So wählte der Wedding 1989

Die letzte Wahl im Erfolgsmodell Westberlin gewinnt im Wedding die SPD. Mit beeindruckenden 47,5 Prozent hat sie beinahe die absolute Mehrheit geholt. Die CDU dagegen verliert massiv, rutscht auf 29 Prozent ab. Dafür holt die rechtsextreme Partei die Republikaner im Wendejahr 9,6 Prozent.

Wahlergebnisse Bezirk Wedding 1989 Bezirksverordnetenversammlung
Grafik: Andrei Schnell

1989 funktionierte noch das Lagerdenken: progressiv gegen konservativ. Oder SPD und Grüne gegen CDU und FDP. Für einen ersten Kratzer sorgte der Erfog der Republikaner. Die Rechtsextremen hatten auch im Wedding starken Zuspruch, kamen auf 9,6 Prozent. Auch wenn diese Partei sich nicht langfristig halten konnte, war dies ein erstes Aufblitzen von Unzufriedenheit über den Wandel der Zeiten. Und das noch ganz ohne Social Media und noch schwachem Privatfernsehen. Was wäre geschehen, wenn es damals schon den Empörungsverstärker Facebook gegeben hätte?

Und wie erklärt sich der Aufstieg der Grünen? Im Wedding erreichten sie im letzten Wahljahr der alten Westberliner Zeiten 10,5 Prozent, waren zum ersten Mal zweistellig. Als kleine Partei haben sie sich endgültig etabliert. Sind auch sie ein Zeichen für Unzufriedenheit? Jedenfalls sind sie die erste Partei, die das Kapitel Parteienvielfalt (typisch für die 30 Jahre nach dem Beitritt der DDR) eröffnet.

Im Rückblick verklären sich die 1980er Jahre zu einer Zeit des Wohlstands und scheinbar ewigen Wirtschaftswachstums. Wann diese goldenen Jahren Westberlins angefangen haben, lässt sich anhand der stetig und langsam wachsenden (CDU) und fallenden (SPD) Kurven kaum ablesen.

Wahlergebnisse Bezirk Wedding 1989 Bezirksverordnetenversammlung
Grafik: Andrei Schnell

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Wie hat der Wedding früher gewählt? In der Reihe im Brunnenmagazin ist das Wahl für Wahl aufgeschlüsselt. Die Beiträge sind unter dem Stichwort Wedding Wahl gesammelt.

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