Gedenken an die gesprengte Versöhnungskirche

Die Glocken der gesprengten Versöhnungskirche in der Bernauer Straße haben heute (26.1.) zu einem Gedenkgottesdienst gerufen. Die Glocken, die vor der Zerstörung der alten Kirche ausgebaut werden konnten, hängen heute in einem Glockenstuhl auf dem früheren Grenzstreifen der Berliner Mauer. Sie werden von Hand geläutet. Viele Menschen sind ihrem Ruf gefolgt. Die Kapelle der Versöhnung konnte sie gerade noch so aufnehmen. Auch die anschließende Gesprächsrunde in der Gedenkstätte Berliner Mauer war sehr gut besucht.

Die Glocken der alten Versöhnungskirche werden von Hand geläutet. Am Glockenstuhl hängt nun auch die Ausstellung zur Kirchensprengung. Foto: Hensel
Die Glocken der alten Versöhnungskirche werden von Hand geläutet. Am Glockenstuhl hängt nun auch die Ausstellung zur Kirchensprengung. Foto: Hensel

Es war ein besonderer Tag für die Kirchengemeinde am Gesundbrunnen, kein Gottesdienst wie jeder andere. Heute wurde der Sprengung der Versöhnungskirche vor genau 40 Jahren gedacht. Die Zusammenkunft fand in der Kapelle der Versöhnung statt, die auf dem Fundament der alten Kirche aus Trümmern der geprengten Kirche errichtet wurde. Jeder Platz, auch die zusätzlich geschaffenen waren besetzt; das rbb Fernsehen hatte zwei Kameras aufgebaut, verschiedene Menschen machten Fotos. Trotz der besonderen Aufmerksamkeit war es eine unaufgeregte und schöne Gedenkstunde.

Beim Gedenkgottesdienst in der Kapelle der Versöhnung. Foto: Hensel
Beim Gedenkgottesdienst in der Kapelle der Versöhnung. Foto: Hensel

Sieben Jahre lang wurde Sprengung diskutiert

Pfarrer Thomas Jeutner erinnerte in seinen Worten an die alte Kirche. „Es war kein spontaner Entschluss, die Kirche zu sprengen. Im Oktober 1961 war in der Kirche der letzte Gottesdienst. Seit 1976, das konnten wir in den Akten nachvollziehen, wurde darüber diskutiert, ob die Kirche weichen muss“, sagte Thomas Jeutner. Nach sieben Jahren stand der Entschluss fest, die Kirchengemeinde hatte dem Druck der DDR-Regierung nachgegeben und das Grundstück auf dem Grenzstreifen verkauft. Sie erhielt dafür ein anderes Grundstück in Marzahn, wo eine neue Versöhnungsgemeinde entstand. Die eingemauerte Versöhnungskirche an der Grenze von Wedding und Ostberlin wurde im Januar 1985 gesprengt. Dass nur vier Jahre später die politische Wende kam, war für viele Menschen in der Kirchengemeinde besonders bitter.

Zeitzeugen berichteten

Beim Gedenken kamen viele Menschen zu Wort. Darunter auch Jörg Hildebrandt, Sohn des damaligen Pfarrers und Mann der verstorbenen Politikerin Regine Hildebrandt, deren Kirche die Versöhnungskirche war. Er las einige Wort von Regine Hildebrandt vor: Man könne die gesprengte Versöhnungskirche zwar nicht wieder errichten, hieß es in dem Zitat. „Aber dem Wort von der Versöhnung müssen wir Tag für Tag durch unser Zutun Geltung verschaffen.“ Auch dafür haben sich die Menschen zu dem Gedenkgottesdienst versammelt. Es wurde gesungen, gesprochen, viele traurige und ermutigende Geschichten um die Versöhnungskirche gehört und es wurden die Gedanken verbunden in dem Bedürfnis, auch in schweren Zeiten zusammenzustehen. Die Orgel wurde gespielt und ein Glockenspiel schickte 15 Töne in die Kapelle, in Erinnerung an die Uhrzeit der Sprengung.

Als die Fernsehkameras längst abgebaut waren, folgten viele der Teilnehmenden des Gedenkens der Einladung zu Imbiss und Gesprächen in der Gedenkstätte Berliner Mauer. Nach dem kurzen Gang über die Straße, wärmten sich die Besucherinnen und Besucher nach dem Aufenthalt in der unbeheizten Kapelle auf und hörten weiteren Redebeiträgen zu. So kamen der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Professor Dr. Axel Klausmeier, und Gemeindepfarrer Thomas Jeutner zu Wort. Ute Zimmermann berichtete vom Ehrenamt an der Kapelle der Versöhnung, die von einem freiwilligen Hüterteam für Besuchende offengehalten wird.

Ausstellung über die alte Versöhnungskirche

Die Ausstellung am Glockenstuhl der Kapelle der Versöhnung bleibt laut Pfarrer Thomas Jeutner „noch eine Weile“ hängen. Sie war wegen Lieferschwierigkeiten mit wenig Verzögerung aufgehängt worden. Die Tafeln können aber auch online auf der Seite der Kirchengemeinde angeschaut werden (zur Online-Ausstellung).

Ausstellungstafeln berichten über die Geschichte der Versöhnungskirche. Foto: Hensel
Ausstellungstafeln berichten über die Geschichte der Versöhnungskirche. Foto: Hensel
Eine der Tafeln zur Gedenkausstellung über die Versöhnungskirche. Foto: Hensel
Eine der Tafeln zur Gedenkausstellung über die Versöhnungskirche. Foto: Hensel

Mehr über die Sprengung der Versöhnungskirche steht im Beitrag Vor 40 Jahren wurde die Versöhnungskirche gesprengt.

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