Wie Karstadt in den Wedding kam

Die Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft kaufte in den 1920er Jahren zahlreiche Grundstücke in Berlin. Als Bauland. Darunter auch die Fläche die Müllerstraße Ecke Schulstraße.

Karstadt am Leopoldplatz 2020
Karstadt am Leopoldplatz 2020. Foto: Schnell

Karstadt kauft Grundstück am Leopoldplatz

Geschäftsberichte der Rudolph Karstadt AG aus den 1920er Jahren zeigen ein goldenes Zeitalter des Warenhauses. Neben den Finanzzahlen belegen auch die zahlreichen Käufe von Grundstücken in dieser Zeit ein starkes Wachstum des Unternehmens. Auch in der Hauptstadt kaufte Karstadt viel Bauland. Unter den in dieser Zeit erworbenen Flächen war auch die Müllerstraße Ecke Schulstraße, weiß Wikipedia.

Hintergrund: Der Bahnhof Leopoldplatz wurde am 8. März 1923 eröffnet und machte die Ecke zu einem interessanten Standort für ein Warenhaus. Eberhard Elfert schreibt in einem lokalen Blog, dass zunächst Mieter den Start des Baus verhinderten, weil „die ihre Wohnungen nicht verlassen wollten“. Zu dieser Zeit, um 1930, „war Karstadt mit 89 Filialen, 27 Fabriken und über 29.000 Angestellten zu Europas größtem Warenhauskonzern“ angewachsen, so Wikipedia.

Nach dem zweiten Weltkrieg folgte das Wirtschaftswunder, an dem auch die Kaufhäuser Teil hatten. Von einem „Warenhausboom der Großen Vier“ spricht der Spiegel 1960. In den 1970er Jahren begann der Konzern begann der Konzern mit dem Bau des Warenhauses am Leopoldplatz, wo nun zwischenzeitlich eine U-Bahnkreuzung entstanden war.

1978 eröffnet das Warenhaus

Die Eröffnung des neuen Karstadts war am 8. Mai 1978. Es entstand ein Haus mit 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Neu war, dass der Denkmalschutz mitsprach. „Die Betonfassade mit ihrem hellen Rotton orientiert sich an den Backsteinen der Alten Nazarethkirche, die Fenstergestaltung bezieht sich auf die Fensterbänder des Alten und Neuen Rathauses“, schreibt Eberhard Elfert.

Gleichzeitig waren die besten Jahre der Kaufhäuser vorbei. Jetzt wurde von einem Zuviel an Kaufhäusern gesprochen. 1976 war für die deutschen Kaufhäuser das „schwärzeste Jahr seit der Währungsreform“, berichtete der Spiegel damals. Die Gewerkschafter Dr. Jürgen Glaubitz und Dr. Karlheinz Marth veröffentlichten 1978 eine Studie über den „Strukturwandel im Einzelhandel“. Ihre Forderungen: „Verhinderung des weiteren Aufbaus von Überkapazitäten und Kontrolle der weiteren Ansiedlung von großflächigen Einkaufseinrichtungen“. Nebenbei bemerkt: Schlecht bezahlt wurde im Handel schon damals. „Das Einkommen liegt bei 1.714 DM, in Industrie bei 2313 DM“.

Blickt man auf diese ungünstigen Startbedingungen für das Kaufhaus im Wedding zurück, dann wirkt es beinahe erstaunlich, dass Karstadt an der Müllerstraße 42 Jahre offen war.

Update 2026: Wie es mit dem ehemaligen Karstadt am Leopoldplatz heute weitergehen soll, haben wir hier zusammengefasst: „Was wird aus dem Karstadt am Leopoldplatz?“

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