Stephanuskirche: Gemeinde saniert und gibt Gebäude ab

Die Kirchengemeinde am Gesundbrunnen will die Stephanuskirche in der Prinzenallee sanieren. Die Kirche will das Gebäude künftig jedoch nicht weiter selbst nutzen und einen Betreiber suchen. Das teilt Pfarrerin Johanna Hestermann mit.

Die Sanierung

Die Stephanuskirche ist seit langem sanierungsbedürftig. Neben einer fehlenden Beheizung ist vor allem das Dach nicht mehr intakt. Die Kirche ist deshalb schon länger teilweise eingerüstet, Fangnetze sollen eventuell herabfallende Teile abfangen. Nach einem Personalwechsel im Winter gibt es nun wieder eine Koordination, die sich um die geplante Sanierung kümmert. „Endlich konnte der Antrag auf Bundesfördermittel für die Finanzierung des 1. Bauabschnitts gestellt werden“, schreibt Johanna Hestermann im Gemeindeblatt „Evangelisch am Gesundbrunnen“.

Die Zukunft der Stephanuskirche

Wenn die Sicherungsmaßnahmen beendet sind, will die Kirchengemeinde das Gebäude nicht weiter selbst betreiben, so die Pfarrerin. Als Grund gibt sie sinkende Mitgliederzahlen und schrumpfende finanzielle Mittel der Gemeinde an. Die Gemeinde könne sich „das Gebäude aber nicht mehr leisten“. Es solle deshalb ein Betreiber gesucht werden, der für den Erhalt des markanten Gebäudes sorgt, laufende Kosten trägt und das Haus inhaltlich bespielt. „Für all das hat unsere Kirchengemeinde am Gesundbrunnen weder die finanziellen noch die personellen Mittel“, so Johanna Hestermann. Daher habe man sich „noch einmal in aller Klarheit darauf verständigt, dass die Stephanuskirche an einen Betreiber abgegeben werden soll“. Klar sei dabei, dass das Betreiberkonzept für die Kirche einen klaren Bezug zum Kiez haben soll „und die Kirche ihrer kulturellen Bedeutung gemäß genutzt wird“.

Hintergrund

In der Vergangenheit hat es bereits Versuche gegeben, die Stephanuskirche kulturell durch einen externen Betreiber zu nutzen. Nachdem 2013 der letzte Gottesdienst in der Kirche stattgefunden hatte, gab es bereits eine kulturelle Nutzung, die jedoch 2015 endete. Danach lud die Kirchengemeinde immer wieder selbst zu einzelnen Veranstaltungen ein, zum Beispiel zu dem Format „Orgel mit Biss“. In einem Nebenraum haben bis vor kurzem Initiativen aus dem Soldiner Kiez Kultur organisiert. Auch der 1. Müll-Gipfel des Bezirks Mitte hat im vergangenen Jahr in dem Gebäude stattgefunden.

Die Kirchengemeinde am Gesundbrunnen existiert in ihrer Form seit dem 1. Januar 2025. Zu diesem Datum haben sich die Versöhnungsgemeinde, die Kirchengemeinde am Humboldthain und die Kirchengemeinde an der Panke zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Die Fusion ist seit elf Jahren vorbereitet worden. Mehr zum Gemeindeleben steht auf der Webseite www.evangelisch-am-gesundbrunnen.de.

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Über die frühere kulturelle Nutzung steht mehr in den Beiträgen Die Stephanuskirche rockt und Frohe Weihnachten und tschüss, Stephanuskirche! Um den Müll-Gipfel in der Kirche geht es in den Beiträgen Was hat der Müll-Gipfel gebracht? Das Gebäude steht übrigens seit 120 Jahren im Kiez, im vergangenen Jahr hat eine Kiezinitiative dieses Jubiläum gefeiert (Schau auf 120 Jahre Stephanus!).

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Kommentare

  1. Avatar von Thomas Kilian, Mitglied der Initiiative Baudenkmal Stephanuskirche und Vorstandsmitglied des Soldiner Kize e.V.

    Die evangelische Kirche am Gesundbrunnen folgt den Wunschvorstellungen der in ihr aufgegangenen Gemeinde an der Panke: Ein Betreiber ist nicht in Sicht, man hat die notwendigen Vorleistungen für eine systematische Suche auch nach jahrelangem Hickhack nicht erbracht. Expert:innen zweifeln aus politischen und bauwirtschaftlichen Gründen daran, dass die millionenschweren Bundeszuschüsse gewährt werden. Niemand investiert in ein Gebäude, dessen Nutzung völlig unklar ist. Ein renommierter Architekt ist vor gut eineinhalb Jahren aus der Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde ausgestiegen, weil sich in der Gemeinde niemand das für externe Gespräche notwendige Knowhow über die der Fähigkeiten und Eigenschaften der denkmalgeschützten Kirche aneignete, keine Kommunikation mit der Nachbarschaft und anderen Stakeholdern geführt wurde und kein Betreiber in Aussicht war. Alles Voraussetzungen für eine solide Planung und Finanzierung!

    Die Kirchengemeinde am Gesundbrunnen darf sich aufgrund der fehlerhaften Prozessgestaltung auf weitere Jahre um die Stephanuskirche kümmern. Es wäre an der Zeit, sich ehrlich zu machen und die im Bauwesen üblichen Schritte in der richtigen Reihenfolge anzugehen, statt nur an die Kosten zu denken, bevor man weiß, wohin die Sache eigentlich führen soll. Mahnungen in diese Richtung hat es wiederholt gegeben, aber in der Gemeinde an der Panke hörte man weder auf Expert:innen, noch auf Beobachter:innen, sondern pflegt sie zu beschimpfen.

  2. Avatar von Renate Straetling

    Vor allem Nachnutzungen von Kirchengebäuden bedürfen der Sympathie, der Bedarfes und der Billigung des mittlerweile allerorten gewachsenen bunten und multireligiösen Umfeldes und auch der gewissen Übereinkünfte im Alltag, die in Stadtteilen gepflegt werden: wann und durch wen soll das jemals festgestellt und gemeinsam mit Toleranz auf den Weg gebracht werden?

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