Klimakrise in der Kaffeetasse

Preisschock beim Kaffee. Wer nach dieser Boulevard-Schlagzeile aufhört zu lesen, verpasst etwas Wichtiges. Denn die Ursache für steigende Kaffeepreise sind nicht raffgierige Händler und Konzerne oder die üblichen Schwankungen an der Kaffeebörse, sondern der Klimawandel. Darauf macht der Röster Flying Roasters aus der Hochstraße in seinem Transparenzbericht aufmerksam.

„Durch den Klimawandel mehren sich zum einen Extrem-Wetter-Ereignisse und zum anderen sind bestimmte Zyklen von Temperatur und Niederschlag verschoben“, schreiben Dr. Nadine Heymann und Oliver Klitsch im aktuellen Transparenzbericht für das Jahr 2024. In dem Bericht der Rösterei Flying Roasters schreiben die beiden darüber, warum der Preis für Rohkaffee im letzten Jahr extrem gestiegen ist. Von unter zwei US-Dollar pro lb (lb ist etwas weniger als ein Pfund) auf über drei. Grund sind auch klimabedingte Ernteausfälle.

Der Transparenzbericht der Flying Roasters für das Jahr 2024. Foto: Andrei Schnell

Der Ausblick, den die Flying Roasters vornehmen, ist nicht dufte. Es sei möglich, dass bis 2050 dreiviertel aller heutigen, für den Anbau der beliebten Sorte Arabica (Hochlandkaffee) geeigneten Flächen ausfallen werden. Denn in den Kaffeeregionen der Welt wird die Erderwärmung mit 2,8 Grad Celsius bis 2050 dramatische Folgen haben. Der Schluss, den der Leser des Berichts ziehen darf, lautet: Auch wenn der aktuell hohe Kaffeepreis in den nächsten Monaten wieder sinken mag, so wird der Kaffeepreis langfristig nicht in Richtung Billigprodukt gehen. Damit ist Klimakrise auch in der morgendlichen Kaffeetasse angekommen.

Bei den Kaffees der Flying Roasters in der Hochstraße wird der hohe Kaffeepreis an den Weltbörsen absehbar zu teureren Bohnen führen. Denn die Röster im Gesundbrunnen wollen ihren Bauern und Kooperativen mehr zahlen, als der Markt von allein bietet. Ursprünglich gaben sie eine Garantie von 2,90 US-Dollar pro lb (Pfund) Rohkaffee. Um ihr Versprechen eines fairen Preises zu halten, zahlen sie nun mehr als den ursprünglich garantierten hohen Festpreis; es greift eine Vertragsklausel, die einen Aufschlags von einem US-Dollar auf den Weltmarktpreis vorsieht.

Das heißt, in der Bilanz der Rösterei steht für den Einkauf von Bohnen ein Jahresdurchschnittspreis von 3,37 US-Dollar pro lb. Das sind umgerechnet genau 7,43 Euro pro Kilogramm Rohkaffee. Das ist der Betrag, den die Kaffeebauern erhalten. Alle Kosten, die danach anfallen wie Transport, Versicherung, Importkosten und die Röstung kommen natürlich noch dazu. Nicht zuletzt stecken Steuern in dem Preis für die Kunden. Kein Wunder, dass der Kaffee in dem kleinen Ladengeschäft der Flying Roasters deutlich mehr kostet als die ALDI-Hausmarke.

Transparenzbericht Flying Roasters 2024
Der Transparenzbericht 2024. Grafik: Flying Roasters

Doch viele Menschen sind bereit, für fair und solidarisch gehandelten, ökologischen und hochwertigen Kaffee zu bezahlen. Im letzten Jahr ist die Röstmenge noch einmal gestiegen. Über 66 Tonnen Kaffeebohnen röstete das Unternehmen.

Doch wichtigste Aussage des Transparenzberichts bleibt: „Es zeigt sich einmal mehr, wie fragil Kaffee als landwirtschaftliches Produkt ist und dass wir alles dafür tun müssen, um in den Bereichen Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit für die Produzent:innnen voranzukommen.“ So lautet einer der Schlusssätze der transparenten Selbstauskunft. Wer die vollständige kurze, aber informative Broschüre lesen möchte, klickt auf Download Transparenzbericht Flying Roasters. Lesenswert ist auch der Blog der Rösterei mit den Beiträgen Warum ist der Kaffee noch teurer geworden vom Januar dieses Jahres und Klimawandel und Kaffee vom Mai 2021 (!).

Über Klimakrise und Kaffeepreis schreibt der Transparenzbericht der Flying Roasters.
Über Klimakrise und Kaffeepreis schreibt der Transparenzbericht der Flying Roasters. Foto: Andrei Schnell
📍 Kiez:

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen