Ein neuer Kiezgarten für alle entsteht, mitten im Kiez, die Anwohner engagieren sich, Fördermittel stehen bereit – alles könnte so schön sein. Doch plötzlich zieht das Amt seine Genehmigung zurück.

Schon lange ist der verwahrloste Mittelstreifen der Stralsunder Straße zwischen Brunnenstraße und Vinetaplatz ein Ärgernis. Regelmäßig werden hier Hausmüll, ausgediente Möbel und Matratzen sowie Bauschutt entsorgt. Umso erfreulicher, dass eine Anwohnerinitiative an dieser Stelle einen Gemeinschaftsgarten anlegen möchte. Spontan habe ich mich mit etwa 20 Nachbarn dazu bereit erklärt, an solch einem Inselprojekt, das erfahrungsgemäß einen Sauberkeitseffekt auch auf die erweiterte Umgebung hat, mitzuwirken.
Nach zunächst vielversprechender Kooperation hat das Straßen- und Grünflächenamt Mitte die Anlage eines Gartens dann jedoch abgelehnt. Eine Begründung: Die Fläche würde mit dem Gartenprojekt dem Gemeingebrauch entzogen. Es war und ist jedoch keineswegs beabsichtigt, einen für die Öffentlichkeit unzugänglichen Bereich zu schaffen. Auch das Argument, dieser Abschnitt der Stralsunder Straße sei eine Verkehrsfläche, weswegen der Anbau von essbaren Pflanzen nicht erlaubt ist, kann nicht gelten. Denn es muss ja kein Gemüse sein! Stattdessen könnten beispielsweise Blumen und Sträucher angepflanzt werden, und sei es auch nur für eine befristete Zeit.

Keine Kompromisse – kein Kiezgarten
Das Amt ist jedoch zu keinerlei Kompromissen bereit und beharrt auf seiner Entscheidung. Diese ist für mich absolut unverständlich, weil sich hier Bürger uneigennützig und nichtkommerziell für ihren Kiez engagieren wollen. Außerdem ist insbesondere an dieser Fläche offensichtlich, dass Bezirk und Berliner Stadtreinigung (BSR) damit überfordert sind, der zunehmenden Vermüllung im Brunnenviertel Herr zu werden.
Besonders befremdlich ist die Tatsache, dass ausgerechnet eine grüne Stadträtin die Ablehnung verantwortet. Sie ist Mitglied einer Partei, die sich Umwelt und Bürgerbeteiligung groß auf die Fahnen geschrieben hat. Dem Gemeinschaftsgarten Stralsunder Straße doch noch eine Chance zu geben, wäre eine gute Gelegenheit, Worten Taten folgen zu lassen.
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Der Text ist im zweiten Quartal 2018 im Kiezmagazin „Für den Sommer“ erschienen. Weitere Texte aus der Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Für den Sommer! gesammelt und verlinkt.
Mehr Beiträge über die Stadtgärten im Wedding und in Gesundbrunnen sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding (Abschnitt „Urbanes Gärtnern“) zu finden.

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