Poller-Hasser und Kiezblock-Fans beim Spaziergang

Der Kiezblock-Spaziergang im Brunnenviertel am Dienstag (6.5.) hatte zwei Teile. Der erste Teil war hochemotional und von Ablehnung gegenüber Kiezblocks allgemein geprägt. Im zweiten Teil gab es ein konstruktives Gespräch und viele Ideen, Einwände und Vorschläge zu verkehrsberuhigenden Maßnahmen für das Gebiet südlich der Swinemünder Brücke.

Der Kiezblockspaziergang startete an vor den Räumen des Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße. Foto: Hensel
Der Kiezblockspaziergang startete an vor den Räumen des Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße. Foto: Hensel

Von einem Spaziergang kann bei der Beteiligungsveranstaltung am Dienstag eigentlich kaum gesprochen werden. Die etwa 20 Personen und die drei Planer:innen des Büros gruppe F kamen kaum vom Fleck. Gleich beim Startpunkt vor den Räumen des Brunnenviertel e.V. in der Graunstraße hatten sich fünf Personen eingefunden, die Kiezblocks grundsätzlich ablehnen. Fast eine Stunde lang dominierten sie die Veranstaltung mit emotionalen Beiträgen, die die bekannten Argumente gegen Kiezblocks wiederholten.

Teilweise aggressive Stimmung

Ein Mann ärgerte sich zum Beispiel darüber, dass sein Arbeitsweg durch den Kiezblock im Bellermannkiez bereits länger geworden wäre. Er befürchtet durch einen weiteren Kiezblock noch mehr Verzögerungen. Eine Frau meinte, Kiezblocks seien hässlich. Eine andere Frau gab vor allem Radfahrenden die Schuld an Verkehrsproblemen in Berlin. Die Stimmung war aggressiv und emotional.

Die drei Planer:innen der gruppe F und von STRATMO, die die Beteiligungsspaziergänge im Auftrag des Bezirksamts Mitte durchführen, reagierten professionell. Sie notierten die kritischen Anmerkungen auf Klebezetteln und ermahnten die Runde, jeden aussprechen zu lassen und konkrete Kritik zu äußern. Die Mehrheit der Anwesenden hielt sich in der ersten Stunde der Veranstaltung mit Wortbeiträgen weitgehend zurück. Einige kritisierten jedoch die unsachliche und respektlose Diskussionskultur. Eine Frau hätte sich gewünscht, dass der zuständige Bezirksstadtrat zu dem Spaziergang gekommen wäre, um ihre Anmerkungen zu bereits verkehrsberuhigten (aber dennoch befahrenen) Swinemünder Straße zu hören.

Ideen wurde auf bunte Klebezettel geschrieben und auf den Kiezplan geklebt. Foto: Hensel
Ideen wurde auf bunte Klebezettel geschrieben und auf den Kiezplan geklebt. Foto: Hensel

Nach der ersten Stunde und nachdem sie ihren Frust über die Verkehrspolitik im Bezirk umfassend Luft gemacht hatten, verließen die fünf Personen die Veranstaltung. Damit setzte sich die restliche Gruppe auch in Bewegung zum zweiten Punkt des Spaziergangs. Das tat gut, denn beim langen Stehen war vielen Teilnehmenden an diesem kühlen Tag etwas kalt geworden.

Konstruktive Vorschläge zum Kiezblock

An der Ecke Swinemünder Straße und Ramlerstraße blieb die Gruppe dann zum zweiten Teil des Beteiligungsspaziergangs stehen. Hier meldeten sich dann auch die anderen Teilnehmenden zu Wort, es gab viele konstruktive Anmerkungen zu dem bisher nur groben Kiezblock-Plan. Während die Teilnehmenden der Idee einer Fahrradstraße durch die Swinemünder Straße und über die Swinemünder Brücke hinweg zum Beispiel überwiegend positiv gegenüber standen, wurde eine Komplettsperrung der Ramlerstraße an der Brunnenstraße abgelehnt. Eine Verbesserung der Situation der Fußgängerinnen und Fußgänger an der Kreuzung wurde aber gewünscht.

Lange wurde über die Kreuzung Swinemünder Straße und Ramlerstraße gesprochen. Laut des Planerteams ist das der Unfallschwerpunkt im Kiez. Schon seit vielen Jahren setzen sich auch immer wieder Akteure, zum Beispiel Elterninitiativen der Heinrich-Seidel-Grundschule, für Verkehrsberuhigung an der Kreuzung ein. Ob Ampel, Zebrastreifen oder Quersperre – vieles wurde schon gewünscht. Ideen dazu wurden von den Planer:innen aufgenommen.

Viele verschiedene Meinungen

Auch in der konstruktiven Gruppe war die Meinung nicht einhellig. Manche wollen als Autorfahrerinnen nicht weiter beschnitten werden, andere kritisierten die Ausgestaltung der Parkraumbewirtschaftung. Ein Mann merkte an, dass die Polizei das Gebiet gern zur schnellen Durchfahrt nutze. Er bat darum, bei der Polizeidienststelle Eberswalder Straße nachzufragen, welche verkehrsberuhigenden Maßnahmen für die Polizei in Ordnung wären. Auch dieser Hinweis landete auf einem Klebezettel.

Am Ende blieb eine kleine Gruppe übrig, diese hatte aber viele konstruktive Vorschläge. Foto: Hensel
Am Ende blieb eine kleine Gruppe übrig, diese hatte aber viele konstruktive Vorschläge. Foto: Hensel

Insgesamt waren die Perspektiven auch unter den grundsätzlichen Befürwortern von Kiezblocks sehr unterschiedlich, die Vorschläge entsprechend divers. Von Moabiter Kissen, Einbahnstraßen oder Gehwegvorstreckungen bis hin zu nur wenigen baulichen Maßnahmen bei stärkeren Kontrollen war praktisch alles an Anmerkungen dabei. Am kritischsten wurden insgesamt Poller gesehen. Große Zustimmung gab es bei dem Termin vor allem immer dann, wenn es um Begrünungsmaßnahmen ging. Zwei neue Bäume an der Kreuzung vor der Swinemünder Brücke wollten praktisch alle Teilnehmenden. Gegen einen grünen Gully zwischen Ramlerstraße und Graunstraße hatte niemand etwas.

Wie es jetzt weitergeht

Die gesammelten Vorschläge fließen nun in die weitere Planung mit ein. Ob in dem Gebiet überhaupt ein Kiezblock eingerichtet wird, ist jedoch weiter unklar. Derzeit werden in 25 Gebieten im Mitte Beteiligungsspaziergänge gemacht und die Gebiete mittels Verkehrszählung und Unfallstatistik untersucht. Im Sommer soll es noch eine weitere Online-Beteiligung geben. Schließlich werden bis zu zwölf der nun betrachteten Gebiete ausgewählt. In diesen wird bis zum kommenden Frühjahr ein Kiezblock, ein Bündel an verkehrsberuhigenden Maßnahmen, umgesetzt.

Die nächsten Kiezblock-Spaziergänge

Im Wedding und in Gesundbrunnen gibt es in den nächsten Tagen weitere Beteiligungsspaziergänge. Jede Veranstaltung betrachtet ein anderes Gebiet. Interessierte können sich dort mit einen Ideen und Anmerkungen einbringen.

  • Montag, 12. Mai, 18-20 Uhr, Treffpunkt: Brunnenplatz, vor dem Amtsgericht Wedding
  • Dienstag, 13. Mai, 18-20 Uhr, Treffpunkt: Koloniestraße 129 (vor QM Soldiner Straße)
  • Mittwoch, 14. Mai, 18-20 Uhr, Treffpunkt: Ecke Grüntaler Straße/Steegerstraße
  • Donnerstag, 15. Mai, 18-20 Uhr, Treffpunkt: Ecke Böttgerstraße/Hochstraße am Blochplatz
  • Montag, 19. Mai, 18-20 Uhr, Treffpunkt: Gartenplatz (Ecke Ackerstraße)

Weitere Informationen zum Kiezblock-Projekt gibt es auf der Projekt-Webseite Kiezblocks für Mitte.

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