„Ramadan Kareem“ auf dem Leopoldplatz: Gemeinsames Iftar im Kiez

Als am Donnerstagabend, 12. März, die Sonne über dem Wedding untergeht, versammeln sich auf dem Leopoldplatz mehrere hundert Menschen an langen Tischreihen. Genau um 18.11 Uhr ist es so weit: Mit Datteln und einem Schluck Wasser brechen viele der Anwesenden ihr Fasten. Das öffentliche Iftar auf dem Platz ist inzwischen zu einer festen Tradition im Berliner Ramadan geworden – und zu einem sichtbaren Zeichen für interkulturelle Begegnung und gute Nachbarschaft.

Warten auf den Sonnenuntergang und den Beginn des Iftars, des Fastenbrechens. Foto: Hensel
Warten auf den Sonnenuntergang und den Beginn des Iftars, des Fastenbrechens. Foto: Hensel

Iftar auf dem Leopoldplatz etabliert sich

Für die Organisatoren ist die Veranstaltung zugleich eine Fortsetzung des Vorjahres. Nachdem sie 2025 zu einem ersten Iftar eingeladen hatten, fand in diesem Jahr wieder ein öffentliches Fastenbrechen auf dem Leopoldplatz statt. Ziel ist es, diese Form der Begegnung langfristig als festen Bestandteil des Ramadan im Stadtteil zu etablieren.

Bereits am frühen Abend hatten sich Familien, Nachbarn, Besucher aus anderen Berliner Bezirken und Passanten auf dem Platz eingefunden. Kurz vor Sonnenuntergang beginnen Helferinnen und Helfer, Suppe, Brot und weitere Speisen zu verteilen. Die Atmosphäre ist offen und zugleich festlich. Viele Menschen kommen miteinander ins Gespräch – unabhängig davon, ob sie selbst fasten oder nicht.

Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger hielt ein Grußwort und eröffnete die Veranstaltung. Foto: Hensel
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger hielt ein Grußwort und eröffnete die Veranstaltung. Foto: Hensel

Die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, Stefanie Remlinger, betonte in ihrem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung des Abends. „Der Ramadan erinnert uns daran, wie wichtig Solidarität, Rücksicht und Gemeinschaft sind. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Berlin brauchen wir Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen miteinander ins Gespräch kommen“, sagte Remlinger. Das gemeinsame Fastenbrechen auf dem Leopoldplatz sei ein „starkes Zeichen für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben“.

Spirituelle und soziale Bedeutung des Fastens

Einen Impuls zum Ramadan gab die Theologin Kübra Dalkılıç von Forum Dialog. In ihrem Vortrag erläuterte sie die spirituelle und soziale Bedeutung des Fastens im Islam. „Fasten bedeutet im Islam weit mehr als der Verzicht auf Essen und Trinken. Es ist eine Zeit der inneren Einkehr, der Selbstreflexion und der Solidarität mit Menschen, die weniger haben“, sagte Dalkılıç. Der Ramadan erinnere daran, achtsam mit sich selbst und mit anderen umzugehen.

Auch Ahmet Gürkan, Vorstandsmitglied von KUBIK e.V., unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung für das Zusammenleben im Stadtteil. „Der Leopoldplatz ist ein Ort, an dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammenkommen. Das gemeinsame Iftar zeigt, dass Begegnung und Dialog im Alltag möglich sind – wenn man den Raum dafür öffnet“, sagte Gürkan.

Der Verein habe für rund 80 Menschen Speisen vorbereitet. Neben seiner Familie hätten drei weitere Familien bei der Zubereitung geholfen und am Abend selbst das Essen verteilt. „Es macht uns glücklich zu sehen, dass so viele Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen und kulturellen Hintergründen zusammenkommen. So entsteht eine echte Tischgemeinschaft“, so Gürkan.

Beim multireligiösen Gebet wurde christlich, jüdisch und muslimisch gebetet. Foto: Hensel
Beim multireligiösen Gebet wurde christlich, jüdisch und muslimisch gebetet. Foto: Hensel

Interreligiöses Gebet und traditionelles Fastenbrechen

Vor dem eigentlichen Fastenbrechen fand ein kurzes muslimisch-christlich-jüdisches Gebet statt. Den Gebetsruf zum Abendgebet (Adhān) sprach Khalid Mahmood von der Bilal-Moschee. Für die fastenden Teilnehmer markierte dieser Moment das Ende des Fastentages. Unmittelbar danach wurden Datteln und Wasser verteilt – traditionell die erste Speise beim Fastenbrechen im Ramadan.

Der Leopoldplatz ist seit Jahren ein Ort für ganz unterschiedliche Begegnungen im Kiez. Der Wedding gehört zu den vielfältigsten Quartieren Berlins; Menschen aus zahlreichen Ländern leben hier zusammen. Das öffentliche Iftar macht diese Vielfalt sichtbar und lädt zugleich auch diejenigen ein, die mit dem Ramadan bislang wenig Berührung hatten.

Ramadan Kareem: Die Tische auf dem Leopoldplatz sind gedeckt. Es war Platz für 250 Menschen, es kamen aber mehr als eingedeckt war. Foto: Hensel
Ramadan Kareem: Die Tische auf dem Leopoldplatz sind gedeckt. Es war Platz für 250 Menschen, es kamen aber mehr als eingedeckt war. Foto: Hensel

Breites Bündnis organisiert das öffentliche Fastenbrechen

Organisiert wurde die Veranstaltung von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher und religiöser Initiativen aus dem Stadtteil. Zum Organisationsteam gehörten KUBIK e.V., Forum Dialog e.V., die Stiftung House of One, die Bilal-Moschee, die Evangelische Nazarethkirchengemeinde, B-Yali 224 e.V., das Haus der Jugend am Nauener Platz, Fixpunkt e.V., Wendepunkt gGmbH mit dem Café Leo sowie die Bürgerinitiative WIRamLEO. Unterstützt wurde das öffentliche Fastenbrechen auch vom Bezirksamt Mitte.

Alle Plätze waren besetzt - manche fanden sogar keinen freien Platz. Foto: Hensel
Alle Plätze waren besetzt – manche fanden sogar keinen freien Platz. Foto: Hensel

Noch mehr Kiez-Iftars

Das Fastenbrechen auf dem Leopoldplatz war bisher wahrscheinlich die größte, aber nicht die einzige Veranstaltung dieser Art im Stadtteil. So haben die Grünen-Abgeordneten Tuba Bozkurt und Hanna Steinmüller Anfang März zu einem Kiez-Iftar im Ballhaus Prinzenallee eingeladen, an dem viele Nachbar:innen aus dem Soldiner Kiez und darüber hinaus teilnahmen.

Am Freitag (13.3.) kamen ebenfalls fast 300 vor allem junge Menschen zu einem interreligiösen und interkulturellen Fastenbrechen in der Jugendfreizeiteinrichtung Zilleklub in Moabit. Die Jugendlichen konnten dabei auch mehreren Kandidat:innen für die Berlin-Wahl und die Bezirkswahl im September Fragen stellen. Initiator und Mitveranstalter dieses Iftars war Yasin Khalife, der für die SPD Mitte für die Bezirksverordnetenversammlung kandidiert.

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Kommentare

  1. Avatar von Ulrich Davids
    Ulrich Davids

    Ich konnte in diesem Jahr leider nicht zum Fastenbrechen auf dem Leo erscheinen und habe wohl was verpasst. Es ist gut zu lesen, das wieder mehrere hundert Menschen gemeinsam gespeist, geredet und zusammengesessen haben, um das Ende des Fastentages an diesem Abend zu feiern.
    In den letzten Jahren wurden wir ab und zu von Familien zum Fastenrechen eingeladen. Eine gute Erfahrung auch im kleinen Familienkreis gemeinsam und ungezwungen zu speisen und zu reden. Dank an die Gastfreundschaft und ich freue mich auf das nächste Jahr wieder auf das gemeinsame Fastenbrechen am Leo.

    Hier noch eine Frage: Ich kann mich erinnern, das wir im Jahr 2016 auf dem Leo das fünfte Mal Fastenbrechen gefeiert haben? Was war eigentlich danach?

    Grüße

    Uli

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Lieber Uli, ich hatte auch schon versucht, mit Hilfe der Aktiven vor Ort herauszufinden, wie oft es das Fastenbrechen schon gab. Uns waren nur drei Veranstaltungen eingefallen, die vom ehemaligen Betreiber des Café Leo Hüseyin Ünlü organisiert wurden. Wie gut, dass Dein Gedächtnis besser ist – fünf waren es also bis 2016. Ich glaube, dass die Förderung für das Iftar ausgelaufen war. Ich glaube, es war aus dem LZQ Müllerstraße finanziert worden. Aber das ist nur so Halbwissen. Vielleicht kam das Geld auch vom Bezirk. Vielleicht hat jemand anderes verlässlichere Infos – dann gern her damit!

      Wir sehen uns dann nächstes Jahr zum Iftar auf dem Leo! Dominique

  2. Avatar von Ulrich Davids
    Ulrich Davids

    Vielleicht gibt es noch mehr Hinweise. Leider ist es mit Projekten so, das sie nur begrenzt finanziert werden und dann meist auslaufen. Umso schöner dass sich nun seit zwei Jahren eine Organisation gefunden hat, die diese Tradition wieder belebt. DANKE

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