In der Barfusstraße 6 im Wedding ist am Mittwoch (14.1.) der Grundstein für einen Neubau gelegt worden. Der Bauherr ist das Paul-Gerhardt-Stift. Es ist das erste neue Haus, das die Stiftung auf dem Gelände an der Müllerstraße baut. Es entstehen unter anderem 100 Sozialwohnungen. Die Grundsteinlegung war zugleich der Auftakt zum Jubiläumsjahr. Das Paul-Gerhardt-Stift (PGS) feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag am Standort im Wedding.

Grundsteinlegung im Regen – ein gutes Omen?
Die Fotografen freuten sich bei dem feierlichen Akt an der Baustelle. Weil es regnete, standen viele Schaulustige mit bunten Regenschirmen am Rand der Baugrube – das war ein schönes Fotomotiv! Trotz des ungemütlichen Wetters waren nämlich viele Menschen gekommen, um an der Grundsteinlegung Anteil zu nehmen. Der Regen brachte aber auch Unannehmlichkeiten für die Gäste auf dem Baustellengelände mit sich. Als sie die Zeitkapsel mit Planungsunterlagen, Euro-Münzen und einer aktuellen Tageszeitung einmauern wollten, mussten sie durch einen kleinen Regensee gehen. Am Baustellenrand wurde diskutiert, ob das eventuell wie bei einer verregneten Hochzeit Glück für die Zukunft bringen könnte.

Sieben Jahre Planung und viele Vorschriften
Als Gastgeber begrüßte Stiftsvorsteher Martin von Essen die Besucherinnen und Besucher. Er dankte allen Beteiligten für die Vorbereitung des Bauprojekts, die immerhin sieben Jahre gedauert hat. Von Essen nutzte die Gelegenheit, auf die Probleme hinzuweisen, auf die er und andere Bauherren in der aktuellen Zeit stoßen. „1888 wurden im Paul-Gerhardt-Stift die ersten Häuser gebaut. Ich habe nachgeforscht: Damals gab es 200 Bauvorschriften und die Planung dauerte drei Monate. Heute gibt es 20.000 Bauvorschriften und die Planung dauerte in unserem Fall sieben Jahre“, sagte er. Diese Hürden, so betonte er, sollten künftig abgebaut werden. Bei dem aktuellen Bauprojekt habe es insbesondere von Seiten des Denkmalschutzes viele Vorschriften gegeben.

Politische Unterstützung für den Wohnungsbau
Den Punkt mit den langen Bauzeiten nahm auch Senator Christian Gaebler (SPD) bei seinem Grußwort auf. „Hier entstehen 116 Wohnungen, davon sind 100 mitpreisgebunden – das bringt das wichtige Thema Wohnungsbau in der Stadt voran. Klar ist, dass wir einfacher und schneller bauen müssen, wenn wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen. Dafür müssen wir Vorschriften abbauen“, sagte Senator Gaebler. Es sei ein wichtiger Beitrag des gemeinwohlorientierten Trägers, um mehr Wohnungen zu schaffen.

„Eine kleine Stadt in der Stadt“
„Das Stift ist heute eine kleine Stadt in der Stadt. Es hat eine stabilisierende Funktion im Wedding, weil es Raum für Begegnung bietet. Es ist eine große Freude, heute hier den Grundstein für einen Neubau zu legen“, so Senator Gaebler. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD) erinnerte in seiner Rede daran, wie rasant sich die Gegend rund um das PGS einst entwickelte. „Ich freue mich, dass das Paul-Gerhardt-Stift jetzt die Baulücke nutzt, um einen Beitrag zum Wohnungsbau zu leisten“, sagte Stadtrat Gothe.

Zeitkapsel und prominente Gäste
Neben dem Senator und dem Stadtrat schritten auch die SPD-Abgeordnete Maja Lasic, der Kuratoriumsvorsitzende Martin Matz und die SPD-Bürgermeisterkandidatin für Mitte, Uta Francisco dos Santos, durch die mit Regen gefüllte Baugrube und setzten einen Stein um die Zeitkapsel.

Ausstellung und Ausblick auf den Neubau
Im Anschluss an die Grundsteinlegung versammelten sich einige Gäste noch im Geistlichen Zentrum des Stifts, um eine kleine Ausstellung für den Neubau zu eröffnen. Sie enthält ein Modell des PGS mit dem neuen Haus sowie einige Tafeln mit Informationen zum Bauprojekt. Ihnen ist zu entnehmen, dass eine Bauzeit von zwei Jahren geplant ist. In der Zeit soll ein fünfgeschossiges Gebäude entstehen, das 20 Einraumwohnungen, 56 Zweiraumwohnungen, 30 Dreiraumwohnungen und zehn Vierraumwohnungen Platz bietet.

Darüber hinaus sollen im Erdgeschoss eine Tagesklinik, Facharztpraxen und eine Kantine entstehen. Auch ans Parken ist gedacht worden: Gebaut wird eine Tiefgarage mit 76 Pkw-Stellplätzen und 70 Fahrradstellplätzen. 100 der 116 Wohnungen sind mietpreisgebunden (Sozialwohnungen). Damit setzt das Paul-Gerhardt-Stift ein deutliches Zeichen für bezahlbares Wohnen im Wedding.
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