Die letzten Tage des DRK-Krankenhauses

Es ist beschlossen und entschieden: In der Drontheimer Staße 39/40 wird es kein Krankenhaus mehr geben. Was mit dem Standort geschehen wird, ist noch offen. Klar ist nur, dass die Zeit der Klinik endet. „Die DRK Kliniken Berlin planen, in den nächsten Jahren ihre Standorte Westend und Mitte zusammenführen“, sagt ein Pressesprecher der DRK-Kliniken.

Mit Zusammenlegung ist gemeint, dass die erfolgreichen Stationen Lungenheilkunde, Brustkorbchirugie, Gefäßmedizin und die Versorgung von Menschen mit unheilbaren Krankheiten von der Drontheimer Straße nach Westend verlegt werden sollen. Das wird nicht sofort geschehen. Der nötige Umbau in Westend soll ab 2026 beginnen. Erst wenn diese Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird das Kapitel Krankenhaus Drontheimer Straße geschlossen.

Das DRK-Krankenhaus in der Drontheimer Straße. Foto: Schnell
Das DRK-Krankenhaus in der Drontheimer Straße. Foto: Schnell

Dr. Christian Friese, Vorsitzender der Geschäftsführung der DRK Kliniken Berlin, bringt die Schließung mit der Krankenhausreform in Zusammenhang. Er sagt: „Mit der Krankenhausreform setzt sich ein Trend der letzten Jahre in der Krankenhauslandschaft fort: Es gilt Angebote zu bündeln, die Spezialisierung voranzubringen und neue ambulante Möglichkeiten zu schaffen.“

Die im Dezember 2024 von der Bundesregierung beschlossene Krankenhausrefom soll einerseits Krankenhäuser entlasten und mehr Geld für das Vorhalten von Leistungen auch ohne Behandlungen bringen (Verringerung des sogenannten Drucks zur Behandlung). Die Reform fordert andererseits von den Krankenhäusern eine Konzentration und Spezialisierung.

Künftige Nutzung der Gebäude noch offen

Und was passiert nach der Schließung mit dem Standort Drontheimer Straße? Ein Pressesprecher der DRK-Kliniken sagt, dass derzeit noch offen sei, was mit dem Gelände geschehen werde: „Sicher ist allerdings, dass es weiterhin eine sozialwirtschaftliche Nutzung geben wird.“ Derzeit werde mit dem Bezirk und Land verhandelt, welche sozialwirtschaftlichen Angebote fehlen und von der DRK erbracht werden könnten. Das heißt, Medizinisches Versorgungszentrum, Pflegeheim oder Werkstatt für Behinderte – alles ist möglich und werde sich finden.

Krankenhausgelände größer als offensichtlich

Das Gelände des Krankenhauses ist größer als von außen auf den ersten Blick zu erkennen ist. Das Grundstück mit mehreren Klinikgebäuden zieht sich versteckt hinter dem Finanzamt bis zum U-Bahnhof Osloer Straße (genauer: Tromsöer Straße) hin. 260 Betten gibt es bislang am Standort und 500 Mitarbeiter kümmern sich dort um die Patienten. Das Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Charité. Stolz teilt das Krankenhaus mit, dass es im Jahr 2019 vom F.A.Z.-Institut zu den besten der Kategorie 150 bis 300 Betten gewählt wurde und im Jahr 2020 die Abteilungen Gefäßchirurgie, Innere Medizin und Brustkorbchirurgie ausgezeichnet wurden.

Vor 30 Jahren wurde Schließung abgewendet

Ein Blick in die Geschichte des Hauses: Das Krankenhaus in der Drontheimer Straße heißt zwar DRK-Klinik, gehört aber streng genommen dem DRK-Schwesternschaft e.V. Der Name „DRK Kliniken Berlin Mitte“ kam erst 2007. Zuvor hießt das Haus „DRK Kliniken. Mark Brandenburg“. Das heute erfolgreiche Lungenzentrum und das Gefäßzentrum sind noch jung, wurden erst nach der Umbenennung aufgebaut.

Der Eingang des DRK-Krankenhauses in der Drontheimer Straße. Foto: Schnell
Der Eingang des DRK-Krankenhauses in der Drontheimer Straße. Foto: Schnell

In den 1990er standen die Schwestern schon einmal vor dem drohenden Aus. Der Berliner Senat prüfte damals, das Krankenhaus zu schließen. „Vehement kämpfte die DRK-Schwesternschaft Berlin um ihr Krankenhaus, unterstützt von Mitarbeitern, Patienten, Anwohnern. Und sie hatten Erfolg“, teilt die Schwesternschaft mit.

Zur Entstehung des Krankenhauses

Die Drontheimer Straße ist für die Berliner DRK-Schwestern eine besondere Adresse. Seit 1914 ist das Grundstück in ihrem Besitz. Sie übernahmen die „Heimstätte für Wöchnerinnen“. Die Lehrstätte existierte dort seit 1889. Geführt wurde es anschließend als „Entbindungs-, Wöchnerinnen-, Mütter- und Säuglingsheim“.

Zu einem Krankenhaus wurde der Standort kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Gebäuden, die nicht zerstört waren, wurde eine Klinik eingerichtet. In den 1930er Jahren wurden in den Häusern Adoptiv- und Pflegekinder betreut. Entsprechende Erweiterungsbauten wurden fertig. 1978 wurde ein neues Bettengebäude fertig, 1977 ein Wohnhaus, 1960 wurden im Krieg zerstörte Gebäude wieder aufgebaut.

Die DRK-Schwesternschaft in Deutschland geht zurück auf den 1859 in Karlsruhe gegründeten Badischen Frauenverein. Ziel war die Ausbildung von Krankenplfegerinnen für in Kriegen verletzte Soldaten. Die Schwestern sind die eigentlichen Gründungsmütter des heute bekannten Deutschen Roten Kreuzes.

Ansicht der DRK-Klinik von hinten. Foto: Andrei Schnell
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