So wählte der Wedding 1920

Die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, hat im jungen Bezirk Wedding im Jahr 1920 die erste Wahl zur Bezirksversammlung gewonnen – mit haushohem Abstand.

Wahlergebnis Wedding Bezirksversammlung 1921. Grafik: Andrei Schnell
Wahlergebnis Wedding Bezirksversammlung 1921. Grafik: Andrei Schnell

58,6 Prozent – die absolute Mehrheit holte die USPD bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung 1920. Damit die Unabhängige Sozialdemokratische Partei, die sich 1916 von der SPD abspaltete, der unangefochtene Wahlsieger im Bezirk Wedding. Auf Platz zwei folgt mit 15,7 Prozent die SPD.

Die beiden liberalen Parteien DVP, Deutsche Volkspartei, und DDP, Deutsche Demokratische Partei, holten jeweils 9,4 und 3,7 Prozent. Die rechtskonservativen Parteien DNVP, Deutschnationale Volkspartei, und WP, Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes, errangen 7,6 beziehungsweise 2,3 Prozent. Das Zentrum (DZP) kam auf 2,8 Prozent.

Unruhejahr 1920

Zwei Jahre nach Kriegsende war Deutschland bei Weitem nicht auf dem Weg zur Konsolidierung und Beruhigung. Im Gegenteil: Nachdem 1919 bewaffnete Aufstände von links gegen die im Entstehen begriffene Republik und Ausarbeitung einer demokratischen Verfassung gescheitert waren, kam es 1920 zu militärischen Angriffen von rechts. Doch der sogenannte Lüttwitz-Kapp-Putsch scheiterte ebenfalls.

Die USPD war 1920 so stark wie nie zuvor und danach. Sie konnte die Enttäuschung vieler Arbeiter über Kompromisse der SPD mit Kaiserreich und Eliten der Nachkriegszeit in Mitglieder und Wählerstimmen ummünzen. Doch scheiterte sie später an ihrer Radikalisierung und verlor recht bald an Bedeutung.

Der schnelle Auf- und Abstieg der USPD ist ein Beispiel unter vielen, wie extrem unruhig die Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg war.

Wahljahr 1920

1920 gab es in der Weimarer Republik am 6. Juni die erste reguläre Wahl, bei der das erste Parlament nach dem Ersten Weltkrieg gewählt wurde. (Die Wahl im Januar 1919 entschied über die Deutsche Nationalversammlung, die die Verfassung aufstellte). Am 20. Juni 1920 fand dann in Berlin die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung (heute Abgeordnetenhaus) und zu den Bezirksversammlungen (heute Bezirksverordnetenversammlungen) statt.

Die damaligen Parteien lassen sich nur ungefähr mit den heutigen Parteien vergleichen. So war die USPD eine sozialistische Partei, also eine sehr weit links stehende Partei. Die SPD war in der Mitte verortet und mit leicht linker Ausrichtung und die tragende Kraft der Weimarer Republik. Ihr Ort im politischen Spektrum ähnelt dem der heutigen SPD. Als Partei der Mitte gilt das Zentrum (DZP). Im heutigen Spektrum würde man sie der CDU zuordnen.

Unter den liberalen Parteien stand die DDP etwas linker, während die DVP konservativer war. Auf der rechten Seiten eindeutig verortet ist die DNVP. Aber auch die WP gehört tendenziell eher zu den rechten Parteien.

Weiterlesen: Wie Wedding wählte

Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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