Seit sechs Jahren wohnen Regine Allgayer und Angela Kaiser-Dommer im Brunnenviertel. Sie haben sich gleich wohlgefühlt und nach und nach festgestellt, wie vielfältig und spannend dieses Weddinger Quartier ist. Von Anfang an fehlte ihnen allerdings etwas in der Nähe, wo man sich zwanglos treffen könnte. Seit 2022 gibt es nun ein Kiezcafé: das Café Libre in der Strelitzer Straße 28/Ecke Bernauer Straße.

Das Café befindet sich direkt am Mauerstreifen in einem 1999 errichteten Mietshaus. Der helle, großzügige Raum lädt nicht nur dazu ein, einen Kaffee zu trinken – der nebenbei gesagt Spitzenklasse ist – sondern auch zum Treffen, Lesen, Arbeiten oder einfach aus den großen Fenstern Schauen. Dabei gleitet der Blick über die wohltuende grüne Fläche des Mauerstreifens mit der Kapelle der Versöhnung. An schönen Tagen kann man draußen sitzen und am Abend den Sonnenuntergang genießen.
Die Seele des Cafés sind die Schwestern Margarita Brunetti und Victoria Villanueva, die vor vielen Jahren von Kolumbien nach Europa kamen. Sie lebten in Italien, Österreich, Großbritannien und schließlich in Deutschland. Abgesehen von ihrer Muttersprache Spanisch sprechen sie fließend Italienisch, Englisch und Deutsch. Als sie den Platz für das Café entdeckt hatten, war ihnen klar, dass sich an dieser Stelle auch ein reines Touristen-Café betreiben ließe, aber sie wollten von Anfang ein Café für den Kiez machen.


Die Tatsache, dass die beiden Schwestern nicht deutsch muttersprachlich sind, sei keinesfalls eine Barriere für die Leute vom Kiez. Viele freuen sich, wenn sie Gelegenheit haben, ihre Sprachkenntnisse anwenden zu können. Und die Touristen fühlen sich willkommen in dieser weltoffenen herzlichen Atmosphäre. Für Margarita und Victoria ist der Kontakt mit ihren Gästen das Allerwichtigste: „Klar, wir machen auch ein Café und möchten (müssen) davon leben, aber wir verstehen uns nicht nur als Leute, die Kaffee und Kuchen verkaufen wollen“.


Neben diversen Kaffeesorten gibt es im Café Libre auch täglich frisch gebackene Kuchen und Torten, sowie Focaccia (vegetarisch oder mit Schinken), Quiche, Croissants und Schnecken und „Pastel de Nata“, eine Spezialität aus Portugal.

Was wäre, wenn wir – als Gäste des Cafés – uns etwas wünschten dürften? Ach ja, den schönen Blick auf den geschichtsträchtigen Mauerstreifen verstellen eine Handvoll parkender Autos. Das ist ein bisschen schade und ließe sich vielleicht ändern. Möglicherweise gibt es unter den Leserinnen des Brunnenmagazins Menschen, die das auch so sehen? Vielleicht könnte man bei den Politikerinnen des Berliner Senats dafür werben, ein Pilotprojekt unter Berücksichtigung der Interessen der Anwohnerinnen zu starten. Unter der Überschrift „Ein unverstellter Blick auf die deutsche Nachkriegsgeschichte“ könnte man eine kleine Parkverbotszone direkt vor dem Café schaffen – und sei es auch nur für ein paar Stunden am Tag.
Das Café Libre ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Webseite ist unter der Adresse www.cafe-libre-berlin.de zu erreichen.
Text: Regine Allgayer, Angela Kaiser-Dommer


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