Ein Wellblechzaun im Brunnenviertel

Liebe Leserin, lieber Leser, die Chinesische Mauer hat eine Höhe von bis zu neun Metern. Sie sollte vor plündernden Nomadenstämmen aus dem Osten schützen. Die Berliner Mauer war 3,60 Meter hoch und sollte ebenfalls Menschen aus dem Osten am Rübermachen hindern. Mit Todesstreifen und Wachtürmen. Indien hat zu seinem östlichen Nachbarn Bangladesch einen niedrigen Stacheldraht-Zaun errichtet, nur zwei Meter hoch. Der lässt sich unter Strom setzen. Gegen illegale Einwanderer und Drogenhändler. Nun hat das Brunnenviertel einen Wellblechzaun.

Die Wellblechwand ist ziemlich hoch. Hier wird nachgemessen, wie hoch sie genau ist. Foto: Jochen Uhländer
Die Wellblechwand ist ziemlich hoch. Hier wird nachgemessen, wie hoch sie genau ist. Foto: Jochen Uhländer

3,18 Meter – so hoch ist die Wellblechwand um den ehemaligen Standort des Diesterweg-Gymnasiums. Ganz ohne Strom, Wachtürme und Todesstreifen. Geradezu menschlich. Sie soll Drogendealer und „unerwünschte Personen“ fernhalten von zwei Tischtennisplatten, Bänken und Bäumen. Und einem
öffentlichen Gebäude, das seit über einem Jahrzehnt vor sich hinrottet. Die Wellblechwand kann man anmalen und Sprayer können sich austoben – versuch das mal bei den anderen Mauern und Zäunen! Müllsäcke drüber werfen geht mit ordentlich Schwung. Flaschen und Böller ist easy, knallt auch schön. Fürs Parcouring wird es zur Herausforderung, aber hey, wenn sich erst mal dahinter genug Müll und Laub gesammelt hat, fällt man weich.

Bei Sonnenschein wird sich das Blech ordentlich aufheizen – Vertikalgrillen soll die gesündeste Art des Grillens sein. Anwohner berichten, dass das (noch nicht besprayte) Blech sogar im Dunkeln das Licht stark reflektiert und es somit viel heller wird. Ist Licht nicht ein wichtiger Faktor gegen das Gefühl von Unsicherheit im öffentlichen Raum?

Liebe Leute, wozu also die Aufregung? Weil niemand vorher gefragt worden ist? Weil es vielleicht bessere Lösungen gibt? „Der Staat muss fördern und darf nicht einschränken. In diesem Sinne muss er Gärtner sein und nicht Zaun. Wir sollten den Menschen zutrauen, dass sie sich engagieren und Verantwortung übernehmen wollen.“ Sagte Angela Merkel 2010 der Süddeutschen Zeitung. Ich traue Ihnen das zu, liebe Leserin und lieber Leser! Das Gärtnern haben schon viele von Ihnen am Diesterbeet übernommen.

Wenn Sie den Zaun weghaben und sich zudem engagieren und Verantwortung für Ihre Nachbarschaft übernehmen wollen, dann melden Sie sich bei mir!

Ihr Stadtteilkoordinator
Jochen Uhländer
E-Mail: stk-brunnenstraße-nord@berlin.de

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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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