Wer bei Jugendklubs spart, bekommt rechts!

Im Juli entscheidet der Berliner Senat über den Doppelhaushalt für 2026/27. Im Entwurf sind weitere Kürzungen im sozialen Bereich geplant. Viele soziale Träger haben dagegen am Dienstag (8.7.) zusammen mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin vor dem Roten Rathaus demonstriert. Stadtteilkoordinator Jochen Uhländer aus dem Olof-Palme-Zentrum protestiert mit diesem Beitrag gegen die drohenden Kürzungen im Jugendbereich und skizziert satirisch eine düstere Perspektive.

Bei der Demonstration vor dem Roten Rathaus am 8. Juli. Foto: Holger Groß/Paritätischer Berlin
Auch der Träger F.i.P.P sagt Nein: Bei der Demonstration vor dem Roten Rathaus am 8. Juli. Foto: Holger Groß/Paritätischer Berlin

Wegen der Kürzungen bei den Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE) schwappt ein neuer Trend nach Berlin. In Pankow eröffnete jüngst der erste unabhängige und frei finanzierte DJC in Berlin (gesprochen „di-dschei-ßi“ – Englisch, weil man die Kinder abholen soll, wo sie sind. Wohin die Reise dann geht, erfahren sie noch früh genug). Dieser Deutsche-Jugend-Club wird finanziert durch heimatverbundene Großspender und mietet sich deutschlandweit vor allem in die aufgegebenen Standorte der Jugendfreizeiteinrichtungen ein.

Schwerpunkt der Jugendarbeit des DJC ist Musik mit viel Deutschrock. Kinder und Jugendliche können bei wöchentlichen Tanzabenden zudem in den Beruf des DJs („Deutschjockey“) und Beleuchters (Lichtdom für Anfänger) hineinschnuppern. Überhaupt werden die Kinder früh auf ihre zukünftige berufliche Bestimmung vorbereitet: Es gibt Angebote zur Körperertüchtigung, regelmäßige Schießwettbewerbe und man kann mit VR-Brillen ballerspielerisch seinen Drohnenführerschein machen. Seiner gesellschaftlichen wie ökologischen Verantwortung wird der DJC gerecht durch regelmäßige Müllaktionen im Kiez („Wir machen unsere Straßen sauber!“) und Heimatnaturerlebnisse mit dem Zurückdrängen invasiver Krankheitsträger (Zecken klatschen).

Um bei all diesen Aktivitäten mit Kraft und Freude durchzuhalten, bekommen alle Kinder ein kostenloses Mittagessen mit der täglichen Portion Schweinefleisch, Thüringer Rostbratwurst und Königsberger Klopsen. Für die Hausaufgabenhilfe wurde exklusiv der Volkslehrer gewonnen, dessen Kurse für gutes und genderfreies Deutsch auch für Erwachsene offen sind.

Protest gegen drohende Kürzungen: Das Olof-Palme-Stadtteilzentrum wurde symbolisch geschlossen. Foto: Uhländer
Protest gegen drohende Kürzungen: Das Olof-Palme-Stadtteilzentrum wurde symbolisch geschlossen. Foto: Uhländer

Speziell für Berlin hat der DJC sein Angebot auf Kinder aus dem migrantischen Milieu erweitert. Viele dieser Kinder wissen nämlich nicht, dass ihre Eltern sie schon längst eingebürgert haben. Hier können sie mit dem individuellen DJC-Förderplan das Deutschsein von der Pike auf lernen. Mitmachen kann jeder. Die Benimmregeln sind streng, aber charakterbildend, und kulturelle Aneignung sowie Whitefacing sind hier erwünschte Verhaltensweisen. Bei mehrmaligem Verstoß (z.B. bei Essensverweigerung) wird das Hausverbot spielerisch mit einem gemeinschaftlichen Abschiebe-Ritual durchgesetzt: Die renitenten Andersdenker werden auf einem kleinen, löchrigen Schlauchboot und mit einer Dose Ravioli auf der Panke ausgesetzt und zurück in den Wedding remigriert.

Im Stadtteil gibt es zum Glück als rettenden Anker das nach einem schwedischen Friedensaktivisten benannte Kinder-, Jugend- und Stadtteilzentrum. Einen Ort der Freiheit, der Toleranz und der Gemeinschaft in Vielfalt.

Noch.

#unkürzbar #unkuerzbar

Transparenzhinweis: Jochen Uhländer ist unter anderem Stadtteilkoordinator im Gebiet Brunnenstraße Nord. Er arbeitet im Olof-Palme-Stadtteilzentrum im Nachbarschaftsbereich.

Weiterlesen

Der teeny Musik treff in der Gustav-Meyer-Allee hat ebenfalls gegen die drohenden Kürzungen protestiert. Über diese Aktion wurde im Beitrag Vallah, unkürzbar!? Teenys protestieren gegen Kürzungen berichtet.

Kommentare

  1. Avatar von Anne
    Anne

    Lieber Jochen Uhländer, so spannend der Artikel ist und so gut geschrieben, kann ich doch nicht exakt herauslesen, was davon wahr ist. Ich wünsche mir, dass die Grenze der Satire als solche erkennbar ist, damit dieser Artikel das bewirkt, was er soll. Für mich ist nicht klar, wie dringlich das ist, z.B. ob es solche Vereine bereits gibt (das glaube ich schon). Aber vielleicht stehe ich auch nur auf dem Schlauch und alle anderen haben das bereits verstanden?

    1. Avatar von Reinhard
      Reinhard

      Hallo Anne

      ging mir genau so …. keine Ahnung was Herr Jochen Uhländer damit meint !!?? Satire … hmm , eher ein etwas seltsamer Humor
      Als wenn er etwas gegen Körperertüchtigung und Schweinefleisch, Thüringer Rostbratwurst und Königsberger Klopsen hat

      Und was soll das mit Zecken klatschen… !!??

      Wiki sagt dazu: Zecke, häufig auch im Plural Zecken, ist ein in Deutschlands rechtsextremem Umfeld entstandener und gebräuchlicher Begriff, mit dem Andersdenkende abgewertet und beleidigt werden,[1] insbesondere Linke und Punks.[

      und wie ist das mit Links…. wer ist da letztes Jahr nach Ungarn mit dem Hammer unterwegs gewesen !!??

      Man wie mir das echt auf den S…k geht mit links rechts oben unten ….

      Guten Start in die Woche

  2. Avatar von Ulrich Davids
    Ulrich Davids

    Lieber Jochen Uhländer, ich habe nach einer Recherche nichts über den „Deutschen JugendClub – DJC in Erfahrung bringen können. Wenn Sie darüber mehr in Erfahrung bringen, dann sollte dringlichst eine Anfrage in der BVV Pankow und im Abgeordnetenhaus eingebracht werden – Wer versteckt sich hinter diesem Namen“.

    Zu der Demonstration am Roten Rathaus habe ich selbst auch viele Jugendeinrichtungen, Sportvereine und soziale Träger der Kinder- und Jugendhilfe eingeladen sich dort zu zeigen. (Der Tagesspiegel hat darüber im Vorfeld ja gut informiert).
    Es darf in allen Bereichen für Kinder und Jugendliche nicht ein Cent gespart werden. Schließen unsere pädagogischen Einrichtungen und Sportvereine verlieren wir Generationen an Kindern und Jugendlichen aus dem Blickfeld für ein demokratisches Zusammensein.
    Wenn nicht jetzt, wann dann – deshalb ist die Zeit für einen gewaltfreien und fairen Ungehorsam geboten.

    Hier noch ein Buchtipp: Für Demokratie Gegen Extremismus // Ein Plädoyer für die Demokratie von 27 Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg // Brandenburg Buch

    Ulrich Davids

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen