Segenspreis 2025: Vier Initiativen für mehr Miteinander

Es gibt viele Menschen, die jeden Tag Gutes tun. Sie sind in unzähligen Projekten aktiv und stärken mit Engagement und Mut, mit Kreativität und Mitgefühl das Miteinander in der Gesellschaft. Sie sind der Gegenpol zu dem, was heute als Spaltung bezeichnet wird. Das Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße hat am Montag, den 20. Oktober, vier soziale Initiativen mit dem Segenspreis 2025 aufgezeichnet, die dagegen halten und sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Vier Blumensträuße - vier Preisträger. Foto: Hensel
Vier Blumensträuße – vier Preisträger. Foto: Hensel

Preis aus dem Wedding für Stadt und Land

Wer über die Verleihung des Segenspreises berichten möchte, muss Wedding und Gesundbrunnen verlassen. Die Vergabe des Preises fand zwar in der Müllerstraße statt und der Preisgeber ist seit 149 Jahren fest im Wedding verwurzelt, aber keiner der Preisträger in diesem Jahr hat eine Weddinger Adresse. Das liegt am Fokus des Preises, der bis zum vergangenen Jahr Paul-Gerhardt-Stiftspreis hieß. Der Aufruf für die Auszeichnung bezog sich auf Berlin und auf ganz Brandenburg. So waren unter den in diesem Jahr 40 Bewerbungen solche aus der Hauptstadt und aus dem umgebenden Bundesland.

Verdient haben alle vier Preisträger die Auszeichnung. Das hat auch der Schirmherr, der Regierende Bürgermeister von von Berlin, in seiner Videobotschaft betont. „Alle vier Preisträger zeichnet aus, dass sie kleineVereine sind und dass sie einen vorbildlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zum gegenseitigen Verständnis leisten“, sagte Kai Wegner. „Diese Initiativen sind ein Segen für die Stadt und sie werden dringend gebraucht – in und für Berlin“, so der Schirmherr. Das Gleiche würde wahrscheinlich Wegners Amtskollege aus Brandenburg über die Preisträger aus der Mark sagen. In diesem Jahr waren die Berliner übrigens in der Überzahl: drei Preisträger kommen aus der Hauptstadt.

Der Segenspreis wurde im Fliednersaal des Stifts vergeben. Foto: Hensel
Der Segenspreis wurde im Fliednersaal des Stifts vergeben. Foto: Hensel

Das sind die Preisträger des Segenspreises 2025:

Segenspreis für den Ruder-Club Hevella

Der erste Preis und ein Preisgeld von 10.000 Euro geht an den Ruder-Club Hevella aus Spandau. Genauer gesagt: ausgezeichnet wird die Abteilung Handicap-Rudern. Seit 22 Jahren gibt es diese Abteilung, in der aktuell acht Sportler:innen mit geistiger Behinderung aktiv sind. Bei der feierlichen Preisverleihung im Fliednersaal des Paul-Gerhardt-Stifts freuten sich die Ausgezeichneten über den Rückenwind, auch über den finanziellen. Der Verein hat sich nämlich für die Special Olympics im Sommer 2026 in Saarbrücken qualifiziert und wusste nicht, wie er die Reisekosten bezahlen soll. Mit dem Preisgeld, so sagten die Aktiven, sei dieser Traum nun greifbar geworden.

Die Gewinner des 1. Preises, die Abteilung Handicap-Rudern des Ruder-Clubs Hevella. Foto: Hensel
Die Gewinner des 1. Preises, die Abteilung Handicap-Rudern des Ruder-Clubs Hevella. Foto: Hensel
Das Publikum sieht sich ein Video über den Ruder-Club Hevella an. Foto: Hensel
Das Publikum sieht sich ein Video über den Ruder-Club Hevella an. Foto: Hensel

Segenspreis für Rosa Cottbus

Den zweiten Preis hat die Intitiative Rosa Cottbus erhalten. Rosa Cottbus ist ein Verein, der sich in der brandenburgischen Stadt für Sichtbarkeit von unterschiedlichen Gruppen und für Toleranz einsetzt. Der Verein lädt in seinen Räumen zu Partys, Konzerten, Küfa (Küche für alle) ein, bereibt einen Umsonstladen und stellt als soziokultureller Begegnungsort auch anderen Gruppen Platz und Equipment zur Verfügung. Weil auch mit dem zweiten Preis ein Preisgeld verbunden ist, gehen nun 5000 Euro nach Cottbus.

Die Preisträger von "Rosa Cottbus". Foto: Hensel
Die Preisträger von „Rosa Cottbus“. Foto: Hensel

Segenspreis für Silent Rixdorf

Das Projekt Silent Rixdorf ist mit dem dritten Preis ausgezeichnet worden. Die Jury war von dem für die Nachbarschaft offenen Privatgarten in Neukölln wegen seiner kreativen Veranstaltungen beeindruckt. Diese finden, so erklärten die Aktiven bei der Preisverleihung, überwiegend mit Kopfhörern statt, um die Nachbarschaft nicht zu stören (daher: Silent, still). Veranstaltungsformate und Anlässe, sich zu Treffen gibt es bei Silent Rixdorf viele: beim Honigerntefest, beim Hühner-Willkommensfest, beim Lebensmittelretten, bei Sommerfesten für Kinder und vielem mehr. Das kleine Paradies für die Nachbarschaft soll mit dem Preisgeld von 2.500 Euro nach schöner werden. Wie die Aktiven erklärten, soll es eine Außenküche finanzieren, in der gerettete Lebensmittel verkocht werden, die dann wieder in Gemeinschaft gegessen werden können.

Preisträger von Silent Rixdorf. Foto: Hensel
Preisträger von Silent Rixdorf. Foto: Hensel

Segenspreis für querstadtein

Wer vom Wedding zum Vereinssitz von querstadtein möchte, der müsste buchstäblich einmal quer durch die Stadt. Doch das ist gar nicht nötig, denn der Kern des Projekts ist kein Raum, den man besuchen kann. Der Kern sind ganz besondere Stadtführungen in Berlin. Die mit dem Sonderpreis ausgezeichnete Initiave aus Kreuzberg bildet aktuell oder ehemals obdachlose Menschen sowei Menschen mit Fluchterfahrung zu Stadtführer:innen aus. Diese bieten dann Touren an, in die ihre persönlichen Erfahrungen einfließen. Biografische Führung wird das genannt, was diese besonderen Touren ausmacht. 23 Stadtführer:innnen hat der Verein aktuell, im vergangenen Jahr hat er 750 Führungen angeboten. Für das Engagement für eine Welt ohne Ausgrenzung hat die Jury querstadtein den Sonderpreis des Segenspreises zuerkannt, der mit 1.000 Euro dotiert ist.

Die Preisträger von Querstadtein. Foto: Hensel
Die Preisträger von Querstadtein. Foto: Hensel

Gut zu wissen

Im kommenden Jahr feiert das Paul-Gerhardt-Stift seinen 150. Geburtstag. Auch der Segenspreis wird im Jubiläumspreis wieder vergeben. Die Ausschreibung wird auf der Webseite des Stifts veröffentlicht.

Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

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