In dem Thema Müll steckt richtig viel Ärger drin! Ärger über Mitmenschen, die Dinge einfach fallen lassen. Ärger über Müll, der im öffentlichen Raum herumliegt. Ärger darüber, dass Schrottfahrräder jahrelang herumstehen bevor sie entsorgt werden. Frust über Dreckecken und Nachlässigkeiten: ganz viel Ärger. Der Bezirk greift diesen Ärger nun mit einer neuen Kampagne auf. „Mitte macht sauber“ heißt es nun; dahinter verbirgt sich ein ganzes Bündel an Maßnahmen.

„Neben der Mietenproblematik ist der Müll das Thema, das die Menschen am meisten aufregt“, sagt Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne). Ungefähr 80 Prozent der Beschwerden, die das Bezirksamt erreichen, handeln vom Müll. Mit dem ersten Müll-Gipfel im vergangenen Jahr habe sich der Bezirk bereits des Themas angenommen, nun folgt die neue Kampagne. Alle Probleme lösen könne man sicher nicht sofort, denn die Gründe für die Vermüllung seien komplex. „Die Bevölkerungsdichte in Mitte ist sehr stark gestiegen, da gibt es eben auch mehr Müll. Die Strukturen sind aber nicht mitgewachsen“, nennt die Bezirksbürgermeisterin eine Ursache für den Zustand. Eine andere: fehlendes Geld für bezirkliche Aufgaben. „Uns ist klar: Es ist jetzt einfach drüber. Es ist zu viel Müll“, sagt Stefanie Remlinger. Und auch wenn sie nicht alle Hebel in der Hand habe, die nötig wären, wolle der Bezirk einen Teil zur Lösung beitragen: „Die Menschen wollen uns kämpfen sehen. Und das wollen wir tun, mit Optimismus und Humor, aber auch mit der nötigen Härte“.

Nicht erst der Müll-Gipfel im vergangenen Jahr habe gezeigt, wie viel Ärger in dem Thema steckt, und wie viel Resignation inzwischen auch. „Der Müll wird extrem stark kritisiert, aber er wird auch als normal angesehen“, resümiert Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne). Genau das soll sich laut Schriner ändern: „Dass es sauber ist, das soll das neue Normal sein“.
Mehr BSR-Kieztage
Laut Stefanie Remlinger ist eine der Säulen der Kampagne die Ausweitung der Kieztage, der kostenfreien Sperrmüllabholung in den Kiezen. „Beim Sperrmüll reichen die vorhandenen Entsorgungskapazitäten einfach nicht aus“, sagt die Bezirksbürgermeisterin. Deshalb soll es in diesem Jahr, resultierend aus dem Müll-Gipfel, sechs zusätzliche BSR-Kieztage im Soldiner Kiez geben. „Wir wollen versuchen, in einem Kiez die Keller mal richtig leerzumachen“, so Stefanie Remliner. Dabei soll auch ein neuer Service hinzukommen: eine Lastenrad-Abholung von Sperrmüll direkt an der Wohnung, zum Beispiel für ältere Menschen. Das wurde bei früheren Aktionen im Brunnenviertel bereits erfolgreich ausprobiert – und soll nun „in die Fläche“ gebracht werden (zu den Kieztag-Terminen). Auch das gehört dazu: „Wir wollen einen stärkeren Fokus darauf legen, Schrotträder schneller aus dem öffentlichen Raum zu entfernen“, sagt Christopher Schriner.

Noch ein Müll-Gipfel
Den ersten Müll-Gipfel im vergangenen Jahr, organisiert vom Müll Museum Soldiner Kiez, wertet das Bezirksamt als Erfolg (siehe Beitrag: Was hat der Müll-Gipfel gebracht?). Die Bezirksbürgermeisterin verweist darauf, dass andere Bezirke die Idee sogar aufgreifen wollen. So sei in Pankow ebenfalls ein Müll-Gipfel geplant, der alle Verantwortlichen und die Bürger:innen an einen Tisch bringt. Und auch in Mitte soll es weitergehen. Der zweite Müll-Gipfel werde wieder im Wedding stattfinden, dieses Mal im Englischen Viertel. „Der nächste Müll-Gipel wird im November sein und von der Kornelius Gemeinde und dem Life e.V. organisiert“, so Stefanie Remlinger.
Mehr Öffentlichkeit
Das Thema Müll und Müllbeseitigung soll mehr Öffentlichkeit bekommen. Deshalb hat der Bezirk eine Kampagnen-Webseite eingerichtet. Auf der www.berlin.de/ba-mitte/mittemachtsauber sind alle Informationen gebündelt: Termine, Cleanup-Initiativen und die Aktivitäten des Bezirks sollen dort veröffentlicht werden. Jede:r könne dort zudem bald sehen, wo Materialien für den Kiezputz ausgeliehen werden können. Auch auf seinen Social-Media-Kanälen will der Bezirk zum Thema informieren, etwas über die Öffnungszeiten des Recyclingshofes oder über Kiez-Putzaktionen.

Mehr Aufklärung
„Wen wir das Problem lösen wollen, müssen wir uns zum Beispiel mit unserem Konsumverhalten auseinandersetzen“, sagt Stefanie Remlinger. So freue sie sich, dass auch das Schulamt die Kampagne unterstützen und mit den Schulen zuammenarbeiten möchte. So sind Bildungsprojekte mit Schulen ebenfalls geplant. Schon nach den Sommerferien stehe zum Beispiel ein Müllfest auf dem Leopoldplatz auf dem Programm, wahrscheinlich zum World Cleanup Day. Auch mit verschiedenen Jugendprojekten im Stadtteil soll es eine Zusammenarbeit zum Thema Müll geben.
Mitte macht sauber: Das auch noch
Das Bezirksamt nimmt sich im Rahmen der Kampagne auch vor, Müllsünder:innen stärker abzuschrecken. So sollen die Kontrollen des Ordnungsamtes im öffentlichen Raum verstärkt werden und auch Waste Watcher sollen zum Einsatz kommen. Das sind Mitarbeitende des Ordnungsamtes in Zivil, die ermitteln und Verstöße ahnden sollen. „Wir werden keine 100-Prozent-Ahndung schaffen, aber die Abschreckung ist größer, wenn die Strafe hoch ist und die Chance steigt, erwischt zu werden“, sagt Bezirksstadtrat Schriner. Um dem Thema Müll im Bezirksamt ein größeres Gewicht zu geben, wurde eine neue Koordinierungsstelle geschaffen. Sie soll innerhalb des Bezirksamts die Arbeit am Thema bündeln. Eine Ansprechpartner:in für die Öffentlichkeit soll die Koordination jedoch nicht sein.
Kontakt aufnehmen
Wer Fragen oder Anregungen zur Kampagne „Mitte macht sauber“ hat oder einen Kiez-Putztermin auf der Kampagnen-Webseite veröffentlichen möchte, kann sich per E-Mail unter mittemachtsauber@ba-mitte.berlin.de beim Bezirksamt melden.
Kurze Meldungen aus dem Stadtteil
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