Kubik e.V.: Ohne Zuhause, mit viel Engagement

Die Vereinsräume von Kubik e.V. in der 4. Etage in der Badstraße 12 sind geschlossen. Damit existiert ein vertrauter Treffpunkt für Bildung, Begegnung und ehrenamtliches Engagement für viele dort nicht mehr. Doch die soziale Arbeit des Vereins für Menschen aus dem Bezirk geht weiter. Über eine Gemeinschaft, die sich weigert, aufzugeben.

Bei Kubik in der Badstraße m Februar 2018. Foto: Kubik e.V.
Bei Kubik in der Badstraße m Februar 2018. Foto: Kubik e.V.

Der Verein Kubik e.V. ist seit seiner Gründung im Jahre 2008 im Gesundbrunnen aktiv. Nun steht die Migrantenselbstorganisation vor einer ihrer größten Herausforderungen seit der Gründung. Der Verein hat seine Räume verloren. Was jedoch weiterlebt, ist die Überzeugung, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt vor allem von unten wachsen muss und dass das Ehrenamt dafür das Rückgrat ist.

Kein Zuhause, aber Entschlossenheit

Die Nachricht kam nicht überraschend: Drastisch gestiegene Mieten zwangen den Verein zum Auszug (Verein ohne Obdach – wer kann helfen?). Seit dem 1. Mai 2025 ist Kubik e.V. obdachlos, zumindest auf dem Papier. In der Realität arbeitet das Team unermüdlich weiter, verlagert Besprechungen in Büros von befreundeten Vereinen, organisiert Seminare in geliehenen Räumen und macht weiter, wo viele längst resigniert hätten. „Wir können ohne Räume weitermachen, aber nicht ohne Ehrenamt“, bringt es Ragip Güloglu, Vorsitzender des Vereins, auf den Punkt. Seine Worte sind mehr als ein Appell, sie sind ein Bekenntnis zu einem Engagement, das in vielen migrantischen Communitys bisher kaum öffentlich wahrgenommen wird.

Das Projektteam von Kubik berät die nächsten Schritte. Foto: Kubik e.V.
Das Projektteam von Kubik berät die nächsten Schritte. Foto: Kubik e.V.

Mehr als ein Projekt: Teilhabe als Praxis

Mit dem neuen Projekt „Mehr Teilhabe in der Stadtgesellschaft“ will Kubik e.V. genau hier ansetzen. Ziel ist es, Menschen mit Migrationsgeschichte zu ermutigen, sich aktiv in ihre Stadt einzubringen – nicht nur als Bewohner:innen, sondern als Gestaltende. Das Ehrenamt, so ist es Überzeugung im Verein, ist auch ein Schlüssel zu mehr Integration, Selbstwirksamkeit und Teilhabe. Über 25 geplante Veranstaltungen, zehn Podcasts und Kooperationspartner aus säkularen, christlichen und islamischen Organisationen zeigen: Hier entsteht etwas, das nicht nur Bildungsarbeit, sondern auch Brückenarbeit ist. Brücken zwischen Kulturen, Weltanschauungen – und Generationen.

Vereine ohne Räume, ohne Schutz

Doch all das Engagement und die Ideen suchen nun ein neues Zuhause. In Berlin ist Wohnraum knapp, das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch gemeinnützige Träger kaum rechtlichen Schutz genießen, da sie unter das Gewerbemietrecht fallen. Kündigungen, Mieterhöhungen, Wohnungsmangel – diese Worte treffen nicht nur Familien, sondern auch Vereine wie Kubik e.V., die für das Funktionieren des sozialen Miteinanders unverzichtbar sind. „Was wir brauchen, ist ein neuer Ort. Und zwar schnell“, sagt Ragip Güloğlu. Gesucht werden 200 bis 300 Quadratmeter: bezahlbar, barrierearm und möglichst im Kiez. Denn der Verein möchte bleiben, wo seine Wurzeln sind: im Gesundbrunnen, im Wedding, mitten unter den Menschen, für die er arbeitet.

Der Kiez braucht Kubik – Kubik braucht den Kiez

Kubik e.V. ist mehr als ein Verein. Er ist ein Symbol dafür, dass Integration nicht verordnet, sondern gestaltet wird. Dass Ehrenamt nicht selbstverständlich, aber von unschätzbarem Wert ist. Und dass auch in prekären Situationen Mut, Kreativität und Solidarität Wege eröffnen.

Auch wenn der Verein seinen Sitz nun zunächst nicht mehr am Gesundbrunnen hat, hält er zum Beispiel an dem Clean-Day-Projekt fest. Als offizieller Kooperationspartner im Rahmen der Müllkampagne des Bezirksamts Mitte wollen wir am 5. Juli auf die Straße gehen. An diesem Tag werden über 50 Kubikis den Müll in der Badstraße, auf dem Vorplatz des Bahnhofs Gesundbrunnen und im Volkspark Humboldthain aufräumen. Der Verein ruft dafür zur Unterstützung auf. Gemeint ist damit, dass interessierte Teilnehmer:innen für das Ehrenamtsprojekt gesucht werden. Gemeint ist auch, dass Freiwillige für den Clean-Day, Spenden oder Raumangebote für die Fortdauer der Vereinsarbeit fefragt sind. „Unsere Arbeit darf nicht an Wänden scheitern“, sagt Ragip Güloğlu. „Denn sie beginnt – wie so oft – im Herzen.“

Ein trauriger Moment: Ein kurzes Video hält den Auszug aus den Vereinsräumen in der Badstraße fest. Video: Kubik e.V.

Kontakt zu Kubik e.V.

Wer Kontakt mit Kubik aufnehmen möchte, kann das per E-Mail unter info@kubik-ev.de machen. Wer einen Hinweis für einen freien Raum hat, kann sich telefonisch unter (0174) 7 85 72 45 bei Süleyman Bağ melden.

Text: Süleyman Bağ, Projektleiter bei Kubik e.V.

📍 Kiez:

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