Klickst du auf diesen Beitrag, wenn er beginnt mit den Worten: Es ist alles unter Kontrolle? Oder liest du den Beitrag, wenn er mit großen Buchstaben beginnt: ACHTUNG DIE TIGERMÜCKE. Der Bezirk Mitte zählt für die gesamte Stadt alle gemeldeten Exemplare dieser in Deutschland neu vorkommenden Mückenart. Das ist Grund ist zur Vorsicht, aber nicht zur Panik.

Auch wenn die Begriffe dramatisch klingen: Eine Mücke ist eine Mücke und kein Tiger. Der Name Tigermücke klingt gefährlich, doch Angst ist nicht angebracht. Wenn das Gesundheitsamt Mitte seit August alle Funde der seit einiger Zeit auch in Berlin beobachteten Asiatischen Tigermücke registriert, dann ist das eine erste Vorsichtsmaßnahme. Nicht mehr, wenn auch nicht weniger. Mitte hat das Monitoring nicht nur für den eigenen Bezirk übernommen, sondern für alle zwölf. Zudem ruft das Amt dazu auf, Mückenjäger zu werden. Wer eine Mücke fängt, kann diese über Nacht ins Tiefkühlfach legen und anschließend in eine Streichholzschachtel verpacken und an das Vektormonitoring, Turmstraße 21, Haus B in 10559 Berlin schicken. Das Gesundheitsamt selbst nutzt für das Fangen von Mücken spezielle Lebendfallen. Gesundheitsstadtrat Christoph Keller (Linke) hat im Sommer eine dieser Fallen präsentiert. Mit diesen Fallen will das Gesundheitsamt fortlaufend Daten sammeln und ein Monitoring beginnen.
Keine unmittelbare Gefahr trotz gruseliger Krankheitsnamen
Aktuell geht von der Tigermücke keine unmittelbare Gefahr aus. Zwar ist die Mücke für Viren ein komfortabler Transporter und kann so neben Hunden und Pferden auch Menschen anstecken. Doch stellt das Insekt selbst keine Viren her. Es sammelt sie zuvor bei anderen Menschen oder Tieren ein. Das heißt, solange bestimmte Krankheiten in Deutschland nicht verbreitet sind, ist es unwahrscheinlich, sich hierzulande mit einem Stich anzustecken.

Als Gefährt ist die Mücke vor allem für das West-Nil-Virus, das Gelbfiebervirus, das Dengue-Fieber und das Chikungunya-Fieber geeignet. Doch auch wenn diese Krankheitsnamen bedrohlich klingen, es gibt gute Nachrichten. So existiert gegen das Gelbfieber eine seit Jahrzehnten erprobte Impfung. Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus verläuft in der Regel symptomlos. Auch beim Dengue-Fieber kommt es in den allermeisten Fällen zu einem aushaltbaren Krankheitsverlauf. Auch das Fieber mit dem seltsamen Namen, das Chikungunyafieber, verläuft regelmäßig mit Lebendfolge (also nicht tödlich).
Aber in der Regel heißt eben auch, dass es Ausnahmen gibt. Das Risiko ist nicht Null. Deshalb soll die Ausbreitung der Tigermücke jetzt beobachtet werden. Gegenmaßnahmen können vor allem Kleingärtner ergreifen. Sie können alle Wasserlachen in Gießkannen, Blumentöpfen, Vogeltränken, Astlöcher vermeiden. Ein einfaches regelmäßiges Leeren von Gefäßen reicht nicht aus, denn die Eier kleben fest und können mühelos den Winter überstehen, um im Frühling zu schlüpfen.
In Deutschland ist die Tigermücke seit 2007 nachgewiesen. Berlin ist bislang der nördlichste Punkt, an dem sie gesichtet wurde. 2017 das erste Mal. 2022 wurde eine Überwinterung gemeldet. Eine Karte der Nationalen Expertenkommission Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern zeigt neben Berlin das Bundesland Baden-Württemberg als Verbreitungsgebiet.

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