Die Usedomer Straße im Brunnenviertel liegt in einer Tempo-30-Zone und sollte eigentlich eine ruhige Nebenstraße sein. Doch die baulichen Gegebenheiten führen zu Problemen. Die Straße ist ungewöhnlich breit, der Straßenbelag ist eben. Das ist gut für den Straßenverkehr, gut für den 247er Bus, der die Straße entlang fährt. Anwohner beklagen jedoch schon lange: die Usedomer Straße ist für einige Autofahrer eine Rennstrecke.

Versuche, die Rennstrecke für Raser unattraktiv zu machen und anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern und Radfahrern mehr Sicherheit zu geben, hat es bereits einige gegeben. So wurden erst vor einem Jahr zwei weitere Verkehrsinseln gebaut und in diesem Sommer wurde die Parkrichtung geändert. Ein Teil der Autors parken nun quer zum Straßenrand und machen die Durchfahrt so schmaler. Groß Auswirkung hat das nicht, sagt Anwohner Andreas Schmidt*. Er schildert dem Brunnenmagazin eine typische Erfahrung mit dem viel zu schnellen Autoverkehr.
Bericht von der Rennstrecke
„Es dämmert während ich an einem Abend auf der Usedomer Straße nach Hause radle, als auf einmal hinter mir ein Motor aufheult. Ich rette mich noch gerade an die Straßenseite, dann rast ein Auto mit geschätzt knapp dreistelligen Stundenkilometern dicht an mir vorbei. Was für ein Wahnsinn fluche ich, in einer 30er Zone! In der Ferne sehe ich wie das Auto parkt und radle mit fliegendem Puls zu den Fahrern. Vier Jugendliche erschrecken sich sichtlich als sie mich sehen und entschuldigen sich auf die Raserei angesprochen ausgiebig – wobei sie das Argument, das ganze sei lebensgefährlich mit einem „an irgendwas muss man sterben“ kontern.
Leider ist diese tatsächlich so geschehene Situation kein Einzelfall. Die Usedomer Straße ist zwar 30er Zone, doch aufgrund ihrer Breite fühlen sich immer wieder Übermütige zur Hobbyrennfahrt ermutigt. Zugleich fährt auch der reguläre Durchgangsverkehr, der den eigentlich vorgesehenen Hauptverkehrsadern Garten- und Bernauer Straße ausweicht, oft mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Auf Anfrage beim zuständigen Polizeiabschnitt ist das Problem der Straße gut bekannt. Tatsächlich hat der Bezirk hat erst kürzlich mit Verkehrsinseln und Querparken versucht gegenzusteuern, doch leider greifen die Maßnahmen offensichtlich nicht ausreichend. Mehrere Kitas und Schulen liegen in unmittelbarer Nähe, sodass es großes Glück ist, dass bisher kein größerer Personenschaden entstanden ist.
Was also könnte Abhilfe schaffen? Denkbar wären Aufpflasterungen, Verkehrsumleitungen und dauerhafte Geschwindigkeitskontrollen. Unverzichtbar erscheint mir auch eine deutlichere Kennzeichnung des Areals als 30er Zone – das Schild bei Einfahrt von der Brunnenstraße ist leicht zu übersehen. Es bleibt zu hoffen, dass dem Bezirk bewusst ist, welch großes Risiko der Verkehr auf der Usedomer Str. weiterhin darstellt und konkrete Abhilfemaßnahmen einleitet.“
Neue Straßenmarkierungen
Dass das Problem des Rasens in der Usedomer Straße bei den zuständigen Stellen bekannt ist, ist in der vergangenen Woche erneut deutlich geworden. Es wurde ein neuer Versuch gestartet: Auf der Fahrbahn sind mehrere große „30“ aufgemalt worden. Offenbar soll nun versucht werden, deutlicher auf die geltende Tempobegrenzung hinzuweisen. Es bleibt abzuwarten, ob das die Rennstrecke Usedomer Straße entschleunigt.

* Der Name wurde auf Wunsch des Anwohners geändert

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