Das sind Weddings Brücken-Baustellen

Eigentlich leidet Berlin unter seinen Spannbetonbrücken. Siehe die gesperrte Elsenbrücke oder die marode Brücke an der Wuhlheide. Doch auch die Badstraßenbrücke braucht eine Sanierung. 2027 sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Nordhafenbrücke wird bereits jetzt instand gesetzt. Ein Blick auf Weddings Brücken-Baustellen.

Bahnverkehr unter der Badstraßenbrücke. Foto: Schnell
Bahnverkehr unter der Badstraßenbrücke. Foto: Schnell

Berlin und seine Brücken, seufz – über ein Thema, das in letzter Zeit verstärkt in den Medien berichtet wurde. Damit die Badstraßenbrücke nicht überraschend gesperrt werden muss, will die Berliner Verkehrsverwaltung ab 2027 planvoll mit der Sanierung beginnen. Und das an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Denn die Brücke ist nicht nur für den Autoverkehr wichtig, der sich in Nordsüdrichtung bewegt. So führen unter ihr die stark genutzten Linien der Ringbahn und der Nordsüdbahn, zahlreiche Regionalexpress- und Regionalbahnen und obendrein vereinzelt noch der Bahnfernverkehr hindurch.

Es „werden Eingriffe in den Bahnverkehr notwendig, welche im Rahmen der Baubetriebsplanung der Deutschen Bahn abzustimmen und einzutakten sind“, teilt das Presseteam der Senatsverwaltung für Verkehr mit. Es heißt, dass Sperrpausen für S-Bahn, Regionalbahn und Fernverkehr notwendig werden.

Sanierung, aber kein Abriss

Die Sanierung erfordert keinen vollständigen Abriss. „Aktuell sind über die Grundinstandsetzung hinaus kein Abriss- und Neubauleistungen von tragenden Bauwerksbereichen vorgesehen“, teilt die Senatsverwaltung mit. Die Bauarbeiten an der Badstraßenbrücke betreffen den Übergang von der Badstraßenbrücke zum Bahnhofsvorplatz (der technisch eine eigene Brücke ist) und das Mauerwerk der historischen Gewölbebrücke. Die westlichen Brückenkappen einschließlich der Geländer, der Fahrbahnbelag und die Brückenabdichtung werden erneuert. Unter Brückenkappe verstehen Fachleute den Schutzrand einer Brücke.

Baustart sollt, wenn Planungen, Vergabe und Genehmigungen planmäßig verlaufen im Jahr 2027 sein. Fast zehn Millionen Euro sind im Berliner Haushalt für die Sanierung der Badstraßenbrücke reserviert.

Badstraßenbrücke ist gemauert
Foto: Andrei Schnell

Nordhafenbrücke

Bereits zu beobachten ist, dass Berlin eine weitere Brücke vor dem Einsturz bewahren will: die Nordhafenbrücke. Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen. Ende September sollen die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Begonnen wird mit dem sogenannten Los 1, in dem die Brückenoberseite inklusive Entwässerung, Beleuchtung sowie Geländer erfasst ist. Später werden den folgenden Losen weitere Sanierungen kommen. Der Autoverkehr wird auf je einen Fahrstreifen pro Richtung verengt. Die Sanierung der Nordhafenbrücke ist nötig, weil sie zuletzt die Zustandsnote 3,5 erhalten.

Lediglich die benachbarte Sellerbrücke hat ebenfalls eine schlechte 3,5 erhalten. Doch „bei der Sellerbrücke sind es vorwiegend optische Mängel, die derzeit einer gefahrlosen Nutzung der Brücke nicht entgegenstehen“, erklärt das Presseteam der Verkehrsverwaltung. Gleichwohl bestehe ein Instandsetzungsbedarf. Weil eine Vielzahl von Brücken vordringlich saniert werden müssten, sei für die Sellerbrücke die Sanierung aufgeschoben.

Regelmäßige Prüfungen

Jede Brücke wird nach Norm DIN 1076 alle drei Jahre einer Prüfung unterzogen, wobei immer abwechselnd eine Hauptprüfung und eine einfache Prüfung erfolgt. Darüber hinaus wird jede Brücke mindestens dreimal im Jahr kontrolliert wird. Aufgrund der regelmäßigen Prüfungen könnten alle Brücken gefahrlos genutzt werden, so die Senatsverwaltung: „Die Nutzung der Brücken ist sicher.“

Besonderheiten der Badstraßenbrücke

In einem Infoflyer mit dem Titel „Berlin baut Brücken“ informiert die Senatsverwaltung für Verkehr über den Schwerpunkt Brückensanierungen. „Ein besonderes Augenmerk liegt derzeit auf Brücken mit Hennigsdorfer Spannstahl, da dieser unter bestimmten Bedingungen anfällig für Spannungsrisskorrosion sein kann und somit die Tragfähigkeit beeinträchtigen könnte“, ist in dem Flyer zu lesen. Spannbeton ist eine Variante des mit Stahl verstärkten Betons (Stahlbeton), in denen der Zahl unter Zug steht (gespannt ist). Beispiele für Spannbetonbrücken sind die gesperrte Elsenbrücke über die Spree, die eingestürzte Brücke an der Wuhlheide im Berlin-Schöneweide oder die abgerissene Wuhletalbrücke in der Marzahner Märkischen Allee. Alle diese Brücken sind keine 50 Jahre alt geworden.

Für Wedding und Gesundbrunnen listet der Flyer „Berlin baut Brücken“ als Projekte für 2025 und 2026 neben der Badstraßenbrücke und der Nordhafenbrücke noch die Behmstraßenbrücke, die Wiesenbrücke und die Behmstraßenbrücke auf. Sogar der kleine Humboldsteg, die Fußgängerbrücke mit dem markanten roten Geländer zwischen Hochstraße und Humboldthain, wird aufgeführt.

Humboldtsteg zum Humboldthain. Foto: Schnell
Humboldtsteg zum Humboldthain. Foto: Schnell

Tragfähiges Mauerwerk der Badstraßenbrücke

Im Vergleich zu diesen Spannbetonbrücken ist die Badstraßenbrücke uralt. 1869 wurde sie errichtet. Sie soll die älteste Brücke auf dem Gebiet des ehemaligen Bezirks Wedding sein. Sechs aufeinanderfolgende Bögen überspannen die Gleise von S-Bahn, Regional- und Fernverkehr. Die Bogenbrücke ist gemauert. Offenbar ist die alte Technik des Mauerns stabil und hat mit Blick auf Nachhaltigkeit Vorteile. Die Spannbetonbrücken gelten zwar als elegant und leicht, aber offenkundig stehen sie für ein Bauen der Wegwerfgesellschaft.

Die Badstraßebrücke erhielt ihre letzte Grundinstandsetzung zwischen 1984 und 1986. Sie steht unter Denkmalschutz.

Zum Weiterlesen

Hier geht es zum Flyer „Berlin baut Brücken„. Technische Daten finden sich bei structurae. Historisches zur Badstraßenbrücke findet sich im Denkmaleintrag zum Bahnhof Gesundbrunnen. Zustandsnoten für alle Brücken finden sich einer Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) vom Januar 2024.

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