Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Anerkennung, die hierzulande für ehrenamtliche Tätigkeit verliehen werden kann. Im zurückliegenden Vierteljahrhundert sind 39 Menschen, die im Wedding wohnen oder mit ihm verbunden sind, geehrt worden. Viele Namen auf der Liste sind aufmerksamen Zeitungslesern gut bekannt. Weil der Bundespräsident in der vergangenen Woche neue Bundesverdienstkreuze vergeben hat, erinnern wir an die Ausgezeichneten seit dem Jahr 2000 aus dem Wedding und aus Gesundbrunnen.
Die höchste Auszeichnung
Das Bundesverdienstkreuz wird in acht Stufen verliehen, wobei die obersten zwei Stufen (Sonderstufe Großkreuz für ausländische Staatshäupter und Großkreuz) im Grunde nicht in Reichweite liegen. Die drei Stufen des Großen Verdienstkreuzes wurden bislang nicht an Personen mit Bezug zum Wedding verliehen. Die höchste verliehene Auszeichnung ist das Verdienstkreuz 1. Klasse. Damit wurde am 2. Oktober 2019 die Dichterin Elke Erb geehrt. Die Lyrikerin arbeitete bis weit über die Wende hinaus in Ostberlin. Doch seit 2006 lebte sie in einer Wohngemeinschaft im Wedding. Sie starb im Januar 2024.
Die jüngste Auszeichnung
Zuletzt hat Emine Sevgi Özdamar das Bundesverdienstkreuz erhalten. Ihr Bezug zum Wedding ist das Buch „Seltsame Sterne starren zur Erde. Wedding – Pankow 1976/77.“ In den 1970er Jahren wohnte sie im Wedding und arbeitete an der Ostberliner Volksbühne.

Das Jahr der Auszeichnungen
Das Jahr 2006 brachte die meisten Verdienstorden für den Wedding. Norbert Enke war ehrenamtlich in verschiedenen Verbänden für Gehörlose tätig. Klaus Erforth gründete das Inklusionstheater RambaZamba. Dem Fußball, der auch zeitstehlende Verbandsarbeit bedeutet, widmete Helmut Salisch sein Leben. Das Wirken von Dieter Hans Scholz ist noch zu recherchieren.
Die Quotenregelung
Längst gibt es auch beim Verdienstkreuz eine Quotenregelung. Aktuell liegt sie bei 40 Prozent. Das heißt, auf den Vorschlagslisten der Länder für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes muss eine Mindestanzahl an Frauen genannt sein.
Die Liste der Preisträger mit Bezug zum Wedding hat ein Verhältnis von Männern und Frauen von 23 zu 16. In Prozentzahlen ausgedrückt ist das ein Verhältnis von 51 zu 41.
Namen, die auf Menschen mit Migrationsgeschichte hinweisen, nehmen erst in den letzten zehn Jahren zu.
Ehrung für die gute Sache
Eigentlich ist das Bundesverdienstkreuz ein Widerspruch in sich. Denn es ehrt jemanden, der eigentlich etwas ohne Gegenleistung tun will. Zumindest wäre eine Tätigkeit ohne Vergütung die Definition von Ehrenamt. Tatsächlich hat die Schauspielerin Inge Meysel 1981 mit dieser Begründung das Bundesverdienstkreuz abgelehnt: Es sei keinen Orden wert, dass jemand „sein Leben anständig gelebt hat“. Doch der Orden lenkt den Blick der Öffentlichkeit nicht nur auf Personen, sondern auch auf Ziel und Zweck ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Ein Argument, das für nicht wenige der Ausgezeichneten zählt.

Übrigens: Verliehen wird das Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten, doch überreicht wird es oft von anderen. Beispielsweise vom Regierenden Bürgermeister, einem Senator oder auch vom Bezirksbürgermeister. Deshalb liegt zwischen dem Datum der Verleihung und dem Datum der Übergabe eine gewisse Zeitspanne.
Die Träger des Bundesverdienstkreuzes aus dem Wedding
Ab 2025
Im Jahr 2025 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Emine Sevgi Özdamar, Jahr 2025, Dichterin.
- Yousef Ayoub, Jahr 2025, Erfinder des KbNA – einem Verein, der Fußballspiele zwischen der Polizei und Jugendlichen im sogenannten Problemkiez Soldiner Kiez organisiert. (Beitrag: Yousef Ayoub: Verdienstkreuz fürs Miteinander)
- Dietmar Arnold, Jahr 2025, Gründer des Unterwelten e.V. – einem Verein, der Bauwerke unter der Erde schützt und zugänglich macht. (Beitrag: Verdienstkreuz für Erforschung der Unterwelt)

2020 bis 2024
In den Jahren 2020 bis 2024 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Leila El-Amarie Younes, Jahr 2020
- Mohammed Jouni, Jahr 2021
- Jürgen Manfred Nest, Jahr 2022. Jürgen Nest ist im Sport engagiert, vor allem in der Berliner Turnerschaft.
- Horst Schmiele, Jahr 2023. Er engagiert sich im Verein „Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.“ vom Soldiner Kiez aus für die Ärmsten in der Stadt.
- Ursel Helga Wenzel, Jahr 2024
- Elke Theda Schilling, Jahr 2024. Elke Schilling hat die Einsamkeitshotline des Silbernetz e.V. für ältere Menschen gegründet (Beitrag: Höchster Orden für Einsamkeitshotline)
- Christian Mann, Jahr 2024
2015 bis 2019

In den Jahren 2015 bis 2019 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Petra Merkel, Jahr 2015
- Bernd Schimmler, Jahr 2015. Bernd Schimmler ist Vorsitzender des Weddinger Heimatvereins, er engagiert sich für die Bewahrung der Geschichte. Als ehemaliger Stadtrat hat er zusammen mit anderen das Mitte Museum gegründet.
- Berbé Schmidt, Jahr 2016
- Peter Michael Brandt, 2017
- Elke Elli Erb, 2019
- Bärbel Herta Kannemann, 2019

2010 bis 2014
In den Jahren 2010 bis 2014 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Tommy Spree, Jahr 2011. Tommy Spree betreibt das Anitkriegsmuseum im Brüsseler Kiez.
- Marianna Evelyn Werther, Jahr 2012
- Sema Yilmaz Karasu, Jahr 2012
- Regine Bouédibéla-Barro, Jahr 2013
- Herma Luise Eichhorst, Jahr 2013
- Ilsa Karla Heinrich, Jahr 2014
- Dr. Arthur Kingsley, Jahr 2014
2005 bis 2009
In den Jahren 2005 bis 2009 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Norbert Enke, Jahr 2006
- Klaus Erforth, Jahr 2006
- Helmut Ernst Salisch, Jahr 2006
- Dieter Hans Scholz, Jahr 2006
- Vera Schukies, Jahr 2008
- Giwi Margwelaschwili, Jahr 2008
- Heinz Gerhard Puttlitz, Jahr 2008
2000 bis 2004
In den Jahren 2000 bis 2004 erhielten das Bundesverdienstkreuz:
- Herbert Abelt. Jahr 2000.
- Renate Paris. Jahr 2000.
- Egon Wolfgang Kutzera. Jahr 2001.
- Gisela Mießner. Jahr 2001.
- Dr. Adelheid Wahlen. Jahr 2002.
- Rainer Eder. Jahr 2003.
- Dr. Klaus Bernhard Wahlen. Jahr 2004.
- Peter Joachim Barz. Jahr 2004.
- Götz Bernau. Jahr 2004.
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