Groß und gelb steht die Zahl 40 auf der lilafarbenen Geburtstagstorte. Die Kuchenstücke, die Bernd Schimmler seinen Gästen auf die Teller legte, waren üppig und mit feiner Zitronennote. Zwei Dutzend Teller wurden am Sonntag (8.9.) im Mitte Museum in der Pankstraße verteilt, zwei Dutzend Sektgläser serviert. Pling-pling machten die Gläser beim Toast auf den Geburtstag des Weddinger Heimatvereins.

Der Weddiner Heimatverein ist ein besonderer Verein im Stadtteil. Er startete am 8. Juni 1984 mit einem einfachen wie ambitionierten Vereinsziel, das der heutige Vereinsvorsitzende Bernd Schimmler, Stadtrat außer Dienst, beim Jubiläumsempfang im Mitte Museum so beschrieb: „Wir wollten, dass das Weddinger Heimatarchiv in ein Museum überführt wird. Im bisherigen Heimatarchiv in der Triftstraße war es eng, es war einfach voll und die Räume standen immer wieder zu Disposition“.
Die elf Gründungsmitglieder waren Weddinger Kommunalpolitikerinnen und -politikern, darunter Bernd Schimmler, die damalige Bezirksbürgermeisterin Erika Heß, der Amtsarzt Dr. Walter Grimm sowie die Politiker Werner John und Horst Löwe. Der Verein wurde von ganz unterschiedlichen Parteien getragen; die breite Allianz sicherte den Erfolg. Schon fünf Jahre später war das Vereinsziel erreicht, die Arbeit getan. Am 9. September 1989 öffneten sich die Türen im ältesten noch erhaltenen Schulgebäude des Wedding, in der Pankstraße 47. Heute heißt der Ort Mitte Museum.

Weddinger Heimatverein gibt Panke Postille heraus
Doch nach dem Erreichen seines Ziels dachte der damals noch recht junge Verein mit seinen fast 100 Mitgliedern nicht an Auflösung. „Wir haben unseren Teil getan. Danach haben wir uns auf Führungen und Ausflüge konzentriert“, erzählte Bernd Schimmler. Nicht zu vergessen ist dabei die Vereinszeitschrift Panke Postille, die seit den Gründungstagen mindestens zweimal im Jahr erscheint. Darin versammelt: stets interessante und gut recherchierte Texte zur Geschichte des Stadtteils. Bei der Jubiläumsveranstaltung konnten sich die Besucher:innen die inzwischen 77. Ausgabe der Panke Postille mitnehmen.
Ans Aufhören denkt Bernd Schimmler längst nicht: „Ich habe noch etwas vor. Ich habe alle Stolpersteine und Gedenkorte aufgelistet und möchte ein Gedenkbüchlein herausgeben. Wir wollen als Heimatverein weitermachen und versuchen, etwas für den alten Wedding zu tun.“ Für seine Ziele hat der Vorsitzende aktuell 67 Mitglieder an seiner Seite.


Eine starke Stimme der Erinnerung
Die Ankündigung hat auch den aktuellen Leiter des Mitte Museums sicherlich gefreut. Nathan Friedenberg sagte beim Empfang: „Das Museum hat ihnen viel zu verdanken. Wir haben immer gut zusammengearbeitet und ich hoffe, das geht nicht ein bisschen weiter!“ Auch im Bezirksamt weiß man um die Verdienste von Bernd Schimmler und dem Heimatverein Wedding. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger war zwar nicht persönlich beim Empfang im Mitte Museum, hat aber eine Grußbotschaft hinterlassen, die Nathan Friedenberg vortrug. Darin schreibt die Bezirksbürgermeisterin von einer „großen Vision“ einer kleinen Gruppe von Menschen. „Der Weddinger Heimatverein hat das Bezirksmuseum auf den Weg gebracht und war stets eine starke Stimme, um Erinnerung im Stadtteil wach zu halten“, heißt es in dem Grußwort. Stefane Remlinger ließ ihren Dank übermitteln „für vier Jahrzehnte voller Engagement“ für Erinnerungsarbeit.

Mit dem kürzlichen Umbau des Mitte Museums inklusive Fahrstuhl und der Neukonzeption der Dauerausstellung ist der Vorsitzende des Heimatvereins sehr zufrieden, wie er beim Empfang anmerkte: „Nach dem Umbau ist das eines der modernsten Heimatmuseen und es hüpft mein Herz, wenn ich die neue Ausstellung sehe, wie sie aufgebaut und präsentiert ist“. Die am Empfang Teilnehmenden hatten im Anschluss an Reden, Gratulationen, lila Torte und Sekt Gelegenheit, das Museum zu besichtigen und auch die Ausstellung „40 Jahre Weddinger Heimatverein e.V.“ anzuschauen. Sie ist für alle Interessierten noch bis zum 22. September im Mitte Museum zu sehen, auch die Panke Postille liegt dort aus.
Öffnungszeiten des Mitte Museums: Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr

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