Wie geht es Ihnen bei Regenwetter? Fluchen Sie über Nässe, Schlamm und Pfützen oder nehmen Sie sich Zeit, dem Nass von oben und seinem Weg in der Stadt nachzuspüren? Offiziell gilt Regen längst als wichtige Ressource und soll dort genutzt werden, wo er fällt: Berlin will Schwammstadt werden.


Ob ich Zähne putze oder dusche, den Spülknopf drücke oder den Stöpsel ziehe – selten mache ich mir Gedanken, welche Flüsse und Meere mein gebrauchtes Wasser aufnehmen, in welchem Klärwerk es vorher gereinigt wird und wie sein Weg dorthin verläuft. Ich denke bei starken Regengüssen nicht gleich an Spree oder Panke und wie sehr sie verunreinigt werden könnten.
Ab- und Regenwasser fließen im Brunnenviertel und in der gesamten Innenstadt aber durch ein und dieselben Rohre. Bei Starkregen kann das schlimme Folgen haben. Im Juli 2016 fielen pro Quadratmeter 46 Liter Regenwasser, und das in weniger als zwei Stunden. Die großen Überschwemmungen damals in unserem Nachbarbezirk Prenzlauer Berg führt man vor allem auf die vielen versiegelten Flächen zurück.
Ein Parkplatz für das Abwasser
Für das Gebiet zwischen Mauerpark und Prenzlauer Allee wurde deshalb ein Abwasserparkplatz geschaffen, der bis zu 7.400 Kubikmeter Wasser aufnehmen und dadurch Flüsse vor Verschmutzung schützen kann. brunnen-Autor Andrei Schnell erinnert sich noch, wie er Ende 2018 in den Tunnel hinabstieg und in der 654 Meter langen Betonröhre dem Echo seiner Schritte lauschte. Lila Licht ließ den Beton spektakulär erscheinen und verdrängte die Vorstellung, dass hier schon ein Jahr später Regenwasser vermischt mit Fäkalien fließen würde. Seit über zwei Jahren nun läuft der Kanal bis zu fünfzig Mal im Jahr mit Schmutz- und Regenwasser voll.
Zwar beugt dieses Zwischenparken Überflutungen wie damals im Gleimtunnel vor. Doch Regenwasser ist viel zu kostbar, um ungenutzt über die Kanalisation abgeleitet zu werden. Bei neuen Bauvorhaben wird einer Einleitung in die Mischwasserkanalisation deshalb auch nicht mehr zugestimmt.
OPZ-Neubau soll Regenwasser nutzen
Um einen natürlichen Wasserkreislauf zu begünstigen, muss Regen möglichst dort genutzt werden, wo er fällt. Wie also wird das künftig bei Neubauten berücksichtig, zum Beispiel dem geplanten Erweiterungsbau des Olaf-Palme-Zentrums? Für Jochen Uhländer, den Leiter des Nachbarschaftstreffs, hat Nachhaltigkeit oberste Priorität. Schon jetzt steht im Hof ein Container zum Speichern von Regenwasser. Er muss nur noch an die Regenrinne des Gebäudes angeschlossen werden. Für eine Regenwasserbewirtschaftung des Neubaus spielen wir bei unserem Gespräch verschiedene Möglichkeiten durch: Gespeichertes Regenwasser könnte für Bewässerung, Versickerung oder Gebäudekühlung genutzt werden, vielleicht sogar für die Toilettenspülung.

Auch eine Dachbegrünung wäre denkbar, am besten mit Solaranlage. Diese Kombination hatte ich vor Kurzem in Mitte gesehen, auf dem Dach einer Bekannten. Extensive Dachbegrünungen mit niedrigwüchsigen Pflanzen wie Sukkulenten und Moosen eignen sich bei solchen Vorhaben besonders. Der kühlende Effekt durch die Verdunstung käme auch einer Solaranlage zugute, denn bei Überhitzung würde sich sonst die Stromausbeute verringern. Bei meinem Dachrundumblick von Mitte aus entdeckte ich tatsächlich viele Solaranlagen in unserem Viertel, Gründächer konnte ich nicht sehen. Dabei würden gerade sie einen Unterschied für unser Kiezklima machen.


Grüne Dächer halten Wasser zurück
Uhländer weist nochmal auf unser größtes Klima-problem im Kiez hin, die Hitze im Sommer. Als er mit seiner Tätigkeit als Stadtteilkoordinator anfing, kam gerade das dreijährige Forschungsprojekt „Kiezklima“ zum Abschluss. Damals wurden gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt.
So entstanden nicht nur Schattenplätze, Sitzgelegenheiten und ein Trinkwasserbrunnen, sondern es wurden auch aktive Gärtnerinnen und Gärtner vernetzt und neue Mietergärten wie der Elstergarten geschaffen. Auch begrünte Fassaden und Müllplätze leisten einen Beitrag zum Mikroklima. Ein Gründach nimmt bis zu 50 Prozent des Regenwassers auf und hat durch Verdunstung einen besonders kühlenden Effekt auf das Kiezklima. Auf Bestandsgebäuden kann eine Erstbegrünung sogar förderfähig sein. Mittels Grün und Regenwasserrückhalt will das Land Berlin auf die Folgen des Klimawandels reagieren.
Sprechstunde in Sachen Regen
Vor diesem Hintergrund machen die Planungen für die Umgestaltung der Swinemünder Straße eher ratlos. Hier soll das Kopfsteinpflaster demnächst durch Bitumen ersetzt werden. Sobald jedoch Flächen versiegelt sind, fließt das kostbare Regenwasser wieder in die Kanalisation. Hoffentlich werden die Pläne den neuen Klimazielen angepasst.
Ob extra angelegte Mulden entlang der Straßen möglich wären, um Regenwasser versickern zu lassen? Natürlich ist für solche Vorhaben eine Begutachtung notwendig. Dafür stehen die Expertinnen und Experten der Regenwasseragentur zur Verfügung. Diese Initiative des Berliner Senats und der Berliner Wasserbetriebe berät Bauprojekte, Behörden und Architekten und bietet Weiterbildungen an.
Eine „Regensprechstunde“ könnte sich auch für uns Bürgerinnen und Bürger lohnen. Denn der Weg zur Schwammstadt ist zwar weit, doch er führt zunächst durch unsere Köpfe. Erst wenn wir unseren Umgang mit Regenwasser hinterfragen, können wir ihn ändern.

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Mehr Informationen zum Thema Schwammstadt und Regenwassernutzung gibt es online unter www.regenwasseragentur.berlin oder auf der Webseite www.kiezklima.de. Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

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