Jeder Mensch hat ein Recht darauf, ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. So steht es in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die seit 2009 auch in Deutschland gilt. Inklusion heißt: Teilhabe für alle, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Geschlechtsidentität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Mit Blick darauf hat sich Susanne Bürger im Wedding und in Gesundbrunnen einige inklusive Sportangebote angesehen.

Sport – zwischen Leistung, Freizeit und Gesundheitsangeboten
Wer „Sport“ sagt, denkt an Wettkampf und Leistung. Fitte und gut trainierte Menschen wetteifern um Siege und Titel. Im Freizeitsport wird ohne Druck und mit mehr Spaß trainiert. Dazu kommen die vielen Bewegungsangebote für Alt und Jung, die die Gesundheit und Fitness erhalten sollen. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein, der Sport machen möchte?
Die Realität ist: Menschen mit Behinderungen bleiben bei den Sportangeboten zu häufig außen vor. Es geht um den Zugang – zum Gebäude wie auch zu Angeboten – speziell für körperliche Gegebenheiten.
Zehn Prozent der Berliner haben eine Behinderung, von diesen sind nur zwei Prozent im Sportverein aktiv – so der Behinderten- und Rehabilitationssportverband. Zusammen mit dem Pankower Sportverein Pfeffersport hat er das offene Netzwerk Sport & Inklusion gegründet, das sich für mehr inklusiven Sport in Berlin einsetzt.
Pfeffersport: Vorreiter in der Inklusion
Dem Mehrspartenverein Pfeffersport war es seit Gründung vor 35 Jahren wichtig, dass Menschen mit Behinderungen am Sportprogramm teilhaben können. Ein Modellbeispiel sind seine Kindersport-Angebote „Bewegung Integrale: Sie orientieren sich am erfolgreichen Spielerlebnis von allen Beteiligten und eben nicht mehr am Konzept „höher, schneller, weiter“. Das wird gut angenommen, die Wartelisten sind lang. Heute ist der Verein 5.300 Mitglieder groß und identifiziert sich mit Inklusion, Teilhabe, Vielfalt und Diversity – so das Leitbild.
Von seinem Wissen dürfen gern auch andere Vereine profitieren. Mit der „Mission Inklusion“ berät Pfeffersport andere Vereine, führt Workshops oder Sensibilisierungsmaßnahmen durch. Das später im Text vorgestellte „Inklusive Handball“ wurde von Pfeffersport inspiriert!
Parasport als eigenständiger Bereich
Exklusiv für Behinderte gibt es den Parasport. Bei den Paralympics – den Olympischen Spielen für den Behindertensport – kann man die Vielfalt des sportlichen Wettkampfs durchaus wahrnehmen. Diesen wettkampforientierten Behindertensport gibt es bei uns im Wedding: Zum Beispiel bei Hertha BSC mit ihrer Blindenfußball-Mannschaft in der Bundesliga. (Es gibt auch eine Jugendgruppe!) Trainingsort ist der Blindenfußballplatz am Nordufer.
Neben dem exklusiven Sport für Menschen mit Behinderungen und für Menschen ohne Behinderungen gibt es noch den inklusiven Sport. Die Inklusion wirklich aller Menschen mag eine Utopie sein. Die Beispiele der inklusiven Sportvereine zeigen aber, was diese Haltung für einen Unterschied in der Willkommenskultur machen kann. Davon profitieren alle gleichermaßen.
BSV Wedding-Reinickendorf – mit Tradition und Inklusionsfokus
Gegründet wurde der BSV Wedding-Reinickendorf im Jahr 1954. Seine Ursprünge hat er im Versehrten- und Behindertensport. Heute hat er sich zu einem Sportverein für die ganze Familie entwickelt und lebt Inklusion. Vereinsvorsitzende Elke Meiritz berät bei Anfragen gern individuell, welche Sportgruppe zur interessierten Person und ihren Wünschen passen könnte.
Der Verein hat eine breite Palette an Möglichkeiten: Leichtathletik, Indiaca (ein brasilianischer Wurfsport), Rückenschule, Pilates, Schwimmen (alles in Reinickendorf) sowie Kindertanzen, Tabata – also Intensiv-Cardio – im Wasser, Schwimmen, Gymnastik und Tischtennis im Wedding. Darüber hinaus führt der Verein lizenzierten Rehasport durch (im Wedding: Wassergymnastik).

Gemeinsames Training für alle
In allen Gruppen trainieren Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Angeleitet werden sie von einem Trainer-Tandem. Das sorgt dafür, dass alle Sportler im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbezogen sind. Mit viel Spaß am Sport kann so eine familiäre und vertrauensvolle Atmosphäre entstehen.
Tatsächlich hat es der Verein geschafft, dass Personen mit den unterschiedlichsten Behinderungen und Schweregraden am Sport teilhaben können. Dabei ist wichtig zu wissen, dass vor allem bei Minderjährigen immer eine Person zur Begleitung mit dabei ist, die sich auch mit der individuellen Situation des behinderten Sportlers auskennt. Dies kann ein Familienmitglied, eine Assistenz oder ein Einzelfallhelfender sein. Denn Eins-zu-eins-Betreuung könnte der Sportverein gar nicht leisten. Die Begleitperson ist Teil der Sportgruppe.
Stimmen aus dem Verein
Das gute gemeinsame Miteinander beim Sport ist auch für Menschen ohne Behinderungen ein Gewinn. „Ich war zuerst skeptisch, ob das funktionieren kann. Dann habe ich festgestellt: Das klappt richtig gut! Mir macht es viel Spaß im Verein und ich fühle mich einfach wohl hier.“ Das erklärte ein Mitglied des Vereins der KiezSportLotsin auf dem Sportfest zum 70-jährigen Jubiläum des Vereins im November 2024.
Berliner Turnsport-Verein 1911: Inklusiver Handball
Das Gründungsjahr im Namen deutet die Herkunft des Vereins aus der Turnbewegung an. Neben Turnen gab es auch Fußball und Hockey. Heute versteht sich „Turnsport 1911“ als familiärer Breitensport-Verein. Seine Sportarten sind Ultimate Frisbee, Roundnet und Handball. Auf dem Vereinswappen ist ein roter Adler zu sehen. „Red Eagles Berlin“ ist deshalb die alternative Bezeichnung von „Tus1911“.

Start eines neuen Angebots
Im September 2025 wurde „Inklusiver Handball“ ins Vereinsprogramm mit aufgenommen. „Es war mein lang gehegter Wunsch, mehr Menschen mit Beeinträchtigungen den Spaß am Handballspielen zu ermöglichen“, so Dietmar Joost, Inklusionsbeauftragter im Verein. Egal welche Behinderungsarten vorliegen, alle ab 16 Jahren sind willkommen sowie Neueinsteiger oder auch Wiedereinsteiger – nach einer Anmeldung bei Dietmar.
Gemeinsam Sport treiben können auch Freunde oder Angehörige der Sportler mit Behinderungen. Trainiert wird in der Sporthalle Koloniestraße, nahe dem U-Bahnhof Osloer Straße. „Wir wollen möglichst vielen Menschen mit ihren individuellen Fähigkeiten die Gelegenheit geben, sich sportlich zu betätigen und beim Handball aktiv zu sein“, bekräftigt Abteilungsleiterin Nadin Zimmermann. Sie steht beim Handball hinter dem Projekt, das von „Aktion Mensch“ unterstützt wird.
Der BSV Wedding-Reinickendorf führt inklusiven Sport mit langjähriger Erfahrung und viel Herzblut durch. „Tus1911“ steht noch ganz am Anfang, sein neues Angebot „Inklusiver Handball“ bekannter zu machen. Wenn Sie nach weiteren inklusiven Sportangeboten suchen, fragen Sie gern bei KiezSportLotsin Susanne Bürger nach!
Weiterlesen: Inklusive Sportangebote im Wedding
- Blindenfußball Hertha. Infos auf der Webseite von Hertha (Link). Kontakt per E-Mail: blindenfussball@herthabsc.de
- BSV Wedding-Reinickendorf. Infos auf der Webseite des Vereins (Link). Kontakt: Elke Meiritz, Telefon: (0177) 8 38 83 28, E-Mail: e.meiritz@bsvwr.de
- TUS1911. Infos auf der Webseite des Vereins TUS1911 (Link). Kontakt: Dietmar Joost, Telefon (0175) 7 42 42 97, E-Mail: inklusion@tus1911.de
- Pfeffersport. Infos auf der Webseite von Pfeffersport (Link), Kontakt: Elisabeth Franke, E-Mail: inklusionsfrage@pfeffersport.de
Kontakt zur KiezSportLotsin
KiezSportLotsin Susanne Bürger veröffentlicht Informationen auf ihrer Webseite kiezsportlotsin.de, über ihren Newsletter und auf Instagram (@kiesportlotsin). Per E-Mail ist sie unter buerger@bwgt.org erreichbar, telefonisch unter (01573) 3 28 13 28. Weitere Beiträge der KiezSportLotsin über Sport im Stadtteil gibt es auch hier im Brunnenmagazin (–> Beiträge der KiezSportLotsin).
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