Von Anfang an stand fest: Die Waschküche soll die Menschen aus dem Kiez und darüber hinaus zusammenbringen, sie soll Kreativität und Austausch ermöglichen. Damit das gelingen kann, muss jemand den Raum am Laufen halten. Dieser Mensch ist Heike Mohaupt-Wonnemann.

Heike Mohaupt-Wonnemann als Koordinatorin der Waschküche zu bezeichnen, würde viel zu kurz greifen. Heike ist mehr als das – sie ist Ansprechpartnerin, Kursleiterin, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und die Person, bei der sämtliche Fäden zusammenlaufen. Stephanie Esser hat mit der Frau gesprochen, die dafür sorgt, dass es in der Waschküche organisatorisch und vor allem menschlich rund läuft.
Vertrauen ist der Wert, den Heike in unserem Gespräch am häufigsten betont. Darauf, so sagt sie, fußt ihre gesamte Arbeit. Das beginnt bei dem Wohnungsunternehmen degewo, das den Raum im Rahmen ihres Quartiersmanagements zur Verfügung stellt und finanziert. „Die lassen uns freie Hand, weil sie darauf vertrauen, dass wir das richtig machen.“ Wir, das sind vor allem Heike und Pfarrer Thomas Jeutner von der Versöhnungsgemeinde, der Trägerin des Nachbarschaftsraums. Pfarrer Jeutner ist zwar ihr Vorgesetzter, doch im Grunde sei sie ihre eigene Chefin, erzählt die 54-Jährige. „Ich kann meine Tätigkeit so gestalten, wie ich es möchte. Und wenn ich Gesprächsbedarf habe, gehe ich zu Thomas. Diese Art der Zusammenarbeit funktioniert wunderbar.“

Eine sinnstiftende Arbeit in der Waschküche
Dreizehn Stunden pro Woche arbeitet Heike für die Waschküche. Bis zur Eröffnung vor drei Jahren war sie bereits zwei Jahre lang hinter den Kulissen tätig. Der Raum musste baulich stark angepasst werden, es galt Angebote einzuholen und ein Konzept für die Inneneinrichtung umzusetzen. Diese erste Phase wurde über den Projektfonds „Sozialer Zusammenhalt“ finanziert. „Das war eine anstrengende Zeit. Bedingungen mussten erfüllt und Berichte geschrieben werden. Es gab lange Sitzungen, eine komplizierte Datenbank und am Ende eine riesige Prüfung.“ Sie schmunzelt. „Seit das vorbei ist, macht mir meine Arbeit nur noch Spaß“.
Ihre Aufgaben sind vielfältig und genau das schätzt Heike so sehr daran. Vor Eröffnung der Waschküche ließ sie sich zur Kiezsport-Übungsleiterin ausbilden – und damit war klar, dass sie das erste Kurs-Angebot selbst machen würde: Seniorensport am Montag. „Im ersten Monat hatte ich nur eine Teilnehmerin, dann wurden es zwei, drei, vier… jetzt sind wir bis zu zwölf. Teils Mitglieder der Kirchengemeinde, teils Nachbarinnen.“ Das zweite Angebot, das es seit den Anfängen gibt, ist das Nachbarschaftscafé. Hier begrüßen Heike Mohaupt-Wonnemann und Pfarrer Jeutner gemeinsam jeden Mittwoch die Menschen aus dem Kiez. „Viele sind einsam zu Hause, oft verwitwet“, erzählt Heike. „Die Leute sind dankbar, dass es diesen Raum gibt. Wenn es mal ausfällt, dann sind sie traurig, weil ihnen etwas fehlt.“


Es ist eine sinnstiftende Arbeit, sagt sie. Das, was im Nachbarschaftscafè stattfindet, könne man auch als einen Teil von moderner Kirche sehen. „Da passiert nichts Missionarisches, es wird keine Bibel gelesen, niemand sagt: Ich weiß, was gut für dich ist. Es ist einfach ein Raum, der Begegnungen untereinander ermöglicht. Wir hören zu, wenn Menschen von dem erzählen, was sie bewegt. Hier werden sie beachtet und gesehen.“
Das Zwischenmenschliche stimmt
Vor neun Jahren brauchte Heike selbst solch eine Anlaufstelle, als sie nach dem Tod ihres Mannes mit drei kleinen Kindern allein da stand. Sie wandte sich an Pfarrer Jeutner, der ihr nach der Beerdigung anbot, sie seelsorgerisch zu betreuen. Aus diesen Gesprächen ergab sich mit der Zeit ein guter Kontakt. Als die Stelle in der Waschküche besetzt werden sollte, fragte Pfarrer Jeutner, ob sie es machen wolle. In ihrer Lebenssituation als Alleineinziehende mit drei Kindern war es genau das richtige Angebot. Die studierte Maschinenbau-Ingenieurin hatte zwölf Jahre nicht mehr in ihrem Beruf gearbeitet. „Mein Herz hing auch nicht dran“, betont sie. Also ergriff sie die Gelegenheit und sagte zu. „Jetzt arbeite ich bei mir um die Ecke, habe nette Kollegen, das Zwischenmenschliche stimmt und ich kann mir alles so einteilen, wie ich möchte.“

Es funktioniert nur mit Vertrauen
Kurz nach der Eröffnung fand im Oktober 2021 das erste Waschküchen-Sommerfest statt. Danach füllte sich der Veranstaltungskalender langsam. Menschen mit Ideen für unterschiedliche Formate kamen auf Heike zu und fragten nach freien Zeitfenstern. Etwa die türkisch-arabischen Frauen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die sich während der Corona-Zeit zum Frühstück auf dem Spielplatz getroffen hatten und das im Winter fortführen wollten. Nach einer Saison liefen diese Treffen dann aus. Oder die afghanische Frauengruppe, deren Mitglieder bis heute aus der gesamten Stadt zum gemeinsamen Kochen und Yoga in die Waschküche kommen. Nicht zu vergessen die verschiedenen Kunst-Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Theater. Manche Angebote bestehen bis heute, andere Kurse konnten sich nicht durchsetzen und wurden nach kurzer Zeit wieder eingestellt.
„Anfangs war ich verunsichert, wenn nur die Hälfte des Wochenplans belegt war“, erzählt Heike. „Aber man kann nichts erzwingen. Also ist unsere Prämisse: Wir haben den Raum und warten drauf, dass jemand kommt und hier etwas machen will.“ Die Resonanz auf die Veranstaltungen und Termine sei sehr unterschiedlich, sagt sie. „Besonders überrascht hat mich, dass beim Lachyoga von Anfang an so viele Leute mitgemacht haben. Weil es nicht so normal ist für die Waschküche. Ich finde es toll, wenn die Leute nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern teilweise von weit her kommen für ein Angebot. Es ist schön, ein Teil davon zu sein.“
Die Gruppen sind autonom, in der Regel ist Heike bei den Veranstaltungen nicht vor Ort. Auch das basiert auf Vertrauen: „Die Leute, die etwas organisieren, sollen den Hut aufhaben. Nur so geht’s. Und bisher hat das gut funktioniert.“

Freude an der Begegnung, Spaß beim Gestalten
Auf die Frage, was ihr denn in ihrem Job am meisten Freude macht, reagiert sie mit einem Lachen. Da gebe es mehrere Dinge. Das Wichtigste seien natürlich die Begegnungen mit den Menschen. Sowohl direkt in der Waschküche als auch bei Veranstaltungen im Kiez oder bei den Treffen der verschiedenen Netzwerke, in denen sie aktiv ist. „Das ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Aber was mir auch großen Spaß macht, ist die Gestaltung der Poster. Die haben wir zu Anfang von einer Designerin entwerfen lassen. Wenn ich jetzt die Elemente für eine Lesung oder eine neue Veranstaltung zusammenbastle und die Leute mir sagen, wie schön sie die Poster finden – das ist schon toll.“
Zum Ende unseres Gespräches frage ich Heike, was sie sich für die Zukunft wünscht. Ihre Antwort kommt sofort: „Dass es so weiterläuft wie bisher. Mit dem vertrauensvollen Miteinander, den schönen Festen, die wir feiern, und den attraktiven Angeboten, die wir der Nachbarschaft bieten können. Das ist wirklich eine runde Sache.“
Waschküche zum Weiterlesen
Das aktuelle Programm der Waschküche ist auf der Webseite waschkueche-brunnenviertel.de zu finden. Einen Beitrag zur Entstehung des Nachbarschaftsraums ist unter der Überschrift Ein Kessel Buntes in der Waschküche veröffentlicht worden.

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