Migrationsberatung: Hilfe beim Ankommen und Einleben

Die deutsche Sprache lernen, einen Weg zu einem Job finden, sich im deutschen System zurechtfinden und sich in Deutschland integrieren. Das sind die Themen, mit denen sich Zugewanderte zuerst beschäftigen, wenn sie in der Bundesrepublik ankommen. Um dabei Orientierung und Hilfe zu geben, gibt es seit 2005 die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE). Auch im Wedding und in Gesundbrunnen gibt es Beratungsstellen, zum Beispiel im Paul-Gerhardt-Stift.

Auf der Karte sind die Herkunftsländer der Zugereisten markiert. Foto: Marlene Sachse/Zukunftshaus Wedding
Auf der Karte sind die Herkunftsländer der Zugereisten markiert. Foto: Marlene Sachse/Zukunftshaus Wedding

Die Migrationsberatung ist seit 2019 auch im Zukunftshaus Wedding im Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße angesiedelt. Die Beratung wird von Marlene Sachse durchgeführt, die sich mit Herzblut, Erfahrung und Durchhaltevermögen für ihre Klientinnen und Klienten einsetzt. „Ich sehe meine Aufgabe darin, Menschen nicht nur zuzuhören, sondern sie in ihrem Weg zu stärken, eine Orientierung zu geben, Zusammenhänge zu erklären und neue Perspektiven aufzuzeigen. Ich setze mich für Menschen ein, deren Stimmen oft überhört werden. Es ist nicht entscheidend, woher jemand kommt – sondern wie wir gemeinsam leben wollen“, sagt die Migrationsberaterin.

Mit Fokus auf Familien

Marlene Sachse bietet montags und mittwochs zwischen 9 und 17 Uhr Beratungen an. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, benötigt einen Termin. Der kann per Telefon unter (0173) 5 83 75 25 oder per E-Mail unter Marlene.Sachse@pgssoziales.de vereinbart werden. „Meine Handynummer ist montags und mittwochs schwer erreichbar, weil ich ungern während der Termine rangehe, aber sonst rufe ich immer zurück“, erklärt Marlene Sachse das Prozedere.

Das Beratungsangebot richtet sich an Neuzugewanderte, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Geflüchtete – unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus. Besonders wichtig in den Gesprächen sind Themen wie Sprachförderung, Zugang zum Arbeitsmarkt, soziale Teilhabe und rechtliche Orientierung. „Ich lege meinen Fokus auch besonders auf Familien. Hier ist die Familienzusammenführung wichtig“, sagt Marlene Sachse.

Blick ins Paul-Gerhardt-Stift an der Müllerstraße. Foto: Hensel
Blick ins Paul-Gerhardt-Stift an der Müllerstraße. Foto: Hensel

Gute Zusammenarbeit mit den Stadtteilmüttern

Als Herzensthema bezeichnet sie die behördlichen Angelegenheiten mit Neugeborenen (Geburtsurkunden). „Hier ist es oftmals eine sehr schwierige Angelegenheit für die Ratsuchenden, weil Deutschland hohe bürokratische Hürden hat und die Vorgaben zum Teil nicht umgesetzt werden (können). Viele Kinder haben monatelang keine Geburtsurkunde und die Eltern kämpfen auf unterschiedlichen Ebenen, um den Nachnamen bestimmen zu können, die deutsche Staatsangehörigkeit beurkunden zu lassen oder auch um die Eintragung eines Vaters“, erklärt Marlene Sachse. Besonders in der Zusammenarbeit mit den Stadtteilmüttern sei bei dem Thema im Zukunftshaus Wedding eine gute Beratungsstruktur entstanden.

Woher die Klientinnen und Klienten von Marlene Sachse kommen, richte sich nach dem aktuellen Migrationsgeschehen. Allerdings seien kaum Menschen aus der Ukraine dabei. „Bei den Ukrainer:innen sind viele Sachen sehr einfach geregelt, zum Beispiel die Arbeitsaufnahme oder die Integrationskurse sind sehr schnell gegeben“, gibt Marlene Sachse einen Einblick in ihre Arbeit. „Besonders die aktuelle Politik macht den Syrern, Afghanen, Türken, Somalis oder Nigerianern zu schaffen, sodass diese sehr häufig in meiner Beratung sind“, sagt sie. Es gebe aber auch Klientinnen und Klienten aus dem EU-Ausland oder anderen Regionen.

Der Flyer der Migrationsberatungsstelle des Zukunftshauses Wedding. Repro: Brunnenmagazin
Der Flyer der Migrationsberatungsstelle des Zukunftshauses Wedding. Repro: Brunnenmagazin

Die Beratungsstelle zieht Bilanz

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Migrationsberatung zieht die Beratungsstelle im Zukunftshaus Wedding Bilanz: Von 2019 bis 2025 gab es 1.485 Beratungsfälle, die Ratsuchenden kamen unter anderem aus Syrien, der Türkei, Afghanistan, Somalia, Bulgarien, der Ukraine und Nigeria. In über 93 Prozent der Fälle bestand ein Sprachförderbedarf, 46 Personen befanden sich in prekärer wirtschaftlicher Lage, während in 195 Fällen eine gesundheitliche, familiäre oder psychosoziale Belastung festgestellt wurde. „Die kontinuierlich hohe Nachfrage – allein 2023 mit 313 Sitzungen – zeigt den enormen Bedarf. Auch 2025 ist mit bereits 290 mitberatenden Personen ein intensives Jahr“, resümiert Marlene Sachse. Mehr über die Migrationsberatung im Zukunftshaus Wedding steht auf der Webseite des Paul-Gerhardt-Stifts.

Beratung für Erwachsene

Die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) ist ein Beratungsangebot, das als Integrationsangebot des Bundes gefördert wird. Seit 2005 gibt es anerkannte Anlauf- und Beratungsstellen für Menschen mit Einwanderungsgeschichte in ganz Deutschland. Derzeit sind es landesweit ungefähr 1400. Die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und der Bund der Vertriebenen sind Träger der MBE und organisieren die Beratung vor Ort. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Diakonie Deutschland, die Caritas, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz und ZWST, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Migrationsberatung im Stadtteil

Neben der Beratungsstelle im Zukunftshaus Wedding (Diakonie Deutschland) gibt es im Wedding und in Gesundbrunnen weitere Anlaufstellen für Zugewanderte. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt eine Beratungsstelle in der Stettiner Straße 12, das Deutsche Rote Kreuz in der Neuen Hochstraße 21. Zusätzlich gibt es im Stadtteil ein Beratungsangebot der Caritas für junge Migrantinnen und Migranten zwischen zwölf und 27 Jahren. Der Jugendmigrationsdienst (JMD) befindet sich in der Bellermannstraße 92.

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Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

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