Bei seinem vierten Kunstspaziergang nimmt Alexander Dowe Wasserspiele im Brunnenviertel unter die Lupe. Er stellt fest: nicht alle sind in Betrieb.


Wasserspiele passen zum Kieznamen
Bekanntlich trägt das Brunnenviertel seinen Namen erst seit dem Jahr 2000, nachdem sich Mieter des größten Vermieters bei einer Umfage für diese Bezeichnung ausgesprochen hatte. Dies geschah aber gewiss nicht wegen der vielen Brunnen vor Ort, sondern weil mitten durch den Kiez die (nördliche) Brunnenstraße führt. Und diese wiederum war der direkte Weg von der Stadtmitte zum ehemaligen Luisenbad, beziehungsweise zum Gesundbrunnen an der Badstraße. Dennoch existieren im heutigen Brunnenviertel einige Wasserkunstwerke, die hier vorgestellt werden sollen.
Beginnen wir mit Brunno (Brunnenstraße 64), der ursprünglich unter dem Namen Drei-Säulen-Brunnen 1981 von dem Berliner Bildhauer Paul Brandenburg (geb. 1930) gestaltet wurde. Das eigenwillige Werk umfasst zwei achteckige Becken, aus denen Kupferdüsen Wasser gegen drei verzierte Marmorsäulen sprühen – vorausgesetzt, die Anlage ist in Betrieb. Mit seinem nüchternen und kubistischen Beton-Design ist Brunno, der erst 2013 durch eine Bürgerbefragung seinen neuen Namen erhielt, ein typisches Kind der Siebziger- und Achtzigerjahre.



Wasserspiele – Kunstwerke im Kiez
Brunnos Gemahlin Brunnella (Name ebenfalls seit 2013) befindet sich etwa 150 Meter weiter nördlich. Sie besteht aus einem Marmorpodest, gekrönt von einem rechteckigen Metalldach, auf dem ein schwer identifizierbares Gebilde liegt, einer Mumie nicht unähnlich. Aus der Traufe des Dachs fließt nach allen Seiten reichlich Wasser herab, das auf diese Weise eine flüssig-transparente Wand rings um den Sockel bildet.
Das zur Zeit seiner Errichtung vermutlich namenlose Wasserspiel stammt von dem Künstler Paul Pfarr (1938–2020). Bereits 1966/67 soll Pfarr die heutige Brunnella entworfen haben, realisiert wurde das Projekt jedoch erst 1982. Über ein weiteres Kunstwerk des Künstlers, eine Kunst-Bau-Installation in der Brunnenstraße, wurde in der ersten Ausgabe des brunnen in diesem Jahr berichtet (Ein rätselhaftes Gebilde).
Wasserlauf im Humboldthain
Im Ostteil des Humboldthains finden wir auf einer Anhöhe ein nur selten sprudelndes Wasserspiel von unbekannter Hand, wahrscheinlich aus den Fünfzigerjahren stammend. Aus Kleinpflastersteinen wurde ein kompakter runder Hügel von etwa 40 Zentimeter Höhe und zwei Meter Durchmesser geformt. In der Mitte strömt aus einer Düse Wasser nach allen Seiten über den Hügel hinab und wird von einer flachen Rinne aufgenommen und abgeleitet. Leider ist dieses Schauspiel nur zu sehen, wenn das Bezirksamt an heißen Tagen zur Freude der Kinder das Wasser anstellt.
Schmuckbrunnen wurde saniert
In Richtung Nordwesten geht es nun zum Biberbrunnen im Rosengarten, vermutlich das älteste noch existierende Wasserspiel im Kiez. Ein aus Kalkstein gearbeiteter Biber, etwa 80 Zentimeter hoch, steht auf rechteckigem Sockel aus ebensolchem Material. Vom Sockel unter den Vorderpfoten des Tiers strömt Wasser in ein spiralförmiges, mit Mosaiksteinen verziertes Becken. Die Anlage wurde von dem aus Breslau stammenden Bildhauer Max Rose (1906–1993) geschaffen. Nach der Fertigstellung im Jahr 1965 soll sie zunächst im Volkspark Rehberge aufgestellt worden sein. Dort wurde sie jedoch mehrfach beschädigt, sodass das damalige Bezirksamt Wedding den Schmuckbrunnen restaurieren und 1980 an den heutigen Standort versetzen ließ.


Robbenbrunnen an der Ramlerstraße
Nachdem wir die Brunnenstraße ostwärts überquert haben, gelangen wir zum Robbenbrunnen (inoffizielle Bezeichnung!) an der Ramlerstraße. Die schöne Tierplastik aus Bronze zeigt eine auf einer natursteinernen Kugel sitzende Robbe, die einen Ball auf der Schnauze jongliert. Vermutlich ist die Figur mit Fertigstellung der Heinrich-Seidel-Grundschule Anfang der Achtzigerjahre dort aufgestellt worden. Ob sie jedoch jemals als Brunnen gedient hat, ist fraglich; auch wer das Kunstwerk gestaltete, ließ sich bisher nicht ermitteln.

Schwellenbrunnen am Vinetaplatz
Nun gehen wir die Swinemünder Straße in südlicher Richtung hinunter zum Vinetaplatz, wo sich eingangs der Schwellenbrunnen befindet. Drei versetzt angeordnete Becken sind durch schmale Gehwegbereiche voneinander getrennt; das Wasser strömt (gegebenenfalls) kaskadenartig vorbei an grob behauenen Granitschwellen und bildet zwei – inzwischen leider verschmutzte – kleine Teiche. Die Anlage ist ein Werk des Garten- und Landschaftsarchitekten Hans-Peter Flechner, der den Brunnen im Zuge der Neugestaltung des Vinetaplatzes Anfang der Achtzigerjahre gestaltete.
Vom selben Architekten stammt auch der schräg gegenüberliegende Nilpferdbrunnen. An einem viereckigen verklinkerten Becken ist seitlich der etwa 50 Zentimeter hohe aus Sandstein gearbeitete Kopf eines Flusspferdes angebracht, aus dem ein schmales Rinnsal in das Becken rieselt. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, doch leider macht diese Anlage (wie auch der Schwellenbrunnen) mittlerweile einen ziemlich ungepflegten Eindruck.
Zum Schluss ein Wasserspender
Zum Abschluss gönnen wir uns einen Schluck Wasser am Trinkbrunnen am Vinetaplatz. Der 2017 installierte Wasserspender geht auf eine Zusammenarbeit der Berliner Wasserbetriebe mit den Organisatoren des Massenlaufs Brunnen Run zurück: Läufer sorgten mit ihren während eines Jahres zurückgelegten Kilometern symbolisch für die Bezahlung der Brunnenaktion.
Fazit: ein erbaulicher wie lehrreicher Spaziergang durch den Kiez, wenn auch (mitten im Sommer!) nur drei der vorgestellten seinen Anlagen in Betrieb waren. Warum nicht mehr?
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Im Brunnenmagazin sind weitere Kunstspaziergänge von Alexander Dowe erschienen.
Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Mit der Kamera durch den Kiez“ enthalten, das im September 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit der Kamera durch den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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