Koloniestraße 10: Mieter optimistisch

„Der Investor hat zwar eine Baugenehmigung, aber er kann nicht bauen“, sagen die Mieter der Koloniestraße 10. Sie verweisen darauf, dass die Remisen von 1860 im Kulturhof einem geplanten Neubau im Wege stehen. Obwohl das Bezirksamt eine Baugenehmigung für den Neubau erteilt hat, hat es gleichzeitig den Abriss der Remisen untersagt.

Grund für die Abrissuntersagung ist, dass die Remisen seit Jahrzehnten bewohnt sind und Wohnraum in einem Milieuschutzgebiet nicht abgerissen werden darf. Ein Blick auf den Lageplan des Kulturhofes zeigt, dass die Anordnung der Remisen denkbare Bauvorhaben verhindern. „Alles in allem hat sich das Blatt für den historischen Remisenhof in der Koloniestraße 10 zum Positiven gewendet“, sagen die Mieter deshalb.

Kulturhof Koloniestraße 10
Remisen im Kulturhof Koloniestraße 10 sind bewohnt. Foto: Andrei Schnell

Neben den Remisen sehen die Mieter auch das Grün des Kulturhofes geschützt. Artenschutzrechtliche Belange stünden dem Abriss der Gartenanlage und den begrünten Nebengebäuden wie Garagen, Ateliers und Werkstätten entgegen, sagen sie. Diese Sicht teilt die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN). Diese erklärt: „Das ornithologische Gutachten und die Pläne des Bauherren sind unvollständig, methodisch falsch und irreführend“. 44 Seiten stark ist die kritische Auseinandersetzung des BLN mit einem Gutachten, das der Investor bezahlt hat.

Ins Feld führen die Mieter auch, dass der Hinterhof von der Regenwasseragentur als gelungenes Beispiel für das Ziel Schwammstadt Berlin angeführt wird. 1993 wurden mit 90.000 DM aus dem damaligen Hofbegrünungsprogramm der ökologische Wert und die Regenwasserspeicherung des zuvor versiegelten Hofes erheblich gesteigert. Eine Bebauung des Hinterhofs Koloniestraße 10 würde dem offiziellen Ziel Berlins, die Stadt zu entsiegeln, zuwiderlaufen.

Der Kulturhof Koloniestraße 10 ist eine Mietergemeinschaft, die seit vielen Jahren vom Investor zum Auszug gedrängt wird. Im Dezember 2018 hatte der Investor versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen. In letzter Minute stoppte eine Mitarbeiterin des Stadtentwicklungsamtes die angerückten Bauarbeiter. Seitdem wehren sich die Mieter juristisch und politisch. Der Investor möchte mehrstöckige Häuser mit Kleinstwohnungen, in der Branche Mikroapartments genannt, errichten.

Kiezspaziergang zur Koloniestraße 10

Wer sich den Kulturhof Kolonie 10 gern einmal ansehen möchte, hat dazu am Donnerstag, den 5. September Gelegenheit. An diesem Tag startet ein Kiezspaziergang mit fünf Stationen mit den Stadträten Benjamin Fritz (CDU), Christopher Schriner (Grüne) und Ephraim Gothe (SPD) am Kulturhof. Los geht es um 15 Uhr in der Koloniestraße 10. Unter dem Motto „Lebendige Orte im Kiez erschaffen und erhalten“ geht es dann weiter zur Stadtteilvertretung BadPankstraße, zu den Uferhallen, zur Jugendverkehrsschule Gottschedstraße und zu Cocoon Creativ (Café & Bar) in der Exerzierstraße. Die Veranstaltung wird organisiert von Eileen Scheier, der Stadtteilkoordinatorin Wedding Zentrum. An allen Stationen gibt es die Möglichkeit, mit Kiez-Engagierten und Akteuren über ihre selbst erschaffenen, lebendigen Orte und deren Erhalt austauschen. Eileen Scheier: „Interessierte sind herzlich eingeladen, auf der zweistündigen Tour mit den Stadträten und der Stadtteilkoordination ins Gespräch zu kommen.“ Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

📍 Kiez:

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