Weddinger Start-up Denttabs in der Krise

Es ist eine echte Innovation „Made in Wedding“: die Zahnputztablette von Denttabs. Der Gründer Axel Kaiser hat das Unternehmen vor 20 Jahren in der Gerichtsstraße gestartet. Inzwischen gibt es Denttabs unter anderem bei Rossmann und dm. Dennoch: Jetzt hat Axel Kaiser im Online-Unternehmernetzwerk LinkedIn bekanntgegeben, dass er Insolvenz angemeldet hat.

Der denttabs-Gründer Axel Kaiser
Der denttabs-Gründer Axel Kaiser. Foto: Schnell

„Ich habe es in den vielen Jahren, die ich mit dem Thema Denttabs unterwegs bin, einfach nicht geschafft, genügend Menschen zu erreichen und zu überzeugen, Denttabs auch zu kaufen“, schrieb Axel Kaiser vor einer Woche auf LinkedIn. Die Nachricht, so merkt er an, komme nicht ganz unerwartet. Denn trotz Nachhaltigkeitspreis, Auszeichnung fürs Lebenswerk und allerlei anderen Preisen, trotz Regalplätzen bei den wichtigen Drogerieketten, trotz Kunden in den verschiedensten Ländern Europas habe „ich es nicht geschafft“. Dabei habe er viel Anerkennung und Unterstützung erhalten. Er „lese immer wieder Dankesmails von Menschen, die dank Denttabs keine Probleme mehr mit Mund und Zähnen oder sogar ihrer Haut haben. Aber es hilft halt alles nichts, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht funktioniert.“

Der Betrieb laufe zunächst weiter. Ein Insolvenzanwalt solle dabei helfen, Lösungen zu finden. Axel Kaiser, der das Unternehmen schon mehrfach in neue Hände geben wollte, hofft, dass das am Ende des Insolvenzverfahrens gelingen wird und dass die Zahnputztablette aus dem Wedding weiterproduziert werden kann.

Statt Zahncreme: Denttabs

Vor 20 Jahren hat Axel Kaiser seine erste Zahnputztablette hergestellt. Im Jahr 2003 hat er in den Gerichtshöfen etwas getan, wovon viele Start-up-Gründer träumen. Er hatte etwas erfunden, das den Markt revolutionieren und auf den Kopf stellen könnte. Axel Kaisers Kautablette sollte Milliarden Zahnpasta-Tuben überflüssig machen. Viele Jahre blieb die Zahnputztablette einer breiten Öffentlichkeit jedoch unbekannt. Zu den ersten, die Denttabs bemerkten, gehörte die Wissenschaft. Sie bestätigte die Kautablette als eine Alternative zur herkömmlichen Zahnpasta. Zum Beispiel schrieben Dr. Christian Böshagen und Professor Peter Gängler im Januar 2005 in einer Studie, dass Denttabs „in seiner Putzwirkung einer herkömmlichen Zahnpasta mindestens gleichwertig“ sind.

Auch nach der Gründung eines eigenständigen Unternehmens am 1. Januar 2009 dauerte es eine Weile, bis Axel Kaisers neuartiges Produkt den Durchbruch schaffte. Die breite Wahrnehmung begann, als Kunden anfingen, sich für nachhaltige Produkte zu interessieren. Als immer mehr Käufer beim Einkauf darauf achteten, wie sich Verpackung einsparen lässt. Tatsächlich ist es ein Effekt der Zahnputztabletten, dass anders als bei Zahnputztuben kein Wasser transportiert wird.

Ein Jahresvorrat denttabs-Zahnputztabletten. Foto: Hensel
Ein Jahresvorrat denttabs-Zahnputztabletten. Foto: Hensel

Die Zahnputztabletten bestehen weitgehend aus Zellulose und sind platzsparend. Obwohl das ein Argument für bewusst einkaufende Kunden ist, trifft es nicht den Kern von Denttabs. Denn Axel Kaiser war vor 20 Jahren angetreten, um ein gesundheitförderndes Produkt zu schaffen. Er wollte, dass sich Menschen Zähne putzen können, ohne dafür Konservierungsstoffe, Konsistenzgeber, Silikone und Paraffine sowie Titandioxid in den Mund nehmen zu müssen. Und genau so ist es: Die Denttabs-Tabletten enthalten keine Konservierungsstoffe, keine Bleichmittel und keine Farbstoffe. Axel Kaiser lässt auch diejenigen Zusätze weg, die nicht mehr tun, als ein besonders schaumiges Gefühl im Mund zu erzeugen. Am Ende stehen nur zwölf Inhaltsstoffe wie Fluorid (zur Stärkung des Zahnschmelzes) oder Menthol (für den Geschmack) auf dem Beipackzettel. In klassischen Zahncremes sind es deutlich mehr.

Wie es jetzt mit der Innovation aus dem Wedding weitergeht, ist noch unklar. Der Verkauf der Zahnputztabletten geht jedenfalls erstmal weiter.

Update: Zum Jahreswechsel 2025/26 hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass es den Insolvenzantrag zurückgezogen hat. Warum das geschah, steht in der ersten der Wedding-Meldungen vom 26. Januar 2026 Wedding kurz und knapp – die wichtigsten Meldungen aus dem Kiez.

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Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

Dieser Text wurde von zwei Menschen geschrieben, nämlich von Dominique Hensel und Andrei Schnell.

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Kommentare

  1. Avatar von Rolf

    Das ist ja eine traurige Nachricht. Ich verwende Dentatabs gerne, vor allem auf Reisen, weil sie Gewicht sparen bei Radtouren. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dm in seinem Regal neben den Dentatabs seit zwei Jahren ein No-Name-Eigenmarke fast für die Hälfte des Preises anbietet. Ich drücke dem Gründer die Daumen.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Wir sind seit dem ersten Versuch für die Recherche Fans von denttabs geworden. Die No-Name-Variante mögen wir nicht so sehr, auch wenn sie viel günstiger ist. Wir haben vorsichtshalber eine Jahresration gekauft, zu sehen auf dem Foto, auf dem auch die Zahnbürste ist. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ich hoffe sehr, die Tabletten werden weiter angeboten, egal von wem.

      1. Avatar von Axel

        Lieber Dominique,
        vielen Dank!
        Lg
        Axel

    2. Avatar von Axel
      Axel

      Hi Rolf,
      Dank, dass Du dabei bist!
      Lg
      AK

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