Old Style-Pavillon verhindert Bibliotheksanbau

Ein unscheinbarer Pavillon auf dem Rathausplatz, der das Café Old Style beherbergt, verhindert die einst geplante Erweiterung der Schiller-Bibliothek. Doch unabhängig vom Denkmalstatus ist unklar, ob die Erweiterung der Bibliothek jemals kommt. Der Bezirk hält die Idee eines Anbaus lediglich in Reserve.

Cafe Old Style
Gebäude des Old Style verhindert Bibliothekserweiterung. Foto: Andrei Schnell

Die heutige Schiller-Bibliothek ist eigentlich nur die erste Ausbaustufe einer ursprünglich geplanten größeren Bibliothek. Doch wann die Erweiterung kommt, steht in den Sternen. Jetzt kam ein weiterer Tiefschlag für die alten Pläne hinzu. „Ja, der Pavillon in der Müllerstraße 147 steht als Bestandteil des Denkmalbereichs (Gesamtanlage) Müllerstraße 146-147 … unter Denkmalschutz“, teilt Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) am 3. Juli den Bezirksverordneten mit.

In dem Pavillon befindet sich heute das Café Old Style (früher Simit Evi). Doch eigentlich sollte die Schiller-Bibliothek von der Genter Straße bis zur Müllerstraße verlängert werden. So sieht es der Siegerentwurf der AV1 Architekten aus dem Jahr 2011 vor. Auch der Bebauungsplan III-46-1 sieht eine Verlängerung des riegelartigen Gebäudes vor. Im letzten Bibliotheksentwicklungsplan aus dem Jahr 2016 heißt es noch: „Um zu den erforderlichen Flächen zu kommen, ist ein Ausbau bisheriger Standorte jedoch unabdingbar. Dies gilt für die Mittelpunktbibliothek Moabit und für die zweite Ausbaustufe der Schiller-Bibliothek zur Bezirkszentralbibliothek.“

Aktuell spricht der Bezirk von einer potenziellen Erweiterungsfläche, die im Rahmen der stadtplanerischen Flächenvorsorge für die soziale Infrastruktur als Bedarf in jedem Planungszusammenhang (BEPI, SiKo, FluM) angemeldet werde. So teilt es das Presseteam des Bezirksamtes mit.

Cafe Old Style
Pavillon mit Café Old Style ist Teil eines Ensembledenkmals. Foto: D. Hensel

Denkmalschutz für moderne Komposition

Dass der Pavillon mit dem heutigen Café Old Style unter Denkmalschutz überrascht im ersten Moment, da das kleine Gebäude architektonisch anders als das Hochhaus mit dem JobCenter nicht besonders hervorsticht. Die Begründung für den Denkmalschutz laut Presseteam des Bezirksamtes: „Die Freiflächen mit diesen Nachkriegsbauten bilden neben dem Altbau des Rathauses eine moderne Komposition der 1960er Jahre, die den Charakter der Gesamtanlage prägt, weshalb neben der Bausubstanz auch die überlieferte städtebauliche Konstellation der Bauten von Bedeutung ist.“ Das heißt, der Pavillon ist Bestandteil eines Denkmalbereichs, einer Gesamtanlage.

Wer nachlesen möchte: Die Zeitschrift Bauwelt Heft 19 aus dem Jahr 1965 zeigt die bauliche Komposition der Architekten Fritz Bornemann (1912–2007), der Hochhaus und den früher als BVV-Saal genutzten schwebenden Glaskasten entworfen hat. (Einschub: Wusste noch wer, dass sich in den 1950er Jahren vor dem Bau der modernen Gebäude ein Arbeitsamt am Rathausplatz befand?)

Wegen des Denkmalschutzes wäre eine Erweiterung der Bibliothek nur in Richtung Genter Straße möglich. Diese Idee ist weiterhin ein Reservevorschlag, oder wie der Bezirk formuliert: eine potenzielle Erweiterungsfläche.

Geld und Wille fehlt

Dem Plan einer Erweiterung der Schiller-Bibliothek steht auch das fehlende Geld entgegen. Berlin muss (wieder) sparen. In den aktuellen Investitionsplanungen taucht die Erweiterung nicht auf.

Auch politisch ist es derzeit eher unwahrscheinlich, dass ein Abriss von den Bezirksverordneten befürwortet werden würde. Die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) setzen sich mit ihren Beschlüssen traditionell für Özlem Özmen-Eren ein, die Betreiberin des Café Old Style ist. Özlem Özmen-Eren hat das Café erst vor wenigen Jahren renoviert und 2021 unter dem Namen Old Style eröffnet. Zuvor betrieb sie die Gaststätte seit 2008 unter der Bezeichnung Simit Evi. Davor war in dem Gebäude ein italienisches Restaurant.

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Kommentare

  1. Avatar von eimaeckel

    Für die soziale Infrastruktur auf dem Platz ist das beliebte Café mindestens genauso wichtig wie die Bibliothek. Beides nutze ich gerne.

    1. Avatar von Andrei Schnell
      Andrei Schnell

      Ein Café in der Bibliothek? Noch besser?

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