„Herr Uhländer, nun schreiben sie doch auch mal was Positives!“ – Der Leserin, die mich vor Kurzem dazu aufforderte, positiver zu schreiben, würde ich gerne den Gefallen tun. Klingt einfach, ist es aber nicht.
Es ist alles eine Frage der Perspektive: Wenn zwei ein Wettrennen machen, dann wird in der Regel einer der Sieger und einer der Verlierer. Klingt negativ, für den Verlierer. Ich könnte auch sagen: Der eine wird super zweiter Sieger, der andere leider nur Vorletzter. Klingt positiv, ändert aber nix an der Realität. Für mache ist das Glas immer halb voll, für manche immer halb leer – die Wahrnehmung ist anhängig davon, wie viel Durst man (gehabt) hat.

Obwohl wir Menschen mit der Gabe ausgestattet sind, dreidimensional und in Farbe sehen zu können, haben manche eine eindimensionale schwarz-weiß Sicht auf die Welt. Da hört das Zählen bei zwei auf: hell-dunkel, gut-böse, Mann-Frau, Deutscher-Ausländer (die Begrifflichkeit zu „Berliner Inländer mit migrantischem Hintergrund in x-ter Generation“ tauschen hilft nicht, solange es in diesem dualistischen Gegensatz verharrt). Diese Weltsicht macht es leichter, sich selber auf der vermeintlich richtigen Seite zu verorten. Doch die gibt es nicht. Alles hat mehrere Seiten, nicht umsonst erscheinen täglich in Deutschland rechnerisch 196,5 neue Bücher. Und jede Seite hat ihre Berechtigung, denn sie alle machen die Geschichte. Wer will jedoch noch so viel lesen, sich Zeit lassen und sich erst am Ende der Lektüre eine Meinung bilden?
Ich will von positiven Seiten erzählen: Eine Anwohnerin verteilte Essen an Obdachlose, bevor diese vom ehemaligen Diesterweg vertrieben worden sind. Und da gibt es eine Nachbarin, welche kostenlos Beratung für Behinderte anbietet, damit sich diese im Behördendschungel zurechtfinden. Das Bezirksamt stellt viele neue Bänke auf, damit wegen der schlimmer werdenden Hitzewellen jeder ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen findet. Es gibt staatlich finanzierte Einrichtungen wie das Olof-Palme-Zentrum, wo Kinder aus Familien mit viel zu kleinen Wohnungen Platz zum Austoben haben. Diese Geschichten sind gut. Die Verhältnisse sind es nicht.
Wenn Sie sich für das Gute einsetzen wollen, dann engagieren Sie sich in Ihrer Nachbarschaft. Wenn Sie die Verhältnisse ändern wollen, dann engagieren Sie sich in der Politik. Und wenn Sie wissen wollen, wo und wie beides geht, dann melden Sie sich bei mir,
Ihrem Stadtteilkoordinator
Jochen Uhländer
E-Mail: stk-brunnenstraße-nord@berlin.de
Telefon: (0159) 04 62 50 98
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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Mit Über-Blick“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit Über-Blick“ gesammelt und verlinkt.

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