Wie ist ein Schülerpraktikum beim Bezirksamt? Sortiert man Akten, kocht Kaffee, langweilt sich? Jakob Hensel (14 Jahre) hat das im Frühjahr ausprobiert. Sein Praktikumsort war im Rahmen seiner Schülerpraktikums im Fachbereich Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen des Bezirksamtes Mitte von Berlin. Sein Wunsch: das Amt kennenlernen und Bezirksstadträtin Dr. Almut Neumann (Grüne) über die Schulter schauen.


Seit einigen Tagen klimpere ich mit acht 1-D-Mark-Münzen in meiner Hand. Entdeckt habe ich sie im Humboldthain. Die in Papier gewickelten Münzen von 1950 waren zusammengerostet, als ich sie fand; sie sind offenbar nie benutzt worden. Gefunden habe ich sie, während ich im Rosengarten im Rahmen meines Schülerpraktikums umgegraben habe. Um sechs Uhr begann an diesem Tag mein Dienst im Revier Humboldthain, denn bei der Pflege des Rosengartens gibt es viel zu tun.
Der Stadträtin über die Schulter schauen
Das Arbeiten im Humboldthain mit Sicherheitsschuhen und Gartenkralle war allerdings nicht meine einzige Beschäftigung in den zweieinhalb Wochen meines Schülerpraktikums im April. Dieses war nämlich sehr abwechslungsreich. Ich konnte jeden Tag einen anderen Arbeitsbereich kennenlernen. Einen Großteil habe ich jedoch mit der Bezirksstadträtin Frau Dr. Almut Neumann verbracht. Dabei konnte ich einen guten Einblick in den Arbeitsalltag der Stadträtin bekommen. Dieser besteht hauptsächlich aus Sitzungen wie dem Umweltausschuss oder einer Videokonferenz zum Christopher Street Day (CSD). Am meisten Diskussionen gab es aber nicht um das Müllproblem beim CSD, sondern bei dem Podiumsgespräch zur Situation in der Friedrichstraße. Frau Dr. Neumann beantwortete dort Fragen und hörte Kritikern des Verkehrskonzepts zu. Da bei der Veranstaltung viele Kritiker der autofreien Friedrichstraße waren, dauerte das Gespräch deutlich länger als geplant und mein Praktikumstag endete erst um 21.30 Uhr.

Auf den Abschleppwagen warten
Frau Dr. Neumanns Bereich umfasst auch die Abteilung für Ordnung, die ich an drei Tagen hautnah miterleben konnte, indem ich den Allgemeinen Ordnungsdienst (AOD) begleitet habe. Dieser überprüft beispielsweise, ob es Falschparker in Parkverbotszonen gibt, Lieferzonen freigehalten werden oder gastronomische Betriebe eine Erlaubnis zum Rausstellen ihrer Tische und Stühle haben. Zufällig war ich auch in der Stralsunder Straße im Brunnenviertel unterwegs. An diesem Tag herrschte eine sehr fröhliche Arbeitsatmosphäre, auch als wir leider ziemlich lange auf einen Abschleppwagen warten mussten.
Während des Praktikums hatte ich auch noch eine dritte Station im Brunnenviertel. Hier nahm ich an der Jurysitzung im Architekturwettbewerb zum Neubau der Neuen Gertraudenbrücke teil. Dabei konnte ich mit meinem Lieblingsentwurf mitfiebern, mir die Argumente der anderen anhören und die Vor- und Nachteile der einzelnen Entwürfe abwägen. Von den Erlebnissen dort, die bis zur offiziellen Veröffentlichung geheim waren, durfte ich jedoch zunächst nichts berichten, was ich sogar bei meinen Eltern durchhielt.

Dabei bei einer Spielplatzbegehung
Natürlich hatte ich aber auch Termine außerhalb des Brunnenviertels. So konnte ich an der Spielplatzbegehung teilnehmen, bei der ich Spiel- und Sportplätze anhand von sehr vielen Kriterien auf Sicherheit und Spielspaß bewertete. Ein anderes Mal beschäftigte ich mich mit den Richtlinien zum Emissionsschutz, tauchte ein in die Abteilung für Verkehrszeichen (Straßenschilder), maß mit einem Lichtlot und stellte fest, dass das Grundwasser am Rathaus Mitte fünf Meter unter der Erde beginnt.
Doch es gab noch mehr: So konnte ich auch die Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger kennenlernen, einen Kiezspaziergang in Moabit begleiten und zwei Instagramposts für Frau Dr. Neumann erstellen. In einem thematisierte ich den zuvor erlebten amtsinternen Knotenpunktworkshop, bei dem es um die Umgestaltung von Kreuzungen hin zu mehr Verkehrssicherheit ging. Ich war auch bei zwei Pressegesprächen der Stadträtin dabei und erlebte, wie der rbb und die Berliner Zeitung Frau Dr. Neumann befragten.
Fazit: Ein abwechslungsreiches Schülerpraktikum
Das Schülerpraktikum beim Bezirksamt war wirklich abwechslungsreich und hat mir viel Spaß gemacht. So konnte ich das Brunnenviertel aus einer ganz anderen Perspektive sehen und in die Welt des Bezirksamts eintauchen. Dabei habe ich bemerkt, dass das Amt deutlich größer ist, als ich gedacht hatte und es dort sehr viele verschiedene Aufgaben gibt. So musste ich mich auch kein einziges Mal mit den Aufgaben beschäftigen, denen Praktikanten angeblich nachgehen, dem Kopieren oder dem Kaffeekochen.
Hier geht es übrigens zu Webseite das Straßen- und Grünflächenamtes Mitte und die Seite des Ordnungsamtes Mitte findet sich hier.

Text: Jakob Hensel, Fotos: Jakob Hensel, Dominique Hensel, Dr. Almut Neumann
Weiterlesen
Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im Juni 2023 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Sommer unterm Baum“ gesammelt und verlinkt.

Kommentar verfassen