Und nun? Karstadt-Aktionstage zum Leerstand

Leerstand und Raumknappheit bestehen im Wedding Tür an Tür. Das Stadtgewitter-Kollektiv lädt in der kommenden Woche an fünf Aktionstagen zum Nachdenken und zum Austausch zu diesem Themenkomplex ein. Als markantes Beispiel hat sich das Kollektiv das Karstadt-Haus am Leopoldplatz ausgesucht. Stadtgewitter beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema Leerstand. Das Kollektiv belebt derzeit das leerstehende oberste Parkdeck des Cittipoint in der Müllerstraße 141 mit einer weiteren „Operation Himmelblick“. Die Karstadt-Aktionstage unter der Überschrift „False Promises Brought us Here“ beginnen dort am Dienstag, dem 29. Juli.

Auf dem Dach des Cittipoint in der Müllerstraße finden die Karstadt-Aktionstage statt. Foto: Hensel
Auf dem Dach des Cittipoint in der Müllerstraße finden die Karstadt-Aktionstage statt. Foto: Hensel

Der Leerstand des Karstadt-Hauses

Galeria Karstadt am Leopoldplatz hat aufgrund der Insolvenz des Signa-Konzerns vor über einem Jahr geschlossen. Zwischenzeitlich waren von der Eigentümerin, der Versicherungskammer Bayern, Pläne für einen umfassenden Umbau des Gebäudes und für neue Nutzungen in dem Gebäude an der Müllerstraße im Wedding vorgelegt worden. Diese sind bei mehreren Informationsveranstaltungen vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert worden. Geplant waren Büros, Wohnungen und ein neues Warenhaus. Inzwischen spricht die Eigentümerin von geänderten Bedingungen und von einer Neuausrichtung des Projekts. Ob das Warenhaus jemals wieder als Warenhaus öffnen wird, ist unklar. Im April ist im Erdgeschoss ein Supermarkt eingezogen – vorübergehend, wie es hieß. Doch wie geht es weiter?

Ankündigung für die Karstadt-Woche - im ungewöhnlichen Format. Grafik: stadtgewitter e.V.
Ankündigung für die Karstadt-Woche – im ungewöhnlichen Format. Grafik: stadtgewitter e.V.

Falsche Versprechungen

Falsche Versprechungen haben uns hierher gebracht. Die deutsche Übersetzung der Überschrift der Karstadt-Aktionstage „False Promises Brought us Here“ ist so zweideutig wie bitter. Fakt ist, dass es trotz verschiedener Pläne und Bemühungen bisher keinen Neu- oder Umbau gibt, keine größere Zwischennutzung des alten Kaufhauses, kein „Haus der Hilfe“, kein Lokalkaufhaus für den Wedding, kein Dachcafé, nichts. Die immer wieder als schlechtestes Szenario benannte Situation ist eingetreten: Leerstand mitten im Wedding. Der Redebedarf bei Weddinger:innen und Aktiven ist entsprechend groß.

Das Netzwerktreffen

Die Karstadt-Aktionstage beginnen am Dienstag, dem 29. Juli, um 19 Uhr mit einem Netzwerktreffen. Weddinger Initiativen, Aktivist:innen und alle interessierten Personen sind eingeladen, ins Gespräch zu kommen. Die zentrale Frage ist: Was kommt nach dem Leerstand? Es sollen Erfahrungen, Wissen und Strategien rund um das Karstadt-Gebäude gesammelt und ausgetauscht werden. Zwischennutzungspläne und die Hindernisse dafür werden besprochen. Entwickelt werden sollen laut dem Stadtgewitter-Kollektiv „gemeinsame Perspektiven gegen Gentrifizierung und Privatisierung im Wedding und als Ausgangspunkt für die folgenden Aktionstage“. Die öffentliche Veranstaltung findet auf dem obersten Parkdeck (P4) des Cittipoint in der Müllerstraße 141 statt.

Die Workshops

Am Mittwoch (30.7.) und Donnerstag (31.7.) ist auf dem Cittipoint-Dach Workshop-Zeit. Jeweils von 15.30 bis 19.30 Uhr geht es um „Karstadtforschung durch überraschende performative Praxis“. Zwei Tage lang bearbeiten die angemeldeten Teilnehmenden spielerisch die Leerstelle des Karstadtdaches als Treffpunkt, Freiraum und Sehnsuchtsort für den Kiez. Mit performativen Übungen, Schreibsessions, politischen Strategien und der Gestaltung von gemeinsamen Ritualen wird in unterschiedliche räumliche Praktiken eingetaucht. Dabei soll eine Aneignung am Samstagnachmittag vorbereitet werden. Im Anschluss an den Workshop wird gemeinsam gekocht und gegessen. Wer Interesse an den Workshops hat, kann sich bis Sonntag, den 27. Juli, per E-Mail unter post@operation-himmelblick.com anmelden.

Operation Himmelblick im vergangenen Jahr. Foto: Johannes Rau
Gemeinschaft und Diskussion bei der Operation Himmelblick auf dem Dach des Cittipoint. Foto: Johannes Rau

Karstadt-Parade: Von Dach zu Dach

Nennt es Aneignung, nennt es Parade: Am Samstag, dem 2. August, geht es aufs Karstadt-Dach. Die Parade, die um 16 Uhr auf dem Cittipoint-Dach beginnt, ist der Höhepunkt der Aktionstage. Das Stadtgewitter-Kollektiv will „nach den Erfahrungen der Woche einen gemeinschaftlichen Moment“ schaffen. Wer bei der Organisation und Entwicklung der Parade mitmachen möchte, kann sich für den Workshop anmelden. Nach der Parade von Dach zu Dach geht es zurück zum Cittipoint. Dort sollen die Aktionstage von 19 bis 21.30 Uhr bei Musik und Getränken ausklingen.

Mehr über die Operation Himmelblick auf dem Cittipoint-Dach steht im Beitrag Operation Himmelblick: Wedding geht aufs Dach!

Die Regale im Karstadt am Leopoldplatz sind leer. Der Leerstand begann. Foto: Hensel
Die Regale im Karstadt am Leopoldplatz sind ausgeräumt. Der Leerstand begann. Foto: Hensel
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Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Tach’chen allerseits

    völlig egal ob Stadtgewitter oder Dorfwind sich 5 Aktons-Tage zum Nachdenken mit Werkstatt und Allerleikrimskram dort unter den Motto „Falsche Versprechen brachten uns hierher“ zusammen finden , zuerst mal wird die VKB das tun was für sie am gewinnbringend sein wird…. und wenn es eben Leerstand sein wird…. Folge dem Geld

    Kühle Restwoche noch

    Ps ist der kleine Seemann schon zurück !?

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Hallo Reinhard, ich finde die Leute von Stadtgewitter interessant. Die haben mal ganz andere Ideen, sind Stadtplaner und Künstler. Ist klar, dass sich davon das leerstehende Karstadt nicht plötzlich verwandelt. Aber alle reden ja die ganze Zeit über alles mögliche Zeug. Das ist wenigstens mal ein interessantes Thema. Wenn ich Zeit hab, geh ich mal hin. Bist Du schon auf dem Cittipoint-Dach gewesen?

      Der Seemann ist (noch) ein Seemann und das am liebsten für immer ;)
      Viele Grüße, Dominique

      1. Avatar von Reinhard
        Reinhard

        Nö solche Happenings sind nix für den ollen Reinhard… ja klar reden Stadtplaner u Künstler über alles mögliche wenn der Tag lang ist aber am Ende zählt nur ob für den Eigentümer dabei was raus springt… ist nun mal so😤. Oje Junge komm bald… hat Freddy Quinn gesungen

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