Weißes Musterkleid auf Zeit

Während bunte Blätter fallen, tragen 16 Ahorne in der Brunnenstraße auf ihrer Rinde ein weißes Musterkleid aus Stammschutzfarbe. Halbzeit beim Kunstprojekt Vielheit // Musterexemplare. Anlass für ein zweites Gespräch von Beate Heyne mit der Berliner Künstlerin Josefine Günschel.

Schön, dass wir uns noch einmal treffen, Josefine. Wie ist es dir ergangen? Bist du mit dem bisherigen Arbeitsergebnis zufrieden?
Josefine Günschel:
Ja, ich bin sehr zufrieden. 16 der insgesamt 31 Bäume haben inzwischen ihre Bemalung erhalten. Vor Beginn der Arbeiten war ich schon etwas nervös, ob es tatsächlich so wird, wie im Modell entworfen. Aber es hat sich dann alles gut entwickelt.

Wo lagen die Herausforderungen bei der Umsetzung?
Josefine Günschel:
Straßenbäume bemale ich ja nicht zum ersten Mal, dennoch musste ich auch hier erst ein Gefühl für die Rindenstruktur im Zusammenspiel mit den jeweiligen Mustern entwickeln und herausfinden, mit welcher Technik ich die Motive am präzisesten auf die Rinde bringen kann. Es gibt bei der Stammschutzfarbe keinen zweiten Versuch, wenn Fehler beim Bemalen passieren, zum Beispiel das Anlegen des Musters schief gegangen ist oder die Ränder nicht sauber gezogen sind. Die Farbe lässt sich nicht wieder entfernen und die Muster bleiben, abhängig von Umwelteinflüssen und Moosbewuchs, sieben Jahre und länger sichtbar.

Wie ist denn die Resonanz bisher?
Josefine Günschel:
Die Resonanz ist überwältigend, ich bin sehr viel angesprochen worden. Eine ganz tolle Motivation für meine Arbeit. Das Interesse kam von allen Generationen, Bevölkerungsschichten, von Bewohnern, von Touristen.

Gibt es ein Lieblingsmuster?
Josefine Günschel:
Die floralen Muster sind sicherlich am eingängigsten; das Rosenmuster hat viele Fans. Jedoch wirken die unterschiedlichen Muster ja sowieso immer im Zusammenspiel der Bäume. Durch die Kombination von Formen aus verschiedenen Kulturen, durch die Verbindung von strengen geometrischen Mustern mit floralen Mustern entsteht der eigentliche Reiz.

Zum Schluss: Wie wird es nach der Winterpause weitergehen?
Josefine Günschel:
Ich beginne im neuen Jahr, sobald es das Wetter zulässt. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie das Kunstwerk schließlich aussehen wird, wenn es fertig ist. Dann wird es, im Spätsommer, ein Einweihungsfest geben und wahrscheinlich auch eine Broschüre über das Projekt.

Ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir viel Erfolg für das kommende Jahr. Ich bin gespannt.

Weiterlesen

Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen