Nach zwei Jahren Leerstand: Forderungen für Karstadt am Leopoldplatz

Das Karstadt am Leopoldplatz steht seit zwei Jahren weitgehend leer. Nachdem die Eigentümerin, die Versicherungskammer Bayern, ihre Umbaupläne für das prägende Gebäude auf Eis gelegt und auch eine vom Bezirk geplante Zwischennutzung abgesagt wurde, wächst der Ärger in der Nachbarschaft. Lokale Initiativen haben nun ihre Vorstellungen für eine gemeinwohlorientierte Nutzung des Hauses in ein Positionspapier formuliert. Das Papier wurde bei einer künstlerischen Performance am 31. Januar präsentiert.

Bei der performativen Präsentation des Positionspapiers am 31. Januar 2026. Foto: Johannes Rau
Bei der performativen Präsentation des Positionspapiers am 31. Januar 2026. Foto: Johannes Rau

Künstlerische Performance präsentiert Positionspapier

Die künstlerische Präsentation war auf den Tag genau zwei Jahre nach der Schließung des Warenhauses. An dem sehr kalten Wintertag kamen rund 80 Menschen auf das Parkdeck des leerstehenden Karstadt-Gebäudes. Teil der Veranstaltung bildete die Performance von „Karstadt Einzüge“. Diese inszenierte die mit Sound, Bewegung und Einkaufswagen einen kollektiven Zugriff auf das Gebäude. Nachbar:innen konnten zudem die fünf Kapitel des Positionspapiers an verschiedenen Stationen erkunden.

Forderungen des Karstadt Netzwerks

„Der Karstadt ist kein leeres Objekt, sondern ein zentraler, sinnstiftender Ort im Wedding und seine Zukunft darf nicht länger hinter verschlossenen Türen verhandelt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des „Karstadt Netzwerk am Leo“. Das Netzwerk verweist auf die Bürgerbeteiligung im Jahr 2022, bei der rund 200 Anwohnende, Initiativen und Gewerkschaftsvertreter:innen formuliert hatten, was sie an dem Standort in Zukunft nicht wollen: Bürohaus, Hotel oder Luxuswohnungen, Verdrängung.

Das nun veröffentlichte Positionspapier knüpft an diese Forderungen an und konkretisiert sie. Gefordert werden darin zum Beispiel günstige beziehungsweise kostenlose, flexible Flächen für soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Arbeit. Wichtig ist dem Netzwerk auch ein Nutzungsmix, der sich an den realen Bedarfen des Kiezes orientiere. „Der Karstadt soll ein offener, inklusiver und barrierearmer Ort werden – ein Nachbarschaftszentrum statt einer weiteren renditegetriebenen Immobilie“, heißt es in der Mitteilung.

Kritik an der Zwischennutzung

Zentral ist die Kritik an einer Ablehnung der durch den Bezirk Mitte geplanten Zwischennutzung. Eine auf einen Container im Hinterhof begrenzte Nutzung für Kultur und Nachbarschaft, wie es derzeit von der Eigentümerin angeboten wird, lehnt das Positionspapier ab. Das Netzwerk wünscht sich stattdessen eine dauerhafte Perspektive für die Zwischennutzer:innen.

Alle Forderungen des „Karstadt Netzwerk am Leo“ können im Positionspapier nachgelesen werden.

Schon fast leer: Im Karstadt am Leopoldplatz kurz vor der Schließung 2024. Foto: Hensel
Schon fast leer: Im Karstadt am Leopoldplatz kurz vor der Schließung 2024. Foto: Hensel

Hintergrund: Der Fall Karstadt am Leopoldplatz

Galeria Karstadt am Leopoldplatz hat aufgrund der Insolvenz des Signa-Konzerns Anfang 2024 geschlossen. Zwischenzeitlich waren von der Versicherungskammer Bayern Pläne für einen umfassenden Umbau und für neue Nutzungen in dem Gebäude an der Müllerstraße im Wedding vorgelegt worden. Die Pläne sahen Wohnungen, Büros, soziale Einrichtungen und ein modernisiertes Kaufhaus vor. Doch diese Pläne wurden von der Eigentümerin aufgrund gestiegener Kosten inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Bezirk Mitte strebt eine kommunale Zwischennutzung an – mit einer Kulturetage im ersten Obergeschoss des ehemaligen Warenhauses. Im September vergangenen Jahres teilt Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) jedoch mit, dass die Eigentümerin die geplante Kulturlandschaft im leerstehenden Gebäude ablehnt. Laut Remlinger wurde jedoch angeboten, dass Baucontainer für die Zwischennutzung aufgestellt werden könnten.

Unterzeichner:innen des Positionspapiers

Das Positionspapier wurde unterschrieben von folgenden Initiativen:

  • Deutsche Wohnen & Co. Enteignen – Kiezteam Wedding-Reinickendorf
  • Operation Himmelblick/stadtgewitter e.V.
  • Sorge ins Parkcenter
  • Gemeinschaftsgarten himmelbeet
  • Stadtteilkomitee Wedding
  • Sinema Transtopia
  • Hände weg vom Wedding
  • silent green Kulturquartier
  • WIR GESTALTEN e.V.
  • Café Cralle
  • ExRotaprint gGmbH
  • Mastul e.V.
  • Stadtteilvertretung mensch.müller

Treffen für Interessierte

Das Netzwerk plant ein weiteres Treffen am Freitag, den 27. Februar, um 17.30 Uhr. Es findet auf dem Dach des Einkaufscenters Cittipoint in der Müllerstraße 141 (Parkdeck P4) statt. Interessierte sind eingeladen. Wer vorher Kontakt aufnehmen möchte, kann das per E-Mail unter karstadt-netzwerk-leo@systemli.org machen.

Weiterlesen zum Thema

Im vergangenen August hatte die Gruppe bereits zu einer ersten Performance eingeladen. Mehr darüber steht im Beitrag Neues vom Karstadt: Dach-Parade und Kulturetage. Auch eine Aktionswoche zum Leerstand hat es gegeben, über die im Beitrag Und nun? Karstadt-Aktionstage zum Leerstand berichtet wurde.

Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen