Seit fast 50 Jahren gehört das große Warenhaus an der Müllerstraße zum Wedding. Seit der Schließung von Galeria Anfang 2024 steht das Gebäude weitgehend leer. Seitdem gab es große Umbaupläne, Ideen für eine kommunale Zwischennutzung und Forderungen aus dem Kiez. Inzwischen gibt es neue Pläne für das Gebäude.

Stand heute: Was ist beim Karstadt geplant?
Gebäude: Das klassische Warenhaus soll nicht zurückkehren.
Öffentlichkeit: Die ursprünglich geplante öffentliche Besucherterrasse ist nicht mehr vorgesehen.
Nutzung: Geplant sind unter anderem Einzelhandel, Gewerbe, Labore und Wohnungen.
Soziales: Eine soziale Nutzung bleibt vorgesehen, soll aber im geschützten Innenhof liegen.
Parkplätze: Im dritten Obergeschoss sollen wieder Parkplätze möglich werden.
Baubeginn: Der Umbau soll 2028/2029 beginnen.
Fertigstellung: Geplant ist die Fertigstellung Mitte der 2030er Jahre.
Update vom 25. September 2026: Das Karstadt Netzwerk am Leo kritisiert die neuen Pläne und fordert einen ‚sozialen Gegenwert‘ für neues Planungsrecht.
Update vom 30. August 2026: Die Eigentümerin hat inzwischen neue Pläne für das Gebäude vorgestellt. Bei einer Informationsveranstaltung am 27. August wurde deutlich: Das Haus soll künftig weniger öffentlich zugänglich sein als in den 2023 vorgestellten Plänen. Eine öffentliche Besucherterrasse und das Warenhaus sind nicht mehr vorgesehen. Stattdessen soll das Gebäude unter anderem für Gewerbe, Labore, Einzelhandel und Wohnungen genutzt werden.
Die aktuellen Pläne stellen wir ausführlich im neuen Beitrag „Karstadt am Leopoldplatz: Das sind die neuen Pläne“ vor.
Ein Kaufhaus für den Wedding
1978 eröffnete an der Müllerstraße 25 das neue Karstadt-Warenhaus. Das Gebäude an der südöstlichen Ecke des Leopoldplatzes wurde schnell zu einem wichtigen Orientierungspunkt im Wedding. Seine Lage direkt am Leopoldplatz und an der U-Bahn machte es zu einem zentralen Einkaufsort.
Das Gebäude ist inzwischen fast 50 Jahre alt. Schon vor der Schließung war deshalb klar, dass es grundlegend verändert werden sollte. Bereits 2022 und 2023 beteiligten sich Anwohnerinnen und Anwohner an einem öffentlichen Planungsprozess zur Zukunft des Standorts. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie das Gebäude in fünf Jahren aussehen und genutzt werden sollte.
Die damalige Planung sah eine Transformation vom klassischen Warenhaus zu einem multifunktionalen Gebäude mit unterschiedlichen Nutzungen vor. Vorgesehen waren unter anderem Einzelhandel, Büros, Wohnungen und gemeinwohlorientierte Nutzungen.

2024: Das Warenhaus schließt
Mit der Insolvenz des Signa-Konzerns geriet auch die Zukunft des Karstadt-Standorts ins Wanken. Die Versicherungskammer Bayern hatte Ende 2023 die Anteile an der Projektgesellschaft übernommen. Der Mietvertrag von Galeria lief Ende Januar 2024 aus; ein Weiterbetrieb des Kaufhauses war nicht vorgesehen.
Anfang 2024 schlossen sich schließlich die Türen. Damit begann eine neue Phase für das Gebäude: Aus dem Warenhaus wurde ein großes, weitgehend leerstehendes Haus mitten am Leopoldplatz.

Die Eigentümerin, die Versicherungskammer Bayern, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Pläne für einen umfassenden Umbau vorgelegt. Vorgesehen waren unter anderem Büros, Wohnungen, soziale Einrichtungen und ein modernisiertes Warenhaus.
Große Umbaupläne – und dann eine Pause
Die ersten Pläne wurden bei mehreren Informationsveranstaltungen vorgestellt und mit Anwohnerinnen und Anwohnern diskutiert. Doch aus dem großen Umbau wurde zunächst nichts. Die Eigentümerin verwies auf veränderte Bedingungen und eine Neuausrichtung des Projekts. Die ursprünglichen Pläne wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Damit blieb die zentrale Frage offen: Was soll aus dem großen Gebäude am Leopoldplatz werden?
Lidl bringt wieder Leben ins Erdgeschoss
Im April 2025 öffnete im Erdgeschoss eine Lidl-Filiale. Das war allerdings keine Rückkehr des Warenhauses. Lidl nutzt nur einen Teil der Fläche und zunächst als Zwischennutzung. Zum Artikel über die Eröffnung von Lidl im ehemaligen Karstadt: „Discounter Lidl eröffnet im Karstadt-Haus am Leo“.
Gleichzeitig suchte der Bezirk nach Möglichkeiten, weitere Teile des riesigen Gebäudes vorübergehend zu nutzen. Eine Idee war ein großes Kulturzentrum. Der Bezirk wollte außerdem ein sogenanntes Haus der Hilfe im Gebäude unterbringen. Diese Nutzung lehnte die Eigentümerin jedoch ab.
Damit war klar: Das Gebäude war wieder teilweise genutzt, eine dauerhafte Perspektive gab es aber weiterhin nicht.
Die Idee einer Kulturetage
Im Sommer 2025 wurde die kommunale Zwischennutzung konkreter. Eine Machbarkeitsstudie hatte allerdings einen erheblichen Investitionsbedarf für die technische Gebäudeausstattung festgestellt. Trotzdem plante der Bezirk eine Kulturetage im ersten Obergeschoss. Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern sollten Ideen für die Nutzung sammeln. Ende August 2025 sollte ein Träger gesucht werden, im Oktober der Umbau beginnen und im April 2026 die Kulturetage eröffnen. Dazu kam es nicht.
Was damals geplant war und warum die Kulturetage nicht zustande kam, haben wir im August 2025 ausführlich berichtet: „Neues vom Karstadt: Dach-Parade und Kulturetage“.
Die geplante kommunale Zwischennutzung konnte nicht umgesetzt werden. Die Eigentümerin lehnte die vom Bezirk geplante Kulturlandschaft im Gebäude ab; als Alternative wurden unter anderem Baucontainer für eine Zwischennutzung angeboten.
Was will der Kiez?
Während Bezirk und Eigentümerin über die Zukunft des Gebäudes verhandelten, machten Initiativen aus dem Wedding deutlich, dass sie bei dieser Zukunft mitreden wollen. Im Sommer 2025 veranstaltete das Stadtgewitter-Kollektiv gemeinsam mit anderen Initiativen Aktionstage zum Leerstand.

Im August zogen Aktivistinnen und Aktivisten bei einer symbolischen Parade ins leerstehende Karstadt ein. Sie forderten eine gemeinwohlorientierte Zukunft des Gebäudes, mehr Transparenz und Mitsprache aus dem Kiez. Im Beitrag „Und nun? Karstadt-Aktionstage zum Leerstand“ berichtete das Brunnenmagazin über die Aktionstage Ende Juli 2025.
Im Januar 2026 wurde diese Forderung konkreter. Lokale Initiativen veröffentlichten ein Positionspapier zur Zukunft des Standorts. Darin geht es unter anderem um günstige beziehungsweise kostenlose flexible Räume für soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Arbeit.

Das Brunnenmagazin hat über die Präsentation des Positionspapiers und die Forderungen des „Karstadt Netzwerk am Leo“ ausführlich berichtet: „Nach zwei Jahren Leerstand: Forderungen für Karstadt am Leopoldplatz“.
Zwischendurch sogar die Bundeswehr
Wie offen die Zukunft des Gebäudes noch Anfang 2026 war, zeigte eine andere Debatte: Es gab Berichte über eine mögliche Nutzung leerstehender Karstadt-Gebäude durch die Bundeswehr. Ob der Standort am Leopoldplatz tatsächlich dafür infrage kam, war allerdings unklar.
Auf Nachfrage des Brunnenmagazins erklärte der Bezirk, die Eigentümerin habe ihn nicht wegen einer solchen Nutzung angesprochen. Der Bezirk halte weiterhin an seinem Ziel einer kommunalen Zwischennutzung fest. Mehr zu den Bundeswehr-Gerüchten und der Reaktion des Bezirks steht in den Wedding-News „Wedding kurz & knapp: Neues von Karstadt, Kino Arsenal und Ackerplatz“.
Die Pläne von 2026
Am 27. August 2026 stellte die Versicherungskammer Real Estate bei einer Informationsveranstaltung im leerstehenden Karstadt-Gebäude den aktuellen Stand ihrer Planungen vor. Dabei wurde deutlich, dass sich das Konzept gegenüber den 2023 vorgestellten Plänen verändert hat.
Das Warenhaus soll nicht zurückkehren. Auch die damals geplante öffentliche Besucherterrasse ist nicht mehr vorgesehen. Stattdessen soll das Gebäude flexibel für unterschiedliche Nutzungen entwickelt werden. Vorgesehen sind unter anderem Einzelhandel und Dienstleistungen im Erdgeschoss, Labore und weitere Nutzungen in den mittleren Geschossen, Gewerbe sowie Wohnungen. Auch Parkplätze sollen wieder im Gebäude möglich werden.
Eine soziale Nutzung bleibt Teil des Konzepts. Sie soll allerdings nicht prominent im Gebäude liegen, sondern einen eigenen Zugang erhalten und im geschützten Innenhof untergebracht werden. Gleichzeitig ist der aktuelle Entwurf kleiner als der von 2023. Drei der damals zusätzlich vorgesehenen Geschosse entfallen. Trotzdem soll nach dem Umbau mehr Fläche zur Verfügung stehen als im heutigen Bestandsgebäude.
Die Eigentümerin spricht inzwischen von Nutzungsneutralität und einer möglichst großen Nutzungsbreite. Das Gebäude soll also so entwickelt werden, dass unterschiedliche Nutzungen möglich sind, wenn es fertiggestellt ist.
Wie die neuen Pläne konkret aussehen und was sich gegenüber dem Entwurf von 2023 verändert hat, steht im aktuellen Beitrag: „Karstadt am Leopoldplatz: Das sind die neuen Pläne“.
Was ist noch offen?
Auch mit der neuen Planung sind noch viele Fragen offen. Das vorgestellte Konzept legt die möglichen Nutzungen des Gebäudes fest, ist aber noch keine fertige Bauplanung. Offen ist unter anderem, welche konkreten Gewerbe- und Dienstleistungsangebote einziehen werden, wie die soziale Nutzung genau aussehen wird und welche Wohnungen entstehen können. Auch die konkrete Gestaltung des Gebäudes steht noch nicht vollständig fest.
Der neue Zeitplan sieht einen Baubeginn 2028/2029 vor. „Ambitioniert“ nennt Markus Datzer von der Versicherungskammer Real Estate diesen Zeitplan. Fertig werden soll der Umbau Mitte der 2030er Jahre. Damit ist die Zukunft des ehemaligen Warenhauses inzwischen deutlich konkreter als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig hat sich die Idee für das Gebäude verändert: Aus dem ursprünglich angekündigten „Haus für alle“ soll ein flexibel nutzbares Gebäude für unterschiedliche Nutzergruppen werden.
Das Brunnenmagazin verfolgt die Entwicklung des Standorts weiter.
Die Geschichte des Karstadt-Standorts
- Wie Karstadt in den Wedding kam – 1978
- Zitterpartie für Karstadt – 2020
- Kommt Rettung für Karstadt? -2020
- Welche Zukunft hat Karstadt am Leo noch? -2021
- Karstadt: Warenhaus versus Mixed Use – 2022
- Karstadt wird über Umbau informieren – 2022
- Karstadt: Signa will Multihaus am Leo – 2022
- Sicher ist: Karstadt schließt -2023
- Karstadt: Wohnen im Warenhaus -2023
Stand: 30. August 2026

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