Zwischenwelten im Wedding: Neue Stimmen für den Kiez

In den Straßen des Wedding, in Neukölln, Kreuzberg oder Moabit zeigt sich täglich, wie mehrsprachig und international Berlin geworden ist. Doch in den Medien bleiben diese Lebensrealitäten oft unsichtbar oder werden auf Krisenberichterstattung reduziert. Das vor allem von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt geförderte Projekt Zwischenwelten will das ändern – und setzt dabei auf einen Perspektivwechsel.

Redaktionssitzung der Bürgerrredaktion. Im Vordergrund ist Süleyman Bağ zu sehen. Foto: Süleyman Bağ
Redaktionssitzung der Bürgerrredaktion. Im Vordergrund ist Süleyman Bağ zu sehen. Foto: Süleyman Bağ

„Es geht nicht darum, über Menschen zu berichten, sondern mit ihnen“, sagt Projektleiter Süleyman Bağ vom migrantischen Verein Kubik e.V., der Träger des Projekts ist. „Wir öffnen journalistische Räume, in denen migrantische und postmigrantische Stimmen selbst erzählen, einordnen und mitgestalten – professionell und auf Augenhöhe.“

Bürgerredakteure statt Stellvertreter-Journalismus

Zwischenwelten ist mehr als ein Integrationsprojekt. Es qualifiziert Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu Bürgerredakteur:innen, begleitet sie redaktionell und bindet sie in journalistische Produktionsprozesse ein. Sie recherchieren im Kiez, führen Interviews und berichten über Themen, die sie selbst betreffen. Ergänzt wird dies durch Diskursformate zu Medienethik und fairer Repräsentation.

Ein zentraler Bestandteil des Projektes ist das Brunnenmagazin, ein lokales Stadtteilmagazin mit starker Verwurzelung im Wedding. Dessen Chefredakteurin Dominique Hensel sieht in dem Projekt eine wichtige Erweiterung der lokalen Berichterstattung: „Lokaler Journalismus lebt davon, dass unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ernst genommen werden“, sagt Hensel. „Das Projekt Zwischenwelten ermöglicht Beiträge, die nah an den Lebensrealitäten im Kiez sind und gleichzeitig journalistischen Standards entsprechen.“

Kurze Vorstellung des Zwischenwelten-Projekts. Video: Kubik e.V./Kerstin Nickig

Neue Geschichten aus einer vielfältigen Stadt

Medienanalysen zeigen seit Jahren: Migrantische Perspektiven sind im deutschen Journalismus unterrepräsentiert. Wenn sie vorkommen, dann oft im Kontext von Konflikten. Zwischenwelten setzt dem ein anderes Modell entgegen – Journalismus nicht als Einbahnstraße, sondern als Gespräch auf Augenhöhe. „Die postmigrantische Stadtgesellschaft braucht Narrative, die von innen heraus entwickelt werden“, so Bağ. „Vielfalt ist keine Herausforderung für den Journalismus – sie ist eine seiner wichtigsten Ressourcen.“

Gegen Polarisierung, für Zugehörigkeit

Gerade in Zeiten, in denen Debatten härter werden, setzt das Projekt auf guten Journalismus und langfristige Zusammenarbeit. Getragen wird es von einem breiten Bündnis aus Medien-, Kultur- und Zivilgesellschaftsakteuren in mehreren Berliner Bezirken, vor allem aber im Wedding und in Gesundbrunnen. „Wenn Menschen sich in Medien wiederfinden, entsteht Zugehörigkeit – und damit Verantwortung für das Gemeinsame“, sagt Hensel. Genau darin liege die gesellschaftliche Bedeutung solcher Projekte.

Das Projekt Zwischenwelten versteht Journalismus damit nicht nur als Berichterstattung, sondern als aktiven Bestandteil einer pluralen Stadtgesellschaft – mitten aus den Zwischenräumen Berlins.

Auftaktveranstaltung mit Fastenbrechen

Die Auftaktveranstaltung von Zwischenwelten findet am 24. Februar 2026 statt. Veranstaltungsort ist der Eventus Bildung Campus in Reinickendorf (Dianastraße 42/43). Beginn ist um 16.45 Uhr. Im Anschluss gibt es ein gemeinsames Fastenbrechen. Interessierte können vor Ort mit Projektbeteiligten ins Gespräch kommen und erfahren, wie sie selbst Teil der Bürgerredaktion werden können.

Ein migrantischer Akzent am Redaktionstisch: Ein Mitbringsel bei der Sitzung der Bürgerredaktion - für "süße Gespräche". Foto: Schnell
Ein migrantischer Akzent am Redaktionstisch: Ein Mitbringsel bei der Sitzung der Bürgerredaktion – für „süße Gespräche“. Foto: Schnell

Das Brunnenmagazin: lokale Berichterstattung aus dem Kiez

Das Projekt Zwischenwelten wird durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin gefördert und von der degewo AG kofinanziert.

Das digitale Brunnenmagazin und das gedruckte Kiezmagazin „brunnen“ sind Publikationen der Bürgerredaktion im Brunnenviertel. Die ehrenamtliche Redaktion wurde 2015 gegründet und wird von einer professionellen Journalistin betreut und geleitet. Das Team besteht aktuell aus 20 Personen. Das Brunnenmagazin berichtet täglich aus dem Wedding und aus Gesundbrunnen, das gedruckte Kiezmagazin erscheint derzeit viermal im Jahr und wird im Brunnenviertel verteilt. Jede und jeder Interessierte kann Teil der ehrenamtlichen Redaktion werden und Texte zu Themen aus Wedding und Gesundbrunnen schreiben. Kontakt: redaktion@brunnenmagazin.de

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Dieser Beitrag ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Mit einem Knall“ enthalten, das am 26. März 2026 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit einem Knall“ gesammelt und verlinkt.

Beiträge, die im Rahmen des Projekts Zwischenwelten entstehen, werden im Bereich Interkulturelles Leben gesammelt.

Dieser Text wurde von zwei Menschen geschrieben: Süleyman Bağ und Dominique Hensel.

Kommentare

  1. Avatar von Dominique Hensel

    Ein kleine Nachtrag, weil es hier schon öfter gefragt wurde: Mit diesem neuen Projekt sind das Brunnenmagazin und das gedruckte Kiezmagazin im Brunnenviertel weiterhin gesichert. Die Förderung läuft zunächst für zwei Jahre bis Ende 2027.

  2. Avatar von Rolf

    Ich würde ja gerne bei „Zwischenwelten“ mitmachen. Aber ich weiß nicht, ob ein Migrationshintergrund aus dem Rheinland dafür ausreicht (obwohl man sich in Berlin gerade an Karneval wie ein Alien vorkommt.) ;-)

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Lieber Rolf, ich verstehe Vielfalt sehr breit. Ich selbst habe ja einen ostdeutschen „Migrationshintergrund“ und ich finde, der zählt auch. ;) Du bist also herzlich eingeladen.

  3. Avatar von Kerem Derin
    Kerem Derin

    ​“Wenn ich sehe, wie so unterschiedliche Menschen zusammenkommen und großartige Dinge erschaffen, finde ich, dass man einfach mitmachen muss. Ich bin zwar noch ein ziemlicher Neuling in diesem Gebiet, aber ich bin trotzdem dabei!“
    Ich habe ganze Menge noch zu lernen.

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