Die Max-Urich-Straße im Wedding – bis 1984 als Hermsdorfer Straße bekannt – liegt zwischen Gartenplatz und Voltastraße und spiegelt in ihrem Verlauf die wechselvolle Geschichte eines dicht überformten Berliner Quartiers zwischen Industrie, Verlust und Neubeginn.
Das aktuelle Foto zeigt die heutige Max-Urich-Straße – im Vergleich mit der Aufnahme von der alten Bebauung in der Hermsdorfer Straße 8 anno 1909.
Zwischen Gartenplatz und Voltastraße
Die nur rund 160 Meter lange Hermsdorfer Straße zwischen Gartenplatz und der bergauf gelegenen Voltastraße wurde im Jahr 1866 nach dem erstmals 1349 urkundlich erwähnten märkischen Ort Hermsdorf benannt, der seit 1920 zum Berliner Bezirk Reinickendorf gehört.
Schon bald begann eine kleinteilige Bebauung, die im Laufe der Zeit durch eine höhere und verdichtete Bauweise ersetzt worden ist. Dazu gehörte auch das hier abgebildete große Gebäude, das 1904 im Jugendstil mit zwei Seitenflügeln und einem Hinterhaus für 43 Mietparteien errichtet wurde. Vorher war hier die Wasserglasfabrik von Baerle & Sponnagel für Wasch- und Bleichmittel wie Naphtha-Seife. Zeitgleich entstand auf dem hinteren Grundstück das noch heute erhaltene Gebäude Ackerstraße 79–80 mit ähnlicher Aufteilung, jedoch anderer Fassadengestaltung.
Mietshaus, Gewerbe und Alltag
Das Mietshaus Hermsdorfer Straße 8 gehörte zum Zeitpunkt der Aufnahme dem Fabrikbesitzer Friedrich Sponnagel. Hier gab es im Erdgeschoss die Geschäfte des Schneidermeisters Gustav Seidler für Damenkonfektion sowie des Bäckermeisters Hermann Bobel. Im Zweiten Weltkrieg erhalten, wurde es jedoch Anfang der 1980er-Jahre abgerissen. Außer der Nr. 4, heute Hussitenstraße 46, verschwanden alle restlichen Mietshäuser der Hermsdorfer Straße. Nur die gegenüberliegende rote Backsteinfront des ehemaligen AEG-Apparatewerks ist bis heute erhalten.
Umbenennung und Gegenwart
Am 1. Mai 1984 wurde die Hermsdorfer Straße zu Ehren des Büchsenmachers, Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus und SPD-Politikers Max Urich (1899–1968) umbenannt. Er war Bevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiter-Verbands und Stadtverordneter. In den 1930er-Jahren wohnte er in der Weddinger Bristolstraße 23 am Schillerpark.
Der heutige Neubau mit der Hauptadresse Max-Urich-Straße 3 entstand zwischen 2018 und 2021 auf einem Areal von 3.804 Quadratmetern mit rund 15.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und 42 Parkplätzen. Davon werden 40 Prozent zukunftsorientiert genutzt vom „Merantix Al Campus Berlin“, einem Zentrum für Zusammenarbeit, Co-Working und Wissensaustausch im Bereich Künstliche Intelligenz. Dieser gehört zum Gov Tech Campus Deutschland e. V.


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