Innerhalb eines Jahres kommt es zu einer großen Bewegung im linken Lager. Die sozialistischen Parteien verlieren bei der Wiederholungswahl 1921 die absolute Mehrheit in der Bezirksversammlung Wedding.

Die USPD, ein Jahr zuvor im Wedding noch überragend bei 58,6 Prozent, stürzt geradezu ab auf 32,7 Prozent. Beinahe eine Halbierung des Ergebnisses. Heute würde man von Erdrutsch sprechen.
Grund ist die Spaltung der Partei. Die neue Partei heißt KPD, Kommunistische Partei Deutschlands, und kommt im Wedding aus dem Stand auf 15,6 Prozent.
Zählt man die Stimmen der beiden linken Parteien zusammen, erreichen sie 48,3 Prozent und bleiben damit unter der Marke für die absolute Mehrheit.
Wahlgewinner ist die SPD, die sich von 15,7 auf 20,2 Prozent verbessert. Wahlgewinner ist aber auch DNVP (Deutschnationale Volkspartei), die von 7,6 auf 13 Prozent klettert.
Die DNVP stand für Nationalismus, Monarchismus, Antisemitismus und eine starke Ablehnung des parlamentarischen Systems der Weimarer Republik. 1918 hatten sich mehrere konservative Kräfte des Kaiserreichs zu dieser Rechtsaußenpartei zusammengeschlossen. Unter Vorsitz von Alfred Hugenberg kooperierte die Partei ab 1930 zunehmend mit der NSDAP. Nach der Koalition zur Machtübernahme 1933 löste sich die DNVP auf, um in der NSDAP aufzugehen.
Die beiden liberalen Parteien DVP und DDP verlieren in Summe leicht.
Die Zentrumspartei bleibt unverändert bei drei Prozent.

Vergleich mit dem Reich
Vergleicht man das Wahlergebnis für die Wahl zur Weddinger Bezirksversammlung mit der Wahl zur Stadtverordnentenversammlung (heute Abgeordnetenhaus), wird klar, warum der Wedding der „rote“ genannt wurde. In Berlin gab es kein Übergewicht der linken Kräfte. Vier Parteien lagen mehr oder weniger gleichauf bei rund 20 Prozent: die SPD als Mittepartei, die USPD als linke Partei, die Deutschnationale Volkspartei als rechte Partei und die Deutsche Volkspartei als nationalliberale Partei.
Das Wahlergebnis im Deutschen Reich ähnelt dem Berlins mit nur einem Unterschied. In Deutschland gab es eine weitere Partei, die zu den großen gehörte: die Zentrumspartei. In Berlin war das Zentrum unbedeutend.
1921 machten andere Wahlen Schlagzeilen
Die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Berlin 1921 fand am 16. Oktober 1921 statt. Die Wahl vom 20. Juni 1921 war vom Preußischen Oberverwaltungsgericht wegen teilweiser Wahlfälschung für ungültig erklärt worden. Damit handelte es sich um eine Wiederholungswahl.
Die Schlagzeilen des Jahres wurden eher von der Volksabstimmung in Oberschlesien und der Inflation bestimmt.
Die Volksabstimmung in Oberschlesien folgte aus dem Versailler Vertrag und war eine Entscheid über die Frage, ob das eher landwirtschaftlich geprägte Oberschlesien zu Deutschland oder zu Polen gehören sollte. Mit 60 zu 40 ging die Wahl zugunsten des Verbleibs in Deutschland aus. Mit Blick auf regionale Ergebnisse entschied der Völkerbund, Oberschlesien zu teilen, sodass das stärker industriell geprägte Ostoberschlesien an Polen ging.
Das zweite Ereignis, das damals für Schlagzeilen und Diskussionen sorgte, war die Inflation. 1921 war der Wert der Mark auf ein Prozent ihres Werts von 1914 gegenüber dem Dollar gefallen. Die Hyperinflation bis 1923, bei der am Ende ein Dollar vier Billionen Mark wert war, kündigte sich an.
Weiterlesen: Wie Wedding wählte
Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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