„Hausbesuch“ klingt offiziell, ein wenig ernst – vielleicht sogar nach Kontrolle. Doch wer Julia Siegmund oder Elisabeth Trouwborst trifft, merkt schnell: Diesen Besuch lässt man gern hinein. Die beiden Lotsinnen sind in Berlin-Mitte unterwegs und informieren Menschen ab 70 Jahren über Unterstützungsangebote und Freizeitmöglichkeiten im Kiez. Sie arbeiten beim Malteser Hilfsdienst und sind Teil des Projekts „Berliner Hausbesuche“.

Unterwegs im Kiez – mit Öffis und E-Rikscha
Die Lotsinnen kommen mit den Öffis zu den Menschen oder auch mal mit der neuen E-Rikscha Pauline zu einem Infostand im Stadtteil. „Wir sind meistens unterwegs. An drei bis vier Tagen auf Hausbesuch oder im Kiez. An einem Tag in der Woche machen wir Büroarbeiten oder hören den Anrufbeantworter ab, rufen zurück“, sagt Julia Siegmund. Die meisten Einladungen erreichen sie nämlich per Telefon. Viele bekommen die Nummer zum Beispiel über Gratulationsschreiben des Bezirksamts oder von sozialen Einrichtungen, bei denen die Lotsinnen ihr Angebot vorgestellt haben. Nur wer es möchte und die Nummer wählt, bekommt Besuch von den Lotsinnen.
Die beiden kommen nicht mit leeren Händen zum Hausbesuch. Im Gepäck haben sie Informationen zu Freizeitangeboten, zu digitalen Angeboten, zu den Themen Wohnen und Pflege, aber auch Informationen für pflegende Angehörige. „Gerade in Mitte gibt es viele tolle Angebote. Es gibt so vieles, was man machen kann. Aber gleichzeitig ist Einsamkeit im Alter ein großes Thema“, sagt Elisabeth Trouwborst. Ihre Aufgabe ist es, Angebote für die jeweilige Person zu empfehlen, auf Beratungsstellen zu verweisen, Anregungen zu geben.
Was die Menschen wirklich beschäftigt
Die Lotsinnen richten sich bei den Gesprächen nach den Themen, die angesprochen werden. „Pflege, Gesundheit und Freizeit sind die drei wichtigsten Themen“, sagt Elisabeth Trouwborst. Aber auch, wenn es Probleme mit der Barrierefreiheit von Gebäuden gibt – etwa der Aufzug fehlt oder nicht funktioniert – dann sprechen das die Menschen selbst an. Die Hausbesuche sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen, die den Lotsinnen die Tür öffnen. „Wir wissen nicht, was als nächstes kommt, jeder Tag ist unterschiedlich“, erzählt Julia Siegmund. Das mit den Hausbesuchen nehmen sie auch nicht zu ernst. „Es muss auch kein Hausbesuch sein. Wenn es jemandem lieber ist, können wir uns auch in einem Nachbarschaftszentrum treffen oder in einem Café“, sagt Elisabeth Trouwborst.
Schwerpunkt 2026: Mehrsprachige Angebot
In diesem Jahr setzt das Team einen speziellen Fokus für seine Arbeit. „Wir wollen in diesem Jahr stärker Menschen erreichen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist“, sagt Julia Siegmund. Um das zu schaffen, wollen die beiden Schlüsselpersonen aus den verschiedenen Communities ansprechen. „Wir hoffen, dass diese Personen nicht nur beim Übersetzen helfen, sondern auch beim Verstehen“, sagt Julia Siegmund.
Die Berliner Hausbesuche sind ein Kooperationsprojekt der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern und dem Malteser Hilfsdienst. Das persönliche Informationsangebot für Menschen ab 70 Jahren wurde 2020 als Pilotprojekt in Lichtenberg und Charlottenburg gestartet. 2024 gibt es die Hausbesuche berlinweit, der Bezirk Mitte kam zuletzt dazu. Julia Siegmund oder Elisabeth Trouwborst sind seit Frühsommer 2025 im Projekt beschäftigt. Die Finanzierung der Berliner Hausbesuche ist noch bis Ende 2027 gesichert.
Kontakt und Termine
Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, findet Informationen auf der Webseite www.berliner-hausbesuche.de. Telefonisch sind Julia Siegmund und Elisabeth Trouwborst unter (030) 3 48 00 32 44 erreichbar, per E-Mail unter bhb.mitte@malteser.org Außerdem sind die beiden regelmäßig bei Veranstaltungen im Kiez anzutreffen – etwa bei BSR-Kieztagen oder beim Kiezfesten. Am 4. Mai informieren sie zudem beim Aktionstag „Pflege braucht Pausen“ für pflegende Angehörige und Menschen mit Pflegebedarf von 15 bis 18 Uhr im Olof-Palme-Zentrum im Brunnenviertel.

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