Trauriges Ende für Weddinger Schneeeule-Brauerei

Am 30. September verschwindet eine ganz besondere Weddinger Marke aus der Öffentlichkeit. Die Schneeeule-Brauerei stellt ihren Betrieb ein, der Salon in der Ofener Straße wird geschlossen. Das teilte Brauerin Ulrike Genz via Instagram mit. Der Schritt hat mehrere Gründe. Wer noch traditionelle Berliner Weiße kaufen möchte, muss sich beeilen.

Ein Bild aus besseren Tagen: Brauerin Ulrike Genz. Foto. Andrei Schnell
Ein Bild aus besseren Tagen: Brauerin Ulrike Genz. Foto. Andrei Schnell

2016 hat die studierte Weddinger Bierbrauerin Ulrike Genz die Schneeeule-Brauerei gegründet. Sie wollte die Berliner Tradition des Sauerbieres wiederbeleben. Ihre traditionelle Berliner Weiße trinkt man ohne Sirup (ohne Schuss). Was früher gang und gäbe war, ist heute ein seltenes Produkt, und das hat Bierfans aus der ganzen Welt in den kleinen Biersalon in der Ofener Straße gezogen. „Als Nische in der Nische habe ich die Berliner Weiße aus der Versenkung geholt, mit viel Herzblut, Kraft und Geld. Doch die Aufbruchsjahre sind vorbei. In Berlin kennt man den Bierstil kaum noch – und leisten oder wollen tut ihn auch kaum jemand. Billig muss Bier sein, doch mit handwerklicher Herstellung und hohen Kosten in Berlin ist das nicht machbar“, resümiert Ulrike Genz nach neun Jahren Schneeeule-Flug.

Die Brauerin sieht vielfältige Gründe für das Aus ihrer Spezialbrauerei: „Alkoholarme, saure Biere sind nicht angesagt – lieber gleich alkoholfrei. Eine gereifte Weiße, die wahre Stärke des Stils, gönnten sich selbst Liebhaber selten. In der Gastronomie war eine Platzierung als Wein-Alternative schwierig: Weine sind heute süßer, Bier gilt nicht als besonders“.

Der Schneeeule Salon in der Ofener Straße. Foto: Schnell
Der Schneeeule Salon in der Ofener Straße. Foto: Schnell

Die kleine Brauerei war schon vor einigen Jahren in Bedrängnis geraten, als der Vermieter ihrer Produktionsräume in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Borsigwerke in Tegel den Vertrag kündigte. Doch die kleine Brauerei hatte viele treue Fans. Mit einem erfolgreichen Crowdfunding konnte Ulrike Genz deshalb über 90.000 Euro eingesammelt, um einen Umzug der Produktion bezahlen zu können. Die Suche nach neuen Räumen war ohnehin schwierig. Als die Geldsammlung beendet war, sprang zudem der Vermieter der neuen Räumlichkeiten ab. Die Brauerin stand ohne Brauerei da. „Investitionen in Räume und Personal waren damit nicht möglich. So musste ich zwischen Brauerei, Salon und neuen Plänen jonglieren, das Tagesgeschäft allein stemmen, Vertrieb und Export vernachlässigen – und Buchhaltung war nie meine Stärke. Am Ende war alles zu viel und nichts richtig“, sagt Ulrike Genz.

Belohnung für Teilnehmer:innen des Crowdfundings. Foto: Hensel
Belohnung für Teilnehmer:innen des Crowdfundings. Foto: Hensel

Am 30. September schließt die Schneeeule ihre Türen. Bis dahin können Fans des Sauerbiers sich noch mit dem eindecken, was in Ulrike Genz‘ Keller lagert: „Gereiftes Bier könnt ihr für 30 € pro Karton im Salon abholen, große Flaschen gibt es für 10 €. Verschicken werde ich nicht.“ Ulrike Genz zieht nun einen Schlussstrich, schließt aber einen Neustart in der Zukunft nicht aus: „Vielleicht wird es irgendwann in anderem Rahmen weitergehen, ich bleibe dem Bierstil treu. Doch die Schneeeule zieht sich nun zurück, wartet auf bessere Zeiten – vielleicht ein Glücksfall, der sie wieder auferstehen lässt.“

Schneeeule Salon, Ofener Straße 1, Öffnungszeiten noch bis 30. September: Mo + Do + Fr 18–0 Uhr, Sa + So 17–0 Uhr

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