Auch im Brunnenviertel leben Jüdinnen und Juden nach speziellen Speisegesetzen. Ihre Frage ist beim Einkauf und vor dem Essen: Ist das koscher? Aber was ist koscher überhaupt?

Die Grundlagen des Kaschrut (jüdische Speisegesetze) besagen, dass Fleisch und Milch – beziehungsweise milchige Speisen – weder zusammen gekocht noch verzehrt werden dürfen. Zudem muss das Fleisch selbst koscher sein. Koschere Tiere sind Wiederkäuer und haben gespaltene Hufe. Koschere Fische müssen Schuppen und Flossen haben. Die strikte Trennung zwischen Milch und Fleisch wirkt sich auch darauf aus, dass in einer jüdischen Küche für fleischige und milchige Speisen gesondertes Geschirr, Besteck und Töpfe, Tassen, Pfannen vorhanden sein müssen. Somit hat man zwei Sets von Kochutensilien.
Pflanzliche Lebensmittel sind koscher
Alle pflanzlichen, unverarbeiteten Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Haferflocken und Mehl sind grundsätzlich koscher und können von Juden in herkömmlichen Supermärkten erworben werden. Auch Eier und Fisch sind unproblematisch, Nüsse, Salz und Zucker ebenfalls. Milchprodukte, die unverarbeitet sind, dürfen nach einer weniger strengen Meinung auch gekauft werden. Dazu zählen weiße Joghurts, Sahne, Kefir und Milch. Brot und Brötchen werden im koscheren Laden erworben oder selbst gebacken.
Fertigprodukte wie Tiefkühlpizza sind grundsätzlich nicht koscher, weil es in Fabriken keine Unterteilung zwischen Fleisch und Milch gibt und das Produkt somit dem Kaschrut widerspricht. Fleisch, Wein und Käse und alle verarbeiteten Lebensmittel kann man daher nur im koscheren Geschäft erwerben. Es gibt mittlerweile vier solcher Läden in Berlin. In der Brunnestraße ist der nächstgelegene koschere Laden.
Koschere Restaurants in Berlin
Koschere Restaurants und Cafés gibt es in Berlin auch, diese sind auch in milchig und fleischig unterteilt. Insgesamt gibt es vier koschere Restaurants, wobei eines vegan ist – also weder milchig noch fleischig. Einen Kaffee oder Tee, beziehungsweise ein kühles Getränk darf man sich als koscher lebender Mensch auch im normalen Café bestellen.
Da es viele Einschränkungen gibt, was gekauft werden darf, und teilweise nur rohe Lebensmittel akzeptiert sind, wird vieles selbst hergestellt. Am Schabbat (Samstag), dem jüdischen Feiertag, wird traditionell die Challa gebacken. Das ist ein Hefezopf.

Rezept: Challa
- 1,5 Kilogramm Mehl
- eine halbe Tasse Öl, eine halbe Tasse Zucker
- Sesam, Mohn und Ei zum Verzieren
- Hefe, eine Tasse Wasser
Alle Zutaten werden vermischt und abgedeckt. Nach einer Stunde wird der Teig geknetet und die Zöpfe werden geflochten. Anschließend kann sie mit Ei bestreichen und mit Sesam oder Mohn bestreuen. Bei 200 Grad zirka 30 Minuten im Ofen fertig backen.
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Mehr Texte über das Zusammenleben in den vielfältigen Stadtteilen Wedding und Gesundbrunnen sind im Bereich Interkulturelles Leben gesammelt.
Der Text ist im vierten Quartal 2018 im Kiezmagazin „Mehr Platz!“ erschienen. Weitere Texte aus der Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Mehr Platz! gesammelt und verlinkt.

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