Das waren die Umstände für die Wahl im Jahr 1948: Kalter Krieg und kalter Winter. Bei den Wahlen machen die Weddinger (wie die übrigen Berliner) während der Berlin-Blockade die SPD zur großen Partei. Unvorstellbare 75 Prozent holen die Sozialdemokraten im Arbeiterbezirk. Allerdings war das Parteienspektrum schmal.

So einig war man sich im Wedding nur einmal und nie wieder. Bei der Wahl 1948 stimmten drei von vier Wählern für die SPD. Nach dem Krieg und angesichts der aktuellen Drohungen aus dem Osten trauten die Menschen im Wedding in kaum zu glaubender Mehrheit der SPD zu, die Situation zu meistern. Auf 74,8 Prozent kamen die Sozialdemokraten im Bezirk Wedding. In Westberlin auf 64,5 Prozent. Ein enormer Zuwachs gegenüber der Wahl 1946. Wie sagt man da, was ist das Gegenteil von Erdrutschverlust? Turboliftsieg?
Die CDU kommt im Arbeiterbezirk auf 16 Prozent. Das Ergebnis für den Westteil der Stadt ist mit 19,4 Prozent nur leicht besser. Die liberale LDP holt im Wedding 9,2 Prozent.

Wahl im Kalten Krieg
Für Historiker ist es immer schwierig, zu sagen, wann Entwicklungen anfingen. Zum Beispiel: Wann begann der Kalte Krieg zwischen den Westmächten und der Sowjetunion? Aber 1948 sollte für den letzten Beteiligten klar gewesen sein, dass er im Gange ist. Die berühmte Berlin-Blockade, auch erste Berlinkrise genannt, begann am 24. Juni 1948. Das Bild der Rosinenbomber ist ikonisch geworden. (Zur Erinnerung: Die Sowjetunion versuchte mit der Blockade, Westberlin in ihren Herrschaftsbereich einzugliedern.)
Am 5. Dezember wählten dann die Westberliner. Vorausgegangen war eine im Vergleich zur Blockade kleinere Schlacht im Kalten Krieg. Der 1946 (noch von allen Berlinern) gewählte Otto Ostrowski (SPD) war zur Kooperation mit der SED bereit. Doch seine Parteikollegen in der Fraktion im Magistrat (heute Abgeordnetenhaus) waren für eine strikte Abgrenzung gegenüber dem Osten und stellten einen Misstrauensantrag gegen ihren eigenen Oberbürgermeister. Anlass war, dass Otto Ostrowski trotz der Berlin-Blockade bereit war, in seiner Regierung weiterhin mit SED-Senatoren zusammenzuarbeiten.
Die klare Kante gegen den Osten, den SPD-Größen wie Ernst Reuter zeigten, wurden von den Wählern überdeutlich belohnt. Dass Otto Ostrowski aufgrund seiner guten Kontakte im kalten Hungerwinter 1946/47 dank seiner guten Kontakte zur Verwaltung in Ostberlin zusätzliche Holzeinschläge aus Wäldern der sowjetischen Besatzungszone erreicht hatte, wo Nebensache geworden.
Weiterlesen: Wie Wedding wählte
Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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