Für die seit Jahrzehnten gesperrten Liesenbrücken gibt es konkrete Pläne. Das Immobilienunternehmen CapRate will den größeren Stahlkoloss zu einem Veranstaltungshaus umbauen, die kleinere Brücke mit dem markanten Rostbogen öffnet CapRate für einen öffentlichen Rad- und Fußweg.

Über den Kreisverkehr an der Kreuzung Gartenstraße, Scheringstraße und Liesenstraße spannen sich tausende Tonnen Stahl. Ein Investor will aus dem technischen Denkmal nun eine Eventlocation mit angrenzendem Hotel machen. „Neubau einer Beherbergungsstätte mit zirka 340 Zimmern und einer Veranstaltungsfläche für 800 Personen“, beschreibt Geschäftsführer Martin Freitag von CapRate das Projekt. Den Bauantrag stellte der Bauherr am 21. November 2019.
Laut Bezirksamt Mitte muss die Brücke erst noch entwidmet werden. Bislang ist sie theoretisch noch für den Eisenbahnverkehr zugelassen. Außerdem fehle der Nachweis, dass die Brücke ein Gebäude tragen kann. Der Eigentümer ist zuversichtlich, bis „voraussichtlich diesen Sommer“ neue, angepasste Planungen öffentlich mitteilen zu können. Mit Stand Ende Januar fehlte dem Amt zudem noch der Nachweis eines Baugrundstückes, bislang existieren lediglich „mehrere Einzelgrundstücke“. Auch ein Prüfbericht zum Brandschutz lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.
Was auf den Liesenbrücken gebaut werden soll
Acht Millionen Euro kostet der Umbau der Brücken, gibt CapRate an. Das „hochwertige“ Hotel in der Scheringstraße in unmittelbarer Nachbarschaft soll 27 Millionen Euro kosten. Die Firmenwebseite (www.caprate.de) beschreibt den Umbau der Stahlbrücken mittlerweile nur noch halb richtig. Auf Nachfrage sagt der Investor dazu: „Ein Bürohaus auf den Liesenbrücken ist nicht geplant“.
Mit der Planung hat CapRate die Architekten Gilbert Wilk und Ana Salinas beauftragt. Die beiden Architekten sitzen seit 2006 an entsprechenden Plänen. Ursprünglich hatten sie vor, in der Brücke ein Hotel mit Konferenzsaal zu bauen. Inzwischen werden die Pläne modifiziert. Das genaue Vorhaben will das Büro „in den kommenden Monaten bekannt geben“.
Die Liesenbrücken sind in Deutschland nicht die einzigen Brücken, die eine neue Bestimmung bekommen sollen. Aktuell gibt es auch in Magdeburg einen Nachnutzungsplan für eine ehemalige Eisenbahnbrücke. Dort will ein Investor die alte „Kanonenbrücke“ über der Elbe mit einem neuen Stahlgehäuse überziehen und mit Eigentumswohnungen bestücken. Die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas steht in Erfurt. Die berühmte Krämerbrücke über den Fluss Gera ist 79 Meter lang. Die große Liesenbrücke mit der künftigen Eventlocation übertrifft das, sie überspannt sogar 94 Meter.

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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Es grünt im Kiez!“ enthalten, das im ersten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Es grünt im Kiez! gesammelt und verlinkt.

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