Was hat der Müll-Gipfel im Soldiner Kiez gebracht?

Der Bezirk Mitte hat Mitte November zum ersten Müll-Gipfel eingeladen. Zwei Tage lang ging es im Müll Museum Soldiner Kiez in der Prinzenallee in Diskussionen, Arbeitsgruppen, einer Ausstellung und unzähligen Gesprächen um Müll im öffentlichen Raum, Gewerbemüll und Hausmüll. Organisiert wurde der Müll-Gipfel von Lena Reich und ihrem Team vom Müll Museum. Hier zieht sie Bilanz.

Lena Reich (rechts) mit Susanne Schulze-Jungheim im Müll Museum Soldiner Kiez. Foto: Schnell
Lena Reich (rechts) mit Susanne Schulze-Jungheim im Müll Museum Soldiner Kiez. Foto: Schnell

Wir veröffentlichen hier einen Rückblick von Lena Reich auf den ersten Müll-Gipfel. Sie hat ihn auch als E-Mail an die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung verschickt:

Liebe Leute,

wir möchten uns sehr herzlich bedanken, dass ihr für uns Zeit hattet und am Runden Tisch, aber auch am Müll Gipfel 2024 teilgenommen habt! An beiden Tagen haben wir zusammen 210 Menschen gezählt, die ihre Sorgen und Wut über die wachsenden Müllberge mit uns geteilt haben, aber auch ihre großartigen Ideen einer sozialen Verantwortung für die Gesellschaft formuliert haben. Kommen die 300 Menschen hinzu, die an der Online-Umfrage teilgenommen haben, bringen wir es auf eine gute Anzahl von 510 Müll*uflencerinnen. Die Ergebnisse der Umfrage bis zum Ende des Jahres noch im Müll Museum physisch zu betrachten.

Doch nochmal von vorne: Warum hatten wir zum Müll-Gipfel eingeladen? Wir wollen einen permanenten Raum schaffen, um auf Augenhöhe über Müll zu sprechen: mit euch, der Nachbarschaft und Akteuren aus dem Soldiner Kiez und Berlin Mitte, den hier ansässigen Gewerbetreibenden, aber auch mit den verschiedenen Verwaltungsebenen des Bezirksamt Mitte von Berlin, BSR und ALBA sowie MAE-Kräften und den Immobilienverwaltungen, die die über 12.000 Haushalte im Soldiner Kiez pflegen.

Der Müll-Gipfel soll den Wendepunkt in der Müll-Diskussion darstellen: Wir alle wollen nicht im Dreck leben. Wir wollen hier aber noch wohnen, wenn es sauber ist!

Beim Müll-Gipfel im Wichernsaal der Stephanuskirche. Foto: Hensel
Beim Müll-Gipfel im Wichernsaal der Stephanuskirche. Foto: Hensel

Ergebnisse der Runde Tische

Was sind die Ergebnisse der Runden Tischen vom 13.11.2024? Mangelhafte Kommunikation, fehlendes Verantwortungsgefühl und zu wenig Personal, das sind die tragenden Säulen, die die Vermüllung im Soldiner Kiez, aber auch in weiten Teilen von Berlin verantworten und an allen Runden Tischen zu Tage gekommen sind.

Die Gruppe um den „Müll im öffentlichen Raum“ ist mit insgesamt 20 Akteuren die größte gewesen und wurde für die Ideenwerkstatt aufgeteilt. Bemerkenswert war, dass die Menschen, die im selben Kiez agieren, sich nicht kannten und über den Müll erst zusammengefunden haben. Wiederholt kam der Wunsch nach einem festen Sperrmülltag im Kiez auf, um den illegal abgelegten Sperrmüll entgegenzuwirken. Da das wiederum mit Kosten verbunden ist, sollten bestenfalls Patenschaften für öffentliche Plätze eingeführt werden, an denen auch das Gewerbe teil nimmt, um die Sozialkontrolle zu verstärken. Im Übrigen sprachen sich die wenigsten für eine Videoüberwachung und dafür für ein Schulfach „Clean up/ Nachhaltigkeit“ aus. So würde auch der Respekt den Müllarbeiter*innen und allen Reinigungskräften gegenüber gesteigert werden.

Müll-Gipfel behandelte auch Hausmüll

Spannend war daher auch die Gruppe um den „Müll im Privaten“. Hier fiel den 15 Teilnehmenden besonders auf: Es mangelt an Verpackungsmülltonnen, Immobilienverwalter*innen, die anwesend sind und dem sozialen Miteinander in den einzelnen Wohnhäusern. So kamen die Ideen nach der Stärkung der Nachbarschaft auf, einer Chat-Gruppe, aber auch einem stetigen, physischen Raum, in dem ein Austausch unter den Mieter*innen überhaupt möglich ist. Auch gemeinsam Feste könnten so gefeiert werden, an denen auch die Hausverwalter anwesend sind und diese mit Sperrmülltagen verbinden. Eine weitere Gruppe ging das Problem der Wegwerfkultur an. Sie erarbeitete ein Konzept für eine gesetzliche Vorlage, die Herstellern von Elektrogeräten verpflichtet, die Geräte so zu bauen, dass sie überhaupt repariert werden können.

Das Angebot in Richtung Nachhaltigkeit und Mehrwegpflichtangebot zu prüfen, darüber sprach auch die Arbeitsgruppe „Gewerbemüll“ von rund zehn Anwesenden – und von einer Ohnmacht, bei „Ratten und Getier“ überhaupt Gehör im Haus und den Verwaltungen zu finden. Wünschenswert wäre daher der Aufbau einer Gewerbe-Gruppe, die sich regelmäßig trifft und in der die Hausverwaltung, das Gesundheits- und Hygieneamt, aber auch die IHK und Abgeordnete anwesend sind. Außerdem sollten Müll-Schulungen bei Gewerbeanmeldungen verpflichtend sein, so die Ideen.

Wie es wann weitergeht

Wie es genau weiter geht in Sachen Müll, daran sitzen wir gerade… Gebt uns noch ein wenig Zeit, all die Eindrücke konstruktiv zu verarbeiten. Wir wollen in jedem Fall am 14. März 2025 zum nächsten großen Müll-Party einladen und würden uns freuen, euch alle dort wieder zu sehen.

Wer vorher über seinen Müll reden will, der kommt bitte zu uns in Müll Museum Soldiner Kiez! Wir sind jeden Freitag von 13 bis 19 Uhr da (außer in den Schulferien). Solltet Ihr bereits einige der Ideen in die Tat umsetzen wollen, wir sind dabei und bieten euch auch jederzeit den Raum kostenlos zur Verfügung.

Auf dass der Müll uns nicht trennt!

Text: Lena Reich, Müll Museum Soldiner Kiez

📍 Kiez: ,

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