Die Versöhnungskirche stand einst in der Bernauer Straße 4. Sie wurde 1892 errichtet und stand nach dem Bau der Berliner Mauer mitten im Niemandsland zwischen Berliner Mauer und Hinterlandmauer. Vor fast genau 40 Jahren wurde die Kirche am 22. Januar 1985 von der DDR-Regierung gesprengt. Mit einem Gedenkgottesdienst und einer Fotoausstellung wird nun am früheren Standort an die Sprengung erinnert.

Die Geschichte der Versöhnungskirche
Die Versöhnungskirche wurde ab 1892 nach Plänen von Gotthilf Ludwig Möckel gebaut. Zwei Jahre später, am 28. August 1894, wurde das von Kaiserin Auguste Viktoria gestiftete Gotteshaus eingeweiht. Das Gebäude wurde gut genutzt. Die dazugehörige Versöhnungsgemeinde umfasste Ende der 1920er Jahre 20.000 Mitglieder, um die sich drei Pfarrer kümmerten.
Große Veränderungen für Kirche und Gemeinde kamen mit dem Zweiten Weltkrieg. Zunächst wurde das Bauwerk im Krieg stark beschädigt; danach wurde es wieder hergerichtet und weiter genutzt. Problematisch war jedoch die Lage genau an der Sowjetischen und Französischen Sektorengrenze. Die Gemeinde erstreckte sich über beide Sektoren und immer weniger Menschen nutzten die Kirche. Zum Mauerbau waren es noch ein Drittel der ursprünglichen Kirchengängerinnen und Kirchengänger.
Der Mauerbau am 13. August 1961 verschärfte die Situation für die Kirchengemeinde. Kurz nach dem Mauerbau wurde das Hauptportal der Kirchenmauer zugemauert. Die Westberliner Gemeindeglieder konnten die Kirche damit nicht mehr besuchen, weil die Kirche sowie das Pfarr- und Gemeindehaus im Ostteil der Stadt befanden. Ab Oktober 1961 konnten schließlich auch Ostberliner nicht mehr in das Gotteshaus, das sich im sogenannten Todesstreifen befand. Die Kirche wurde dann komplett geschlossen. Die Grenztruppen der DDR nutzten den Kirchturm noch als Wachturm mit Geschützstand.



Die Sprengung und die Folgen
Schließlich entschied die DDR-Regierung, dass an der Bernauer Straße eine freies Schussfeld hergestellt werden und die Kirche gesprengt werden soll. Dies geschah in zwei Schritten. Am 22. Januar 1985 wurde die Kirche gesprengt, sechs Tage folgte die Sprengung des Kirchenturms.
Der Sprengung vorausgegangen war 1984 ein Grundstückstausch. Das Versöhnungskirchen-Grundstück ging an den Magistrat der DDR, die Versöhnungsgemeinde erhielt im Gegenzug ein Grundstück im DDR-Neubaugebiet Hohenschönhausen. Dort wurde ein Gemeindezentrum für die Ost-Berliner Versöhnungsgemeinde Marzahn errichtet und 1988 eingeweiht. Diese Gemeinde wurde 2002 Teil der Biesdorfer Evangelischen Versöhnungsgemeinde.

Die Spuren der gesprengten Kirche
Nach der Wende 1989 erhielt die Versöhungsgemeinde das Grundstück an der Bernauer Straße zurück. Ein neue Kirche errichtete die Gemeinde nicht: Wo einst die Versöhnungskirche stand, steht heute die Kapelle der Versöhnung. Sie ist auf den denkmalgeschützten Fundamenten der alten Kirche errichtet worden und wurde am 9. November 2000 eingeweiht. Regelmäßig finden hier Gottesdienste statt. Für die drei alten Kirchenglocken, die erhalten geblieben sind, ist vor der Kapelle ein Gerüst gebaut worden. In die der Kapelle der Versöhnung sind der bei der Sprengung schwer beschädigte Altar und weitere gerettete Gegenstände integriert worden. Das frühere Turmkreuz steht heute rechts neber der Kapelle der Versöhnung – wo im Sommer der Roggen wächst.



Die Gedenkveranstaltung, die Ausstellung
Am Sonntag, dem 26. Januar, wird ab 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst an die Sprengung der Versöhnungskirche vor 40 Jahren erinnert werden. Er findet in der Kapelle der Versöhnung in er Bernauer Straße 4 statt. Neben den Gemeindemitgliedern sind Gäste aus der Gesamtkirchengemeinde Hohenschönhausen Nord und der Biesdorfer Versöhnungsgemeinde eingeladen. Mit dabei ist auch Jörg Hildebrandt. Der Mitbegründer des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) und später stellvertretender ORB-Chefredakteur ist Zeitzeuge. Er ist auf dem Versöhnungskirchen-Gelände an der Bernauer Straße aufgewachsen.
Im Anschluss an den Gottesdienst wird um 11.30 Uhr zur Begegnung bei Imbiss und heißen Getränken in das Dokumentationszentrum Berliner Mauer eingeladen. Im früheren Kirchsaal der Versöhnungsgemeinde in der Bernauer Straße 111 laden der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Professor Dr. Axel Klausmeier, und Gemeindepfarrer Thomas Jeutner zum Gespräch.
Zwischen dem 22. und 28. Januar werden am Glockenstuhl der Kapelle der Versöhnung zudem neun Fototafeln über die Ereignisse ausgestellt. Besucherinnen und Besucher werden vom 22. bis 26. Januar und am 28. Januar jeweils von 10 bis 16 Uhr zu Gespräch und Getränk eingeladen.

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