Sozialer Raum im Wedding schrumpft – Kubik zieht zum Kutschi

Der Immobilienmarkt in Berlin ist angespannt – und das betrifft längst nicht mehr nur Wohnungssuchende. Auch soziale Träger finden immer schwerer Räume für betreutes Wohnen, Familienarbeit oder Hausaufgabenhilfe. Im Wedding und in Gesundbrunnen zeigt sich die Lage ebenso dramatisch wie im Rest der Stadt. Ein Beispiel dafür ist der Kubik e.V., der viele Jahre in der Badstraße ansässig war und nun einen ungewöhnlichen Schritt gehen musste, um seine Raumprobleme zu lösen.

Das Haus am Kurt-Schumacher-Platz, das Kubik e.V. kauft
Das Haus am Kurt-Schumacher-Platz, das Kubik e.V. kauft. Foto: Hensel

Ein Verein unter Druck

Als Kubik e.V. im Oktober 2024 seinen Mietvertrag in der Badstraße 11 wegen massiver Kostensteigerungen kündigen musste, begann für den Verein eine unsichere Phase. Anfangs schien die Lage vielversprechend: Unterstützende Schreiben aus Politik und Verwaltung, ein engagierter Kontakt im Bezirksamt sowie Berichterstattung im Brunnenmagazin ließen hoffen, dass neue Räume schnell gefunden würden. Doch trotz eines sechsmonatigen Zeitfensters erwies sich die Suche als ernüchternd.

Die vergebliche Suche nach neuen Räumen

Eine Anfrage an mehrere Quartiersmanagements blieb zum Beispiel unbeantwortet – ein Hinweis auf überlastete lokale Strukturen und fehlende Raumangebote. Auf dem freien Markt zeigte sich das bekannte Dilemma: Viele Vermieter scheuen die Vermietung an gemeinnützige Vereine, und die Gewerbemieten in Innenstadtlagen sind für soziale Träger kaum bezahlbar. Zwar fand der Verein im März eine geeignete Fläche am Leopoldplatz, doch kurz vor Vertragsunterzeichnung zog der Eigentümer ohne Begründung zurück. Damit war Kubik e.V. faktisch wohnungslos. Übergangslösungen gelangen nur dank Partnervereinen und Unterstützern.

Unerwartete Wende am Kurt-Schumacher-Platz

Die Wende kam erst nach den Sommerferien: Ein Immobilienmakler und Sponsor des Vereins machte auf ein Objekt am Kurt-Schumacher-Platz aufmerksam, das zu seriösen Bedingungen verkauft werden sollte. Die Eigentümerin war ausdrücklich bereit, an eine Migrantenselbstorganisation zu verkaufen. Dank des langjährigen Unterstützernetzwerks konnte der Verein den Erwerb realisieren. Kubik e.V. kauft also ein ganzes Haus, das überwiegend vermietet ist, und wird nun selbst zum Vermieter. Wenn der Kauf abgeschlossen ist, verfügt der Verein über 1000 Quadratmeter. Er selbst wird ins 1. leerstehende Obergeschoss ziehen.

Vereinsmitglieder des Kubik e.V. bei einem Clean-up in der Badstraße
Vereinsmitglieder des Kubik e.V. bei einem Clean-up in der Badstraße im September 2025. Foto: Hensel

Warum der Fall kein Einzelfall ist

Der Umzug von Kubik e.V. ist kein Einzelfall. Seit Jahren steigen die Gewerbemieten, während bezahlbare Flächen in innerstädtischen Bezirken knapp werden. Soziale Einrichtungen sind jedoch zentrale Anlaufstellen in Quartieren wie dem Wedding; sie bieten Stabilität, Beratung und Teilhabe. Dennoch fehlt bis heute ein politischer Rahmen, der ihre räumliche Existenz absichert. Nach über 15 Jahren im Wedding muss Kubik e.V. den Bezirk nun verlassen und nach Reinickendorf ziehen.

Dass ein gemeinnütziger Verein Eigentum erwerben muss, um seine Arbeit fortzuführen, ist bemerkenswert – und für viele sozial engagierte Träger schlicht unmöglich. Der Fall zeigt ein strukturelles Defizit in der Berliner Stadtentwicklung: Eine koordinierte Infrastrukturpolitik für soziale Einrichtungen existiert kaum.

Hinzu kommt ein symbolischer Hinweis auf die Dysfunktionalität des Marktes: Die früheren Räume in der Badstraße 11 stehen weiterhin leer – während soziale Arbeit dringend Platz bräuchte.

Kubik e.V. beim Hauskauf helfen

Für das Haus in der Scharnweberstraße 138 muss Kubik e.V. insgesamt 2,5 Millionen Euro aufbringen. Um den Eigenanteil für die Finanzierung zu stemmen, sammelt der Verein nun Spenden. Innerhalb kurzer Zeit sind bereits 200.000 Euro zusammengekommen. Weitere Spenden sind jedoch nötig, bis Jahresende will Kubik e.V. insgesamt 800.000 Euro einsammeln. Weitere Spenden sind sehr willkommen.

Spendenadresse:
Kubik e.V.
IBAN: DE11 1005 0000 0190 5864 84
BIC: BELADEBEXXX
Berliner Sparkasse
Verwendungszweck: Spende Kubik e.V.

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Mehr Informationen zum Verein, zu aktuellen Projekten und zur Spendenkampagne finden Sie unter: kubik-ev.de. Über die Situation des Vereins hatte das Brunnenmagazin im Mai unter der Überschrift Verein ohne Obdach – wer kann helfen? berichtet. Über eine ganz andere, ermutigende Lösung für das Raumproblem sozialer Träger wurde im Soldiner Kiez gefunden. Der Brunnenmagazin hat 2024 unter der Überschrift Vorhang auf für das Mehr-Sozial-Haus über das Projekt in der Gotenburger Straße im Soldiner Kiez berichtet.

Transparenzhinweis: Autor Süleman Bag ist Mitglied bei Kubik e.V.

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