eine größere Grünfläche. Auch 50 Prozent des Regenwassers soll vor Ort versickern und für Bäume und Stadtgrün zur Verfügung stehen.
Das Gesetz sieht vor, dass alle 15 Meter ein Straßenbaum gepflanzt wird. Werden gefällte Bäume nicht ersetzt, dürfen Bürgerinnen und Bürger nach Ablauf einer Frist selbst aktiv werden und Dienstleister auf eigene Rechnung beauftragen. Im Juni wurde der Gesetzentwurf rechtlich für zulässig erklärt. Stimmt das Abgeordnetenhaus dem Gesetz nicht oder nur teilweise zu, kann es 2026 per Volksentscheid zur Abstimmung kommen.
Weiterlesen zum Thema
Webseite von BaumEntscheid Berlin. Mehr zur Hitzebelastung im Wedding und in Gesundbrunnen steht im Beitrag Wie heiß wird es im Wedding? Mehr über den Volksentscheid steht auch im Beitrag Mehr Bäume für Berlin: Baumentscheid gestartet. Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.
–> Dieser Gastbeitrag wurde vom Initiator des Volksbegehrens, dem BaumEntscheid e.V., fürs Brunnenmagazin verfasst.

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